39 eine Fremdsprache klingen. Das ändert im Grundsätzlichen nichts: Im Staat zählt nicht allein die Zahl der Termiten und der Hunger der Wölfe. d) Kulturpolitik als Mittel liechtensteinischer Außenpolitik Die liechtensteinische Außenpolitik ist in ihren Hilfsmitteln und in ihrer Manövrierfähigkeit besonders durch den Zollvertrag beschränkt. In meinen bisherigen Ausführungen scheint die Verbindung von Außenpolitik und Kulturpolitik durch. Es ist ein Charakteristikum der Kulturpolitik, daß sie die Fähigkeit des Brückenschlagens auch zwischen ideologisch getrennten Staaten besitzt. Die Einmütigkeit an der UNESCO-Tagung in Venedig hat dies erneut bestätigt. Auch die Wiederaufnahme diplomatischer Be ­ ziehungen geht in der ersten Phase meist über Kulturabkommen. Es gibt unzählige Beispiele dafür. Im Gefolge davon findet ein Aus ­ tausch von Künstlern, Wissenschaftlern, Sportlern und Ausstellungen statt. Führende Politiker übernehmen jeweils das Patronat. Bezeich ­ nenderweise führte zum Beispiel der russische Außenminister Gro- myko bei der Ausstellung «Historische Schätze der Sowjetunion» das Ehrenkomitee an. Es steht fest, daß alle Staaten der Welt, Kultur ­ politik ins Beziehungskalkül mit Drittstaaten einrechnen. Wenn Liechtenstein eine Außenpolitik aufbauen will, die mehr ist als nur Beziehungen mit dem Zollvertragspartner — und meiner An ­ sicht nach müssen wir das tun —, so ist Kulturpolitik, konzertiert mit anderen Vorstößen, für den Beginn das wirksamste. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts trug der Fürst allein die Sorge um die Außenpolitik Liechtensteins. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts führten die Zollverträge mit Österreich und der Schweiz zu einer fortschreitenden Verkümmerung des Sinnes für Beziehungen zu an ­ deren Staaten als den Zollvertragspartnem. In der kritischen Zeit der zwanziger Jahre wirkten in Wien, Prag und Bern liechtenstei ­ nische Vertretungen. Im Bewußtsein des heutigen Liechtensteiners ist eine Gesandtschaft in Bern schon zuviel. Vor die elementare Frage der Integration gestellt, ist Liechtenstein außenpolitisch verküm ­ mert: es fehlt an Personal, Erfahrung, Konzeptionen und am Willen zur Veränderung, weil eine wirtschaftliche Blüte die Erkenntnis der Gefahr überdeckt. Dennoch, geschenkt wird uns nichts werden. Wir müssen wissen, was wir wollen und nicht nur das, was wir nicht wollen. Die Beziehungen zwischen den Völkern beruhen nicht auf karitativen Grundsätzen.