Seite 8 Liecht. Umweltbericht, Juni 1989 Möglichkeiten zur Verminderung von Lärm Fast die Hälfte aller Einwohnerinnen Liechtensteins fühlen sich häufig durch Lärm belästigt. Das ist ein alarmierendes Zeichen. Die Frage wird aufgeworfen, was gegen den Lärm getan werden kann und wie man sich vor Lärm schützen kann. Wir geben dazu einige Hinweise. Auf Seite 9 zeigen wir in Skizzen auf, welche Massnahmen im Strassen- bereich getroffen werden können (aus: Lärmschutz und Raumplanung, Hg. Bundesamt für Umweltschutz und Bundesamt für Raumplanung). An oberster Stelle bei der Verminderung von Lärm sind Veränderungen im Verhalten zu nennen. Viel unnötiger Lärm liesse sich durch lärmbewusstes Verhalten verhindern: Verhalten 1. Unnötige Fahrten vermeiden Das Auto ist in der Garage am leisesten. 2. Auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen Ein Postauto erzeugt weniger Lärm als vierzig Autos. 3. Hohe Motordrehzahlen vermeiden 32 Autos mit je 2000 Umdrehungen machen nicht mehr Lärm als ein einziges mit 4000 Umdrehungen (siehe Abb.) 4. Gleichmässige Fahrweise Überholmanöver bringen nur selten den ge- wünschten Erfolg. 5. Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten 6. Keine Umfahrung von Verkehrsampeln Die Anwohner sind ihnen dankbar, wenn der Verkehrslärm nicht in die Wohngebiete getra- gen wird. 7. Keine Mofas «frisieren» Das Mofa ist nicht für höhere Geschwindig- keiten gebaut. Zudem schadet das «Frisieren» dem Motor und hat hohe Lärm- und Schad- stoffemissionen zur Folge! 8. Helikopterrundflüge vermeiden 4 Personen freuen sich, 40 000 hören zu! 9. Weniger oft den Rasen mähen Eine Blumenwiese ist wertvoller als ein lang- weiliges Einheitsgrün. Die Sense macht übri- gens weniger Lärm. 10. Haushaltgeräte sinnvoll einkaufen Haushaltgeräte können auch leise sein! Organisatorische Massnahmen Das Verhalten der Individuen muss durch or- ganisatorische Massnahmen, die die Reduk- tion des Lärms zum Ziel haben, ergänzt werden: 1. Geschwindigkeitsbeschränkungen Der Lärm aus dem Strassenverkehr steigt mit steigender und sinkt mit sinkender Geschwin- digkeit. Diese objektiven Messungen werden auch durch Umfragen bestätigt. Hohe Ge- schwindigkeiten werden als störender emp- funden als niedere. Besonders in Wohngebie- ten und anderen lärmempfindlichen Gebieten sollte daher die Geschwindigkeit herabgesetzt werden. 2. Einschränkung der Strassenbenützung, Parkierbeschränkung, Verbote Zu diesen Massnahmen zählen Verkehrsum- leitungen, Schaffen von Sperrzonen und Sperrzeiten. Dies ist zwar eine rigorose Mass- nahme, kann aber gezielt unerwünschten Lärm verhindern. 3. Bessere Überwachung des Verkehrs Die Massnahmen greifen nur, wenn sie auch kontrolliert werden, z. B. durch vermehrte Geschwindigkeitskontrollen 4. Kontrolle der Fahrzeuge Kaputte Auspuffrohre, «frisierte» Töffs usw. erzeugen verbotenerweise unnötig viel Lärm. Häufigere Kontrollen könnten hier Abhilfe schaffen. Planungsmassnahmen Bereits in der Planung der Verkehrswege und Bauzonen könnte vermehrt auf den Lärma- spekt eingegangen werden. 1. Abstand der Strassen von lärmempfindlichen Zonen Dies gehört zu den wirksamsten Mass- nahmen. 2. Schaffung von Verkehrshierarchien Das bündelt den Verkehr und den Lärm, z.B. durch die Hierarchie — Hauptstrassen, die durchleiten — Sammelstrassen, die verbinden — Quartierstrassen, die erschliessen 3. Bündelung der Verkehrsträger Eisenbahn, Autobahn und Lokalstrassen wer- den gebündelt. Das bewirkt eine Reduktion der Gesamtlärmfläche. 4. Einbezug einer möglichen späteren Überbauung in die Planung Die Überbauung von Strassen ist sehr lärm- dämmend, jedoch kostenintensiv und mit Pro- blemen bezüglich der Lüftung verbunden. 5. Abgestufte Anordnung der Zonen nach Lärmempfindlichkeit Staffelung: Strasse, Industrie, Gewerbe, Wohnzone 6. Vorschrift zur geschlossenen Bauweise Hier kommen beispielsweise Gebäuderiegel durch Gewerbebauten in Frage. Das lässt sich vor allem entlang der Landstrasse durch Va- duz und Schaan, aber auch in anderen Dör- fern praktizieren. Bauliche Massnahmen Die Spannbreite baulicher Massnahmen wird auf der folgenden Seite mit Skizzen darge- stellt. Die Anwendungsmöglichkeit im Ein- zelfall bleibt der Phantasie unserer Leserin- nen und Leser überlassen.