Grundverkehrsrecht 13. Grundverkehrsrecht Allgemeines, Besitzesschutz, Erbfolge etc. Urkunden über Land- und Grundstückverkäufe zwischen nicht adeligen Eigenbesitzern sind - wenn überhaupt solche geschrieben wur- den - aus der Zeit vor 1700 nur spärlich erhalten geblieben. Zuständig zur Beurkundung von Verkaufsgescháften («szegeln») waren ab dem aus- gehenden Mittelalter auch die. Landammünner. Ein Grundbuch mit Urkundenzwang besteht bei uns erst seit 1809. Vorlàufer war etwa das «Protokoll beim Fürstl. Oberamte, in das die von Richtern geschriebenen und vom Landammann gesiegelten Obligationen samt Beschreibung und Schátzung des Unterpfandes» eingetragen worden waren. Wer Eigentümer war, konnte sein Grundstück mit allen anhaften- den Rechten veráussern. Erbleheninhaber konnten ihre Lehen ebenfalls (mit oder ohne Zustimmung des Grundeigentümers) veráussern. Der Käufer trat damit in die dem Lehen anhaftenden Rechte und Pflichten ein. Solche Urkunden über dem Lehenrechte unterstehende Grund- stücke sind verhältnismässig viele auf uns gekommen, weil bei deren Zustandekommen meistens Lehenherren (Klóster, Landesherren) oder deren Kanzleien mitbeteiligt waren und Urkunden so eher aufbewahrt und erhalten blieben als dort, wo sie Ammännern, Gerichtsleuten, Pri- vaten übergeben wurden. Unter Grundverkehrsrecht verstehen wir heute gesetzliche Nor- men, die den Behôrden gestatten, auf einen Verkauf einzuwirken, einen solchen zu genehmigen oder zu verweigern. Denn Eigentum an Immo- bilien kann seit Einführung des Sachenrechtes (1923) nur mehr mit Ein- trag des Überganges im Grundbuch erworben werden. Ziel dieser heute bestehenden Vorschriften nach dem Grundverkehrsgesetz vom 13. November 1974 ist es, den Boden möglichst breit gestreut der ein- heimischen Bevölkerung zu erhalten, vor "dem Ausv erkauf an Fremde zu bewahren und grundsätzlich nur zuzulassen, wenn seitens des Käu- fers ein berechtigtes Interesse besteht. Solchen Beschränkungen des Grundverkehrs begegnen wir schon in alter Zeit. Am 9. August 1411 verbietet Graf Hartmann von Werdenberg, Bischof zu Chun dass die Walliser in der Grafschaft Walgau von seinen eigenen Leuten daselbst Güter kaufen und gestattet dies nur ım Falle grosser Not der Verkäufer, wobei dann die Käufer die Güter wıe bis dorchin versteuern müssen. 1529 verbot Graf Rudolf von Sulz zu Vaduz, Neugläubigen im Lande zu wohnen und Gut zu erwerben (nicht «gehauset und gehofet»). 1673 beschwerten sich der Ammann, die Geschw orenen und Unterta- nen der Herrschaft Schellenberg beim gräflichen Landvogt, dass das Kloster St. Luzi (das in Triesen das grosse Lehen bei der Muttergottes- kapelle besass) resp. die Pfarrpfründe zu Bendern immer mehr Grund und Boden ankaufe und dadurch den óffentdlichen Umlagen entziehe, wodurch die Lasten der Bürger immer grósser würden. . (Kirchen- und Klostergut war von jeher. von vielen. "Umlagen befreit, die andere Güterbesitzer zu tragen hatten, z.B. Dämme und Wuhre am Rheine zu bauen, Frondienste). Landvogt Schuppler antwortete 1809 verschiedenen Gemeinden auf Eingaben betreffend Grundbuchanlage, Gemeindeboden nicht zu den Vier n zu schreiben etc.: «Kann mir durch die Dauer meiner Amts- 549