sieren ihm die angehenden Musikanten das mit Rheinkies überschwemmte «Toniiuli». Als Diri- gent wird Oberlehrer Anton Hinger gewonnen. Die Instruktion der Acht, die bis anhin noch nie ein Instrument in Händen gehabt haben, über- nimmt ein gewisser Herr Ostertag aus St. Gallen, einFreund Hingers. Ostertag logiert acht Tage bei Hinger und instruiert den jungen Verein. Von morgens früh bis abends wırd jeden Tag geübt! Die Entschädigung seines deutschen Freundes Ostertag übernimmt Hinger. Die Musikanten müssen ihm dafür als Gegenleistung ein Stück Boden (heute Anwesen Gerster beim Markt- platz) für eine Baumschule «zwei Spaten tief» umgraben. Zur Abzahlung der Schulden und Deckung der laufenden Unkosten zahlt jeder Musikant 20 Kreuzer monatlich. Diesen Betrag erhält auch der Dirigent Hinger für jede Probe. Mit Einsatz aller Kräfte gelingt das Unternehmen. Bald sind die Musikanten mit ihrer Kunst soweit, dass an einen öffentlichen Auftritt gedacht wer- den kann. An der landwirtschaftlichen Ausstel- lung im Oktober marschiert noch die Triesenber- ger Musik dem Festzug voran durchs Dorf. Bereits am Silvesterabend aber marschiert die Vaduzer Kapelle unter dem Jubel der Bevölke- rung auf und gibt im «Löwen» ihr erstes Konzert. Im Schein von Lampions spielt die Musik. Der Männerchor ist mit von der Partie. Der Silvester- abend 1863 ist ein Datum in der Dorfgeschichte, das nicht so schnell vergessen wird. Im kommenden Jahr wird dann das Fronleich- namsfest in Vaduz «weniger sull als sonst gewöhnlich, gefeiert»: Die Musik, begleitet von einer ebenfalls neu gegründeten Abteilung Schüt- zen, nehmen an der Prozession teil. —Im Spät- herbst 1864 erkundigt sich der Komponist Rheinberger aus München bei seinem Vater: «Können die Blechiers jetzt meinen Marsch spie- len?» Die Antwort kennen wir nicht, auch der Marsch ist nicht mehr bekannt. Die Musikanten werden ihn wohl gelernt haben. Zur Zufrieden- heit des Komponisten? Mit Tanz- und Unterhaltungsmusik bei Hochzei- ten und Dorffesten wird die junge Musik bereits in vier Jahren soviel verdient haben, dass sie die Bankschuld abzahlen kann. Sie wird dann bei der Einweihung der neuen Rheinbrücke Schaan- Buchs 1870 aufspielen und damit in Schaan die gleiche Wirkung erzielen wie seinerzeit die Tries- ner Musikanten in Vaduz. Damit sind wir am Ende unserer Erzáhlung aus vergangenen Zeiten angelangt. Das gezeichnete Bild unserer Vaduzer Heimat zur Zeit der Grün- dung der Harmoniemusik Vaduz ist unvollstán- dig und wird es bleiben. Der Leser móge es mit seiner Vorstellungskraft ergánzen und ausmalen, er móge nachdenken über das Leben unserer Vorfahren und es mit dem heutigen vergleichen, er darf auch Schlussfolgerungen für Gegenwart und Zukunft ziehen. Welches Bild und Erbe hin- terlassen wir heute den nachfolgenden Genera- tionen? Was für Empfindungen mag wohl einmal eine Rückschau auf unsere Zeit, auf unser Tun und Lassen, auslósen?