10 Eingriffe Einzigartige Baumhecke auf Dux † Bauprojekte Verfahren zu Bauvorhaben und andere Eingriffe in Natur und Landschaft führen wir intern unter der Rubrik «Fälle und Verfahren». Hier drei Nachrichten aus unserer Sandortgemeinde Schaan. Wertvolle Baumhecke zerstört Unmittelbar neben dem Hotel Dux in Schaan musste eine wertvolle Baumhecke mit altem Eichenbestand einer Überbauung wei- chen; die Parzelle inklusive Gehölz befindet sich in der Bauzone. Der Rodung ist ein Streit zwischen Hotelbesitzer und Gemeinde vorangegangen. Übrig bleiben – sozusagen als Kompromisslösung – einige Einzelbäume. Die mächtigen Bäume, zumeist Eichen, sind das Herzstück des nun zerstörten Hecken- saums. Es bleibt zu hoffen, dass sie die Bau- zeit überstehen. Das Baumgehölz westlich der Parzelle befindet, respektive befand sich auf der Parzellengrenze. Die Baumhecke war schätzungsweise 80 bis 120 Jahre alt. Insge- samt hatte die Hecke eine grosse ökologische und lanschaftliche Bedeutung, solche Bestän- de sind traditionelle Strukturelemente dieses Siedlungsraums. Der stufige und artenreiche Aufbau mit einer gut ausgebildeten Kraut- schicht und kleineren und grösseren Sträu- chern bot vielen einheimischen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum und Rückzugsstruktur. Beobachtet wurden zum Beispiel der Wende- hals, die Ringelnatter, Siebenschläfer und Fledermäuse. Die LGU bedauert, dass dieses schützenswerte ökologische Kleinod nicht zu einem früheren Zeitpunkt auszoniert und geschützt wurde. Es ist eine wichtige Auf- gabe der Gemeinden, die schützenswerten Zonen und Objekte im Siedlungsgebiet zu identifizieren und sie bei Zonenplanänderun- gen und baulichen Entscheidungen stets im Auge zu behalten. Nur so können künftig die letzten ökologischen Nischen im Siedlungs- gebiet vor Zerstörung bewahrt werden. Ausbaupläne Hilti AG Schaan Die Hilti AG hat sich für einen massiven Aus- bau des Standorts Liechtenstein entschieden. Vis-à-vis des Hauptsitzes an der Feldkircher- strasse wird ein neues Innovationszentrum geplant, tatsächlich innovativ im Minergie-P- Standard. Aus landschaftlicher Sicht ist der Standort äusserst ungeeignet. Mit dem Bau wird gegen Nordwesten die Wahrnehmung einer bislang praktisch unbebauten Land- schaftskammer im Schaaner Riet massiv be- einträchtigt. Idealer für dieses «stille Gewerbe» wäre ein Stand ort weiter südlich am Rande des Wohngebiets. Der Grossteil der neu ent- stehenden Ar beitsplätze wird mit Ingenieur - Innen aus dem fernen und nahen Ausland besetzt werden. Die Firma geht davon aus, dass der Bedarf an Parkplätzen massiv steigen wird. Auf dem Areal des heutigen Tanklagers Forst soll deshalb ein Parkhaus mit 940 Park- plätzen gebaut werden. Das UVP-Verfahren – gemäss Gesetz nicht für das grosse Innovati- onszentrum, sondern nur für das Parkhaus – wird in Kürze lanciert. Bis jetzt verschliesst sich die Firmenleitung gegenüber den Vor- schlägen von VCL und LGU, den Modalsplit bei den Arbeitswegen durch Anreize und Be - wirtschaftung der Parkplätze zu beeinflussen. Schade, denn alle Unternehmen, auch die Hilti AG, tragen Verantwortung für die Lebens - qualität in Liechtenstein. Professionell betrie- benes Betriebliches Mobilitätsmanagement könnte die Mitarbeiterkultur zusätzlich bele- ben und die Mitarbeiterzufriedenheit fördern. Ferndampfleitung Buchs–Schaan Die Kehrichtverbrennungsanstalt (KVA) Buchs baut eine Ferndampfleitung zu den Betrie- ben Hilcona und Ospelt. Klimapolitisch ist dies für Liechtenstein ein Glücksfall, es können mit diesem einen Projekt künftig etwa 20 Pro- zent der Reduktionsverpflichtungen des Kyo- toprotokolls erreicht werden. Ein Glücksfall ist das Projekt auch für die betroffenen Firmen. Sie können wegen dieser Massnahme, die zum Grossteil von der KVA und dem Land Liechtenstein finanziert wird, auf dem euro- päischen Zertifikatshandel nicht gebrauchte CO2-Zertifikate für gutes Geld verkaufen. Für die Fussgänger- und Radbrücke sowie für die Leitung läuft ein Eingriffsverfahren gemäss Naturschutzgesetz. Auch wenn die Rhein- landschaft heute eine bereits stark durch den Menschen geprägte Landschaft ist, ist der Ein- griff ins Landschaftsbild beträchtlich. Trotz- dem steht die LGU dem Projekt insgesamt sehr positiv gegenüber. Denn das Projekt ist auch für die Artenvielfalt im und am Binnen- kanal ein Glücksfall. Gleichzeitig mit dem Lei- tungsbau wird der Kanal im Abschnitt Bofel ökologisch aufgewertet. Die schnelle Planung war nicht nur dank der Finanzspritze aus Buchs möglich, sondern auch dank der be- troffenen Landwirte und vor allem der Bereit- schaft der Gemeinde Schaan, den nötigen Boden zur Verfügung zu stellen.