Die Versammlung der Wählergruppe, welcher ein Abgeordneter zugehört, hat das Recht, über Antrag der Fraktion der betreffenden Wählergruppe den Abge- ordneten aus wichtigen Gründen aus dem Landtage abzuberufen (Art. 47). Diese Bestimmung, die der Verfassung von 1862 wie derjenigen von 1921 fremd war, ist 1939 in die Verfassung aufgenommen worden. Sie steht im Widerspruch zur allgemeinen demokra- tisch-repräsentativen Verfassungsent- wicklung seit dem 18. Jahrhundert. So schaffte das französische Gesetz bereits 1789 die Instruktion und die Rückberu- fung der Abgeordneten durch die Wäh- ler endgültig ab. In Deutschland fand der Grundsatz des «freien Mandats» in der Mitte des 19. Jahrhunderts seinen rechtlichen Niederschlag. Die liechten- steinische Verfassung spricht allerdings nicht von der Bindung des Abgeordne- ten an Instruktionen. Doch die Sanktion der möglichen Abberufung wirkt notwendig zurück auf die Stellung des Abgeordneten und macht ihn letztlich abhängig von Fraktion und Wähler- gruppe. Die Sitzungsperiode des Landtages wird am Anfang eines Jahres durch den Landesfür- sten oder einen Bevoll- mächtigten eröffnet. Einberufung, Schliessung, Vertagung und Auflösung des Landtages Der Landesfürst hat das Recht, den Landtag einzuberufen, zu schliessen und aus erheblichen Gründen, die der Versammlung jedesmal mitzuteilen sind, auf drei Monate zu vertagen oder ihn aufzulösen. Eine Vertagung, Schliessung oder Auflösung kann nur vor dem versammelten Landtage ausgesprochen werden (Art. 48). Am Anfang eines Jahres eröffnet der Landesfürst entweder persönlich oder Liechtensteinisches Landesgesetzblatt Jahrgang 1991 Nr. 10 ausgegeben am 26. Februar 1991 Fürstliche Verordnung vom 14. Februar 1991 über die Einberufung des Landtages Im Sinne des Art. 49 der Verfassung vom 5. Oktober 1921 berufe Ich den Landtag auf Dienstag, den 5. März 1991, vormittags 10.00 Uhr, nach Vaduz ein. gez. Hans-Adam gez. Hans Brunhart Fürstlicher Regierungschef Eröffnungssitzung des Landtages 1. Heiliggeistamt 2. Eróffnung des Landtages durch den Landesfür- sten oder einen Bevollmáchtigten (Thronrede) 3. Ansprache des Alterspräsidenten 4. Wahlen 4.1 Landtags- präsident 4.2 Landtagsvize- präsident 4.3 Schriftführer 4.4 Finanzkommission 4.5 Geschäfts- prüfungs- kommission 4.6 Aussenpolitische Kommission 171