Der Zehent 516 Darnach sollten «Ulrich Pitschy und alle seine nachkommenden Kirchherren zu Triesen ewiglich zurecht haben einen dritten Teil und Hainz (Heinrich) von Unterwegen zwei Dritteile alles Weinzehents sowohl von den neuen als von den alten Weinbergen; von allem anderen Zehenten aber (von Korn, Fench, Füli, Gäns und allen Frächten, kleiner und grosser Zehent) sollen H. von Unterwegen und seine Erben drei Teile, und Pfarrer Pitschy und seine Nachfolger einen Viertel beziehen, wie das von Alters herkommen sei». Somit betrug der Zehent des Hochstiftes Chur vom Weinzehnten zwei Drittel, von allen anderen Zehenten drei Viertel. Aus dem Einkünfterodel des Klosters Mehrerau erscheinen um 1340 Abgaben aus Vaduz: «Von Vaduz 12 Wertkäse und 6 Pfennige für die Gurten, die Darn- gürtel genannt.» Bemerkung: 1. Diese Käsezinse kamen nur aus dem ehemals romanischen Oberland, so schon nach dem ältesten Rodel in Mehrerau von etwa 1290, in dem die Rubrik der Käsezinse noch «Census ın Romano» überschrieben 1st. 2. Jeder Käs soll 6 Pfennig wert sein. Die Käsfahrt zur Einsamm- lung der Zinsen durch das Oberland wurde offensichtlich von Vaduz aus angetreten. Das Zehentwesen hatte im Wirtschaftsleben des einheimischen Bauern eine empfindliche Stellung. Die Bodenzinse waren durch die Rechtsverhältnisse der früheren Jahrhunderte begründet. Beim Zehen- ten jedoch fehlte jegliche rechtsgescháftliche Beziehung zwischen Zehntherrn und Zehntpflichtigem. Daher dauerten die Streitigkeiten um diese Grundlast seit ihrer Einführung vor mehreren Jahrhunderten bis zu ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert ununterbrochen an. Zehntstreitigkeiten lassen sich in der liechtensteinischen Geschichte immer wieder nachweisen. Die letzte grosse Ausmasse annehmende Streitigkeit spielte sich im 18. Jahrhundert zwischen Lan- desherrschaft und Klerus wegen des Novalzehnten ab. Als die Landes- herrschaft 1720 den Novalzehnten als ihr Eigentum beanspruchte und einzog, belegte der Bischof von Chur die herrschaftlichen Beamten mit dem Kirchenbann und verhängte über die Kapelle auf dem Schloss und im Dorf Vaduz das Interdikt. Der Fürst antwortete mit dem Befehl an seine Untertanen, «diesen nichtigen und feindseligen Kirchenbann» bei Lebensstrafe nicht zu beachten und liess alle geistlichen Güter und Ein- künfte in Liechtenstein von der Obrigkeit in Beschlag nehmen. Der Streit konnte schliesslich durch eine kaiserliche Kommission und einen Schiedsspruch des Kaisers beigelegt werden (KB 1923 S. 511). Auswirkung auf die Landwirtschaft: Die Zehentabgabe war für die Bauern eine drückende Last, nicht so sehr wegen der Grósse der Abgabe als vielmehr wegen deren hem- menden Wirkungen. Wurde Neuland durch Rodung gewonnen, so mel- deten sich die Zehntherren sofort als Mitteilhaber am Fruchtertrag. Der Anbau neuer Gewichse, wie z.B. der Kartoffel, wurde vom Zehnther- ren anfánglich nicht gerne gesehen; schliesslich wusste er sich durch den Kartoffelzehnten schadlos zu halten. Der Bauer fühlte sich in seiner landwirtschaftlichen Titigkeit auf Schritt und Tritt eingeschränkt. Der Zehnt hatte eine hemmende und lihmende Wirkung auf die Landwirt- schaft und war mit den geistigen und wirtschaftlichen Neuerungsbestre-