Landvogt Schuppler schreibt 1815 (JBL 1975): «Mehrere nacheinanderfolgende Misjahre, und die auserordentliche Verarmung des Unterthans, machten pro ao 1815 obngeachtet der bestritte- nen bedeutenden Kriegs- und Lieferungskosten, eine die Landesausgaben dekende Steuerausschreibung unmöglich, sämtliche Kriegskosten wurden von der fürstlichen Hauptkassa und dem Renntamte vorgeschossen und nur das eingetrieben, was zur Zahlung der Steuersolaristen, und der Verpfle- gungskosten fremder Truppen nothwendig war, mit 631 fl 5 xer.» Nach dem verheerenden Rheineinbruch 1846 bei Vaduz schildert ein Bericht die erschütternden Umstände, die noch verschlimmert wur- den durch die grosse Armut des Landes, das sich aus eigener Kraft kaum mehr erholen konnte, «indem die immer noch offenen Wunden alter Kriegserlittenheiten, eine Reihe von Missjahren der Feldfrüchte als die fast ausschliessliche Nahrquelle, der gänzliche Mangel an besserer Industrie und die Ungunst der komerziellen Verhältnisse dem Ausland gegenüber die stiefmütterliche Natur des Landterrains an keinen Wohlstand, an keine Selbsthilfe in so unglückliche Zeiten denken lassen.» Wie wenig Kredit unser Land hatte, ist einem Bericht bei der Schaffung des ersten Sparkassengesetzes 1863 im Landtage zu entneh- men: «Das fernere Gedeiben der 1. Sparkasse sei gesichert und dieselbe babe alle Aussicht, unter dem Einfluss des neuen Gesetzes eines der wobl- thätigsten Institute im Lande zu werden. Diese scheinbar optimistische Auf- fassung war dennoch zutreffend und gründete sich auf eine richtige Erkenntnis der früheren traurigen Geld- und Kreditverhältnisse unseres Landes, welches zu Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts un- verhältnismässig grosse Lasten zu tragen hatte. Das Land war danach nahe dem ökonomischen Ruin, der Credit schwand gänzlich. Dazu der bestän- dige Kampf mit den Elementen, welche von Zeit zu Zeit mit Rhein- und Rüfeverheerungen das Land heimsuchten. Auch wirkte der langjährige kommerzielle Ausschluss des Landes von Deutschland lähmend auf jeden nutzbringenden Verkehr. Abgesehen von den übrigen meist schwach dotierten öffentlichen Kapitalien gab es im Lande selbst keine Quellen für Geldsuchende. Letztere mussten sich daher bei Geldbedürfnis meist ander- wärts umsehen und fanden sehr häufig erst nach vielen Mühen und Um- ständen die nöthigen Mittel im benachbarten Graubünden oder im Vorarl- berg. Nicht selten hatte auf diese Weise ein Bauer die Strecke von Bregenz bis Chur durchwandert, ohne auf sein mehrfaches Unterpfand den kleinen Betrag von 100 fl. aufzutreiben. Unser Land war eben als verarmt bekannt und ausserdem hielt mancher Kapitalist mit Belehnungen wegen der Rüfe- und Rheingefahren zurück. Gewissenlose Zwischenhändler hatten zeıt- weilig noch das ihrige gethan, um dem armen Kreditsuchenden seine schwierige Lage zu verschlechtern. Diese misslichen Zustände in der guten, alten Zeit äusserten natürlich auch ihre Wirkung auf das staatliche Leben. Kaum 10 Jahre vor dem Zustandekommen der liechtensteinischen Spar- kasse wollte das Land einige tausend Gulden für die Staatsbedürfnisse in der Schweiz entlehnen. Die angebotene Garantie des Landes wurde aber nicht als genügend betrachtet, sondern es mussten sich, um das Darlehens- geschäft zu Stande zu bringen, mehrere besser begüterte Inländer für das Land verbiirgen. Es ist gut, dass solche Zeiten vorbei sind, und es war daher gewiss nicht verwunderlich, wenn das Entstehen der landsch. Spa rkasse all- gemein begrüsst wurde.» Armut, Kriege und Notzeiten 827