Stellungnahme der LGU zu einem Kanalkraftwerk Das Kanalkraftwerk wurde von den LKW 1995 nach dem Aus für die Rheinkraftwerke wieder ins Gespräch gebracht. Dies sei auf Eis gelegt wor- den, solange die Rheinkraftwerke aktu- ell gewesen seien, erhalte jetzt aber wieder neue Aktualität. Da die LKW die Planungen aber nicht ohne eine grundsätzlich positive Einstellung der • Regierung gegenüber dem Projekt be- ginnen wolle, erwartet sie eine Stellun- gnahme der Regierung. Zum Kanalkraftwerkprojekt in Ruggell nahm die LGU bereits in ihrem Jahres- bericht von 1996 dahingehend Stellung, dass die Verhältnismässigkeit zwischen dem erzeugbaren Strom und den damit einhergehenden Verlusten im Land- schafts- und Naturbereich nicht gege- ben ist und deshalb von einer solchen Möglichkeit abgesehen werden soll. Aus der Sicht der Energiewirtschaft wäre eine Maximalvariante gefordert. Das heisst eine Wasserzuleitung aus dem Rhein in den Binnenkanal in der Region Bendern. In Zusammenhang mit dieser Variante treten verschiedene Probleme auf. Im Wesentlichen sind dies der Einstau der Esche und des Brühlgrabens, die Kolmatierung des Stauraumes im Binnenkanal, die auf- wendigen Bauwerke im Rhein und der Bau eines Absetzbeckens für Schwebe- stoffe. In der Diskussion der letzten zwei Jahre und auch in den Stellun- gnahmen verschiedener Ämter und Gruppierungen wurde von dieser Maxi- malvariante sowohl aus Sicht der tech- nischen Problematik, des Hochwasser- schutzes (Überschwemmungen der Esche usw.), der Wirtschaftlichkeit (enorme Bau und Unterhaltskosten im Vergleich zu geringer Stromerzeugung, Zerstörung der Renaturierungsmassnahmen beim Lettasteg) und auch der Umweltverträglichkeit Abstand ge- nommen. Die Variante, die jetzt disku- tiert wird, ist eine Kompromissvariante mit wesentlich geringerer Strompro- duktion (rund 800 000 kWh/Jahr). Für die oben erwähnten Probleme sind aber auch bei dieser Variante noch keine Lösungen vorhanden. Der Stromverbrauch Liechtensteins be- trug 1996 insgesamt 258,4 Millionen Kilowattstunden. Das Kanalkraftwerk könnte also gerade noch 0.3 % des jähr- lichen Stromverbrauches Liechten- steins abdecken. Zusätzlich werden durch die bevorstehende Öffnung des Strommarktes auch die Rahmenbedin- gungen elementar verändert. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Ziel dieser Öffnung auch die Wahlmöglichkeit für den Strombezügers einschliesst, so kann in Zukunft jede(r) selber ent- scheiden ob sie/er Atomstrom oder er- neuerbaren Strom beziehen möchte. Anstatt jetzt uneffizient die Eigenver- antwortung in den Vordergrund zu stel- len und ein Kraftwerk zu bauen, für dessen Bau Aufwand und Ertrag in kei- nem Verhältnis stehen, schlagen wir vor die gleichen Finanzmittel in Stromspar- massnahmen und die Förderung ande- rer erneuerbarer Energien zustecken. In diesem Bereich wäre die Verant- wortlichkeit längerfristig zielführend. Es wäre auch anders möglich gewesen! Unter diesem Titel veröffentlichte die LGU eine Pressemitteilung zur Einrei- chung der Beschwerde bezüglich Ausbau der Sportanlage in Vaduz an die Verwal- tungsbeschwerdeinstanz im September 1997. Da dem Vorstand daran liegt, den Mitgliedern die Argumentation ver- ständlich oder nachvollziehbar zu ma- chen, hier die Diskussionsschwerpunkte: Der Vorstand hat sich nie grundsätzlich gegen den Ausbau der Sportanlage Vaduz gestellt. Er verlangt aber die Be- achtung der massgebenden Gesetze (Gesetz zum Schutz von Natur und Landschaft, Subventions- und Verwal- tungsverfahrensgesetz). Der Ausgang dieses Verfahrens wird Aufschluss darüber geben, was dem Land Liechtenstein der Natur- und Landschaftsschutz tatsächlich wert ist. Die gesetzlichen Bestimmungen sind seit rund einem Jahr vorhanden, es fehlt aber bis heute die Auslegung. Für den Ausbau der Sportanlage in Vaduz hätte sich zweifelsohne eine Lö- sung gefunden, die sowohl im Sinne des Sportes als auch für den Naturschutz akzeptabel gewesen wäre. In der Ver- gangenheit erfolgte auf wiederholte Hinweise bezüglich der naturschützeri- schen Bedeutung der Magerwiese und der Verhältnismässigkeit des Projektes keine Reaktion. So entschloss sich der Vorstand vom Beschwerderecht Ge- brauch zu machen. Die besagte Mager- wiese hat vor allem deshalb einen spe- ziellen Wert, weil der untenliegende Sportplatz seit Jahren eine extensive Bewirtschaftung des Dammes erfor- derte und sich damit eine einmalige Ar- tenvielfalt auf dieser Dammböschung entwickelte. Es geht aber auch darum, dass gesetzli- che Bestimmungen erlassen werden, die es ermöglichen die Beschwerde- befugnis überhaupt wahrzunehmen. Das bedeutet zuerst einmal, dass die beschwerdeberechtigten Organisatio- nen informiert werden müssen. Sie müssen wissen, welche behördlichen Verfügungen, die Umweltschutzanlie- gen betreffen, erlassen wurden. Die Geschäftsstelle der LGU hat dieses Anliegen bereits vor mehreren Mona- ten bei der Regierung deponiert. Anfangs Oktober fand erstmals ein Ge- spräch zwischen dem Regierungschef Mario Frick, dem Umweltminister Nor- bert Marxer sowie der LGU Präsiden- tin Barbara Rheinberger und der Ge- schäftsführerin Regula Imhof statt. Ziel des Gespräches war es die zukünftige Zusammenarbeit der Regierung und der LGU auszuloten. Dieses Gespräch wurde von unserer Seite als sehr positiv und konstruktiv empfunden. Es soll ein Zeichen sein in Zukunft auf der Dia- logbasis Umwelt- und Naturschutzthe- men anzugehen, die in letzter Zeit stark im Kampf ausgetragen wurden. Dies soll im Bewusstsein geschehen, dass auch in Zukunft immer wieder Diffe- renzen auftreten werden, die dann aber auf sachlicher Ebene bearbeitet werden können.