22 Zwei Köpfe Während der Arbeit an der grossen Gedenkstatue des Fürsten Johann Il. entstanden zwei andere Köpfe, die nur im Kontext zueinander richtig gesehen werden können. Der eine ist der Kopf von Fürst Johann Il. von Liechtenstein (15). Er ist aus einem Block graublauen Pyrenäen-Marmors geschaffen. Dies ist eine solide, noch durchaus akademische Arbeit. Im Schlägeln am Stein sind Augen und Hände des Bild- hauers offensichtlich einsichtiger geworden; die Volumina sind richtig aus der ideellen Zentrumsachse versetzt; die «plans» sind im Einklang mit der inneren Kontur facettiert, so dass alles stimmt. Malin hat am Kopf gelernt und dann sich gelöst. Der andere Kopf ist in vielfältig weissgeädertem, schwarzem Balzner Marmor gemeisselt (20). Die weitgetriebene Glättung der Oberfläche bringt eine Transparenz des Materials zugleich mit einer Reflektierung umgebender Lichtsituationen, die dem Werk eine besondere Lebendigkeit verleiht. Hier zeigt sich die formale Sicherheit des Bildhauers schon früh. Malin hat bei diesem freien Kopf alle Gesicht und Schädel konstituierenden Teile in architekturaler Weise vereinfacht und verbunden. Alles Akademische ist verschwunden. Eine eigene Modernität kennzeichnet dieses Werk. Zugleich — obwohl dieser Aspekt niemals zu sehr herausgehoben werden dürfte — erinnert dieser Kopf an Zeugnisse einer älteren, aussereuropäischen Kultur, diejenige der Inkas. Solche subkutane Verbindungen zwischen Epochen und Völkern sind gerade in der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts da und dort feststellbar.