586 zugunsten eines anderen Staates verzichtet, oder darüber ver ­ fügt, und keine neue Last auf das Fürstentum eingegangen werden. Der Landtag bestand aus 15 Mitgliedern, wovon 12 durch indirekte Wahl des Volkes und 3 durch fürstliche Er ­ nennung bestimmt wurden. Die neue freiheitlichere Verfassung bot den Anstoß zu wichtigen Fortschritten auf den verschie ­ densten Gebieteil. Bis 1877 bildete das Land nur einen Wahlkreis; in dem genannten Jahre erschien ein Gesetz, das aus Unterland und Oberland zwei Wahlkreise schuf. Cs folgten nun rasch nacheinander eine Reihe von neuen Gesetzen, im Jahre 1864 das über Zehentablösung, 1865 die Ablösung des sogenannten Vogel- oder Alprechtes, 1868 die unentgeltliche Aufhebung anderer Feudallasten. Im Jahre 1864 wurde der neue Zollvertrag mit Oesterreich geschlossen. Abgesehen von der günstigen finanziellen Wirkung wurde dem Lande durch diesen Vertrag ganz Oesterreich für freien Han ­ del geöffnet und das Entstehen nützlicher Industrien ermöglicht. Das Jahr 1864 brachte auch das neue Gemeindegefetz, das gegen die alte Gemeindeordnung von 1842 einen bedeutenden Fortschritt darstellte. Auf dem Gebiete des Schulwesens er ­ folgte im Jahre 1864 die Einführung des Ortsschulrates als Ergänzung des Schulgesetzes von 1859. Im Jahre 1858 war in Vaduz die Landesschule gegründet worden infolge einer Stiftung des berühmten Arztes Dr. Ludwig Groß in Vaduz. Das Kreditwesen erhielt eine mächtige Hebung durch die Gründung der landschäftlichen Sparkasse im Jahre 1861. Aus kleinen Anfängen hat sich diese Anstalt nach und nach zu einem für unsere Verhältnisse sehr großen' Kreditinstitute entwickelt. Das Jahr 1864 brachte uns auch das Gesetz betreffend die Landesvermessung zur Herstellung eines richtigen Katasters. Im Jahre 1865 wurde ein neues Steuergesetz beschlossen. Es unterschied drei Steuerarten: Grundsteuer, Gewerbesteuer und Personalsteuer. Naturgemäß erfuhr dieses Gesetz wie fast alle anderen im Laufe der Jahre manche Abänderungen. Im Jahre 1866 fand der Entscheidungskampf zwifcheik den zwei Rivalen Preußen und Oesterreich statt, durch den alle Staaten des deutschen Bundes in Mitleidensck>ast gezogen wurden. Der deutsche Bund stand auf Oesterreichs Seite, lei ­ stete aber wenig. Unser Kontingent, das eine Schnrfschützen- kompagnie bildete, marschierte auf Anordnung des Fürsten, um nicht den größten Gefahren ausgesetzt zu werden, gegen Ende Juli an die Südgrenzen Tirols im Stilfserjochgebiete zur Verteidigung der Grenze gegen Italien. Es war längere Zeit mit österreichischen Kaiserjägerkompagnien in St. Maria am