Rr. 47 Nachrichten Baduz, Mittwoch 17. Zuni 1S2S Burgenspiele. Bereits wurde in diesem Blatte darauf hingewiesen, daß der Gedanke heimischer Burgenspiele in unserm schönen Heimatland- chen festen Fuß gefaßt habe. Wer den liech ­ tensteinischen Freilichtspielen nach dem letzt- ! jährigen Unternehmen in Vaduz die Agonie prophezeit hat, sieht sich somit enttäuscht — hoffen wir: angenehm enttäuscht. Nein, sie sind nicht tot, sie leben weiter. Und zwar sol ­ len sie für diesen Sommer der lieben Ab ­ wechslung halber nicht auf Schloß Vaduz, sondern auf Schloß Gutenberg gegeben wer ­ den. Wir haben ja zwei schöne Burgen und wir wollen unsern Gästen nun auch die ro ­ mantische, sagenumsponnene Feste Gutenberg zeigen, und zwar nicht blos so, wie sie sich dem Auge des Reisenden darstellt, nein, so, wie sie wohl vor vierhundert Jahren gewe ­ sen sein mag. Die Geschichte, die ruhmreiche Geschichte des Eutenberger Bollwerks im Schwabenkrieg soll sich uns entrollen. Nicht ein Spiel, das anderswo auch gespielt wer ­ den könnte, soll „über den Hof" gehen, — vergangene Zeit, wie sie war, wie sie lebte, litt und stritt, soll auferstehen, soll dort auferstehen, wo sie ins Grab sank. Die Vorbereitungen sind in vollem Gang. Durch den innern Burghof hallt die mäch ­ tige Stimme des Ulrich von Ramschwag, wohlbestallten Vogtes auf Gutenberg. Gr ruft die Seinen zum Kampfe auf und schon ziehen sie, blitzenden Auges, sieggewohnt und siegessicher, in Waffen und Wehr, mit klin ­ gendem Spiel auf den Plan. Der Waffen ­ meister führt die Burgwache auf und unter trutzigen Gesängen schmieden in der Vurg- schmiede die Hammerleute bei sprühender Esse das rotglimmende Eisen zu Schwertern und Partisanen. Junges Valzner Volk, das den Ernst der Stunde'nicht zu fassen versteht, springt in beneidenswertem sorgenlosen Frohsinn ei ­ nen heitern Reigen, denn es ist ja Mai, Frühling, Jugend .. - „Lust und Blust zu Berg und Tal, Mai und Minne überall ... Huldie, holdio — hopsassa, Huldie, holdio — trallala .. bis der vielgestrenge Herr Vurgmeier die lärmende Schar aus dem Hof jagt, die krei ­ schend davonläuft. Der Freiherr von Brandis rückt mit ei ­ ner kampfgerüsteten Schar in die Burg, un ­ geduldig schnaubende Rosse tragen gewapp ­ nete Ritter durch das Tor — und dann — dann kommt natürlich ein Schluck Euten ­ berger Wein zu Ehren, denn die wackern Mannen haben eine allzeit durstige Kehle. Und dann geht es weiter nach der Luzien- steig, die mit stürmender Hand genommen wird. Junge Liebe, in Wonne jauchzend und im Gram ersterbend zieht durch das waffenstar ­ rende Heerlager. Teils geht sie ihrem Ziele entgegen, teils befreiender und erlösender Ruhe. An all das denken wir angesichts der Spiele, wie Elisabeth von Marmels es hell ­ sehend verkündet: da wiederum Gu ­ tenbergs Türme und Zinnen ins schöne grüne Rheintal hinabgrüßen und wiederum durch die Tore der gastlichen Burg frisches Leben wogen wird."