112 Liechtenstein überhaupt im Gespräch ist? Ich meine nein, denn der Schritt vom Gespräch zum Gerede ist nur klein. Allerdings: Ist dem Liechtensteiner nicht oft das bequeme Kuriosum selbst am liebsten? Hausiert er nicht selbst oft genug mit dem Zufall, dem Relikt Liechtenstein? Hält er nicht jeden Ausländer für banau- senhaft und unhöflich, wenn dieser auf Informationen nicht andäch ­ tig staunend mit «Ja, gibfs denn sowas?» reagiert? Können wir nur noch als Kuriosum konkurrieren? Diese harte Frage müssen wir uns gefallen lassen. Das angedeutete Image ist ein treuer Begleiter des Liechtensteiners im Ausland. Zu ändern freilich ist es am leichtesten an der Basis, das heißt im Lande selbst. Das Angebot an Informationen muß zu die ­ sem Zwecke eine quantitative wie qualitative Steigerung erfahren. Manches wurde mit beschränkten Mitteln getan, mehr muß getan werden. In der Hauszeitschrift der Firma Kraus-Thomson in Nen- deln standen unter dem Titel «Liechtensteiner Selbstdarstellung» fol ­ gende Sätze zu lesen (Folio, Nr. 4, 1971): «Zu lange hatte man es allen möglichen Kräften außerhalb unseres Landes überlassen (müs ­ sen?), ein weitgehend einseitiges und falsches Bild über Liechtenstein in der Welt zu verbreiten. Die negativen Folgen dieser Unterlassun ­ gen (die von der früheren Situation Liechtensteins als volkswirt ­ schaftlich unbedeutender Kleinstaat aus gesehen verständlich sind) wurden uns indessen erst in neuerer Zeit voll bewußt, und zwar in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht.» Die liechtensteinische Industrie bemühe sich schon seit Jahren um eine bessere Selbstdar ­ stellung. Mit Erfolg, wie man weiß. Man kann zusammenfassen: Liechtenstein muß sich heute im Ausland als lebensfähiger, geradezu «normaler» Staat (nicht als Paradies oder Operettenstaat) mit fest verankerten, historisch gewachsenen Grund ­ lagen, einer gefestigten politischen Struktur, einer hochstehenden Wirtschaft und kultureller Ausstrahlungskraft profilieren. Das Stichwort «Kultur» ist gefallen. Dr. Georg Malin hat in seinem Vortrag «Zur liechtensteinischen Kulturpolitik» auf das Potential hingewiesen, das in Kulturgütern und kulturellen Aktivitäten liegt. Mit Recht, wie mir scheint, hat er neben genutzten auch von unge ­ nutzten Möglichkeiten gesprochen. Ein Beispiel in diesem Zusammen ­ hang: Am 19. Oktober 1971 wurde in Basel der mit Fr. 20 000.— dotierte und von der Johann-Wolfgang-Goethe-Stiftung in Basel ins Leben gerufene Jacob-Burckhardt-Preis verliehen. Der Preis be ­ inhaltet auch noch ein Stipendium für begabte Studenten. Diese Stif ­ tung hatte ihren Sitz seit den dreißiger Jahren in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein. Heute nicht mehr. War diese Tatsache bekannt, hat