118 Vollendet erscheint nun die zweite Grosse Knospe von 1979/ 1980 (97). Ihre künstlerische Gestalt ist, von vielen Einsichten genährt, voll zur Reife gekommen. Der Stiel baut sich auf wie der Pfeiler einer grossen Architektur und hat selbst — obwohl dies mehr ein Gespür für das gleichzeitige Gewicht und Heben der Massen ist — etwas Romanisches an sich. In fünf Schritten steigt die Stütze, von der breiten Basis an sich wie schwingend verschmálernd bis zu einem Einschnitt, über dem dann, kürzer und nochmals sich einziehend, die Knospe erreicht wird. Diese entfaltet ihre Blätter zur Blüte. Um diese grosse Knospe liegt eine stille Aura, und so dürfte es nicht zufällig sein, dass das Werk seinen Standort in einer Bibliothek gefunden hat. Malin hat dieses Formergebnis zum Vorwurf genommen für die über vier Meter hohe Granit-Knospe (1980/81), gehauen in Rosso Balmoral (89). Ihr Standort ist im Freien, im Hof des Schulzentrums von Eschen FL. Die doch sehr disparate Architektur ringsum, aber auch eine gewisse Hypertrophie der Formen mógen die Ursachen sein, dass der Eindruck auf den Betrachter nicht das bewirkt, was eigentlich erwartet werden kónnte. Zum Abschluss dieser Betrachtung der Knospen sei noch ein kleines Werk vorgestellt, das in seiner strahlenden Schlicht- heit uns als vollkommen gelungen anmutet. Es ist die B/üte aus dem Jahre 1979 (92). Die organische Freiheit der plasti- schen Darstellung eines ganz offenen Blumensterns ist in ihren Schwebungen, Erhebungen, fliessenden Senkungen, tanzartig um die Mitte, so ausgewogen, dass sich wieder ein- mal erweist, wie kein beschreibendes Wort auszudrücken ver- mag, was die tastende Hand und das offene Auge erleben, eine Fülle von Wohlgefühl und fragloser Berührtheit.