27 Throne (476) und nahm ihn selber in Besitz, nannte sich aber nur König von Italien. So gab die göttliche Vorsehung das abendländische Reich in die Gewalt der Deutschen und berief sie zu einer großen Bestimmung. Die Hauptsorge des neuen Königs ging dahin, sein Reich zu befestigen und seinen Deutschen Land und feste Wohnsitze anzuweisen. Jeder Römer mußte ein Drittel seiner liegenden Gründe ihnen abtreten; dafür schützten sie Land und Leute. Also lebten zwei Nationen neben einander in Italien, ver ­ schieden an Sprache, Sitten und Gesetzen; denn der Deutsche behielt sein Volksrecht bei. Aber nur 17 Jahre dauerte Odoakers Herrschaft. Da brachen die O st g o t e n in Italien ein, und ihr König Theo ­ dorich ermordete ihn (493) treulos. Run waren die Ostgoten die Gäste der Römer und traten in das Drittel der Leute des Odoaker ein. Theodorich war ein tüchtiger Regent und sein Name war hochgeehrt bei den Deutschen. Er verwendete sich für die Alemannen bei Klodwig dem Frankenkönig, der sie bei Zülpich geschlagen hatte, und nahm sie in seinen Schutz (496); ja er gestattete ihnen, sich in Rätien niederzulassen und gab ihnen daselbst Ländereien. So lebten hier neben den alten Landeinwohnern, die romanisch sprachen, die deutsch redenden Alemannen, die sich mit ihren stammverwandten Nachbarn, den Sueven (Schwaben) vereinigt hatten, weshalb sie dann bald Alemannen, bald Schwaben genannt wurden. Rätien wurde nun wieder geteilt in das tirolische Rätien (Rätia prima) und das churrätische (Rätia secunda). Theodorich war Arianer, doch übte er Duldung gegen die katholische Kirche; nur in einigen Fällen konnte er den Barbaren nicht verleugnen. Rätien freute sich seiner Fürsorge. Dem Kriegsobersten Servatus, welchen er dahin abschickte, trug er auf: die Grenzen der Provinz mit Mannschaft wohl zu schützen und gute Aufsicht zu halten. Fremden und Heiden soll er nur mit Vorsicht den Eintritt gestatten, und stets vor Augen halten, daß Römer seiner Obhut anvertraut seien; darum sollen seine Soldaten mit den Rättern, als Bürgern, auf friedlichem Fuße leben. Rätien sei ein Grenzwall für Italien und gleichsam ein Netz, *) in welchem der Feind leicht gefangen werden könne, der von dieser Seite in Italien ein ­ zudringen wage. Dem Manarius, einem rätischen Manne, der bei ihm geklagt hatte, daß ihm die Breonen seine Sklaven *) Eine Anspielung auf den Namen Rätien, den er von dem lateinische Wort rets — Netz ableitete.