worauf ihnen der Holzbezug gesperrt, später aber wieder verabfolgt wurde; das zweite Mal um Rechte an Pfrundgütern, die Kommissar Harprecht in Anspruch nahm. Es kam, wie auch Peter Kaiser schildert, bis zum Kirchenbann gegen die Beamten. Die Form der herrschaftlichen Hofkaplaneien zu St. Florin bestand bis 1842, dem Jahre der kirchlichen Abtrennung des Dorfes Vaduz von Schaan. Die so stimmungsvolle Schloßkapelle ist der heiligen Anna geweiht. Im Jahre 1511 wurde die St.-Anna-Bruderschaft gegründet, und zwar von den Geistlichen des Oberlandes und vielen Laien zur Abwendung der Drangsale jener Zeit — erinnern wir uns an den Brand des Schlosses und viele Kriegsleiden im Jahre 1499. Der St.-Anna-Altar und die Prozession an diesem Tage sowie das Kirchweihfest und der Jakobisonntags-Brauch gehen auf diese Zeit zurück. Vaduz war, zumindest seit Entstehung der Grafschaft (1342) bis 1842 ein Teil des Kirchspiels Schaan und hatte auch keine formelle Selbständigkeit als politische Gemeinde. Die Teilung der Gemeindegüter im Verhältnis Schaan 14615, Vaduz 127 im Jahre 1797 zeigt, daff das Dorf Vaduz nahe an die Grófie von Schaan herangewachsen war. Die Entwicklung ging zur Selbständigkeit auch in kirchlicher Hinsicht. Bis vor gut 100 Jahren wurden die Vaduzer in Schaan getauft, getraut und begraben. In den Pfarrbüchern von Schaan sind die Lebensdaten unserer Ahnen zu suchen, nach Schaan mußten lange Zeit die Vaduzer auch zur Kirche gehen, denn die Sonntagsmesse in St. Florin fand früher nicht regelmäßig statt. Von Schaan aus drängte Kanonikus Pfarrer Carigiet auf eine Lösung, von Vaduz aus sein Schwager, Rentmeister Rheinberger, wie es dessen Sohn David in seinen familiengeschichtlichen Notizen ausführt. Pfarrer Carigiet richtete im Jahre 1828 eine sehr freimütige Eingabe an das bischöfliche Ordinariat in Chur, die Folgendes feststellt: Die beiden Hofkapläne in Vaduz sind nicht zur Seelsorge verpflichtet. Sie lesen an den Sonntagen ihre stille heilige Messe und halten an jedem dritten Sonntag im Jahre Christenlehre. Nur an den höchsten 8 Festtagen kommen Kapuziner zur Predigt — schonungslos nennt es Pfarrer Carigiet „Fau- lenzen“. Er zeigt die Folgen auf: „Die Vaduzer begnügen sich mit der stillen Messe in ihrer Kapelle; nach Schaan in die Pfarrkirche kommen sie nicht, würden auch dort keinen Platz finden. Sie sind das ganze Jahr der Predigten und Beicht- gelegenheit beraubt, stehen ohne geistliche Aufsicht in und außer der Kirche. Schulen und Kranke werden verwahrlost, Unwissenheit und Roheit sind die traurigen Folgen bei dieser Menschenklasse. Die gesamte Jugend, die der Predigten und Christenlehren am meisten bedarf, ist nie in der Pfarrkirche.“ 31 EG