72 Liechtenstein zu Stande. Ladislaus von Keretschin hatte auch vom Verkäufer Christoph von Liechtenstein verlangt, daß ihm alle Privilégia, Verleihungen und sonstige Urkunden über Nikolsburg ausgeliefert würden. Diesem Begehren hat aber Kaiser Ferdinand nicht entsprochen, und später hat Kaiser Maximilian II., als ihm die betreffenden Urkunden nach Wien gesandt worden waren, dieselben an Hartmann von Liechtenstein unversehrt wieder zurück ­ gestellt. Daher befinden sie sich noch heute im Liechtensteinischen Archiv, mit Ausnahme derjenigen, welche sich auf den Verkauf beziehen. So ging also die Stammherrschast Nikolsburg aus dem Besitz des Hauses Liechtenstein in den von Ladislaus Keretschin über. Dieser starb aber bald darauf und hinterließ die Herr ­ schaft seinem Sohne Christoph, nach dessen kinderlosem Tode 1572 sie als herrenloses Lehen an Kaiser Maximilian II. heim- fiel. Dieser verkaufte sie 1576 an Adam von Dietrichstein, jedoch mit Ausnahme „des vierten Theils in der Stadt Nikolsburg sammt den Unterthanen in den Vorstädten, so zur Herrschaft Eisgrub gehörig gewesen, und welche besagter Kaiser Maximilian ein Jahr bevor, nämlich 1575, an Hartmann von Liechtenstein verkauft hatte". Von diesem Verkauf von Eisgrnb wird noch später zu sprechen sein l). Adam von Dietrichstein, des Kaisers Obersthofmcister, erhielt aber Nikolsburg nicht als ein Lehen, sondern, wenn auch nicht sofort, doch im nächsten Jahre als freies Eigen. Christoph von Liechtenstein scheint nach dem Verluste von Nikolsburg Anfangs die Absicht gehabt zu haben, sich aus Dürnholz einen festen Sitz zu schaffen und sich dort zu arron- diren, denn er kaufte 1560 dort einen Hof außen vor dem Markts. Auch kaufte er im nächsten Jahre ein Haus zu ') In dem Kaufbrief über Eisgrub vom Jahre 1575 ist dieser vierte Theil der Unterthanen zu Nikolsburg vom Verkaufe ausgenommen, scheint aber alsbald darnach dennoch mitverkauft worden zu sein. 2) I. 156.