Gleichfalls aus dem 17. Jahrhundert, allerdings zeitlich etwas später, stammt die Abschrift eines schwäbischen Kreistagsabschiedes vom November 1669, die im Landesarchiv in Vaduz erliegt.26 Diese Quelle läßt deutlich das organisierte Zu- sammenwirken der im Reichskreis27 verbundenen Stände und Obrigkeiten erkennen. Ziel ist die Aus- weisung oder Verhinderung der Einreise sowohl von Zigeunern als auch von anderen Vaganten. Ihnen wird recht pauschal unterstellt, dass sie mit gefälschten Dokumenten Geld für den Loskauf von Gefangenen der Türken oder für sonstige Zwecke betrügerisch sammelten. Zur Abwehr dieser Be- drohung der öffentlichen Ordnung werden die schon früher erlassenen Kreispatente und deren spätere Ergänzungen - vor allem gegen das zuneh- mende Bettelunwesen - in Erinnerung gerufen. Durch neuerlichen Druck und Neuverlautbarung dieser Vorschriften und durch deren ernsthaften Vollzug sollten die erwähnten Missstände abgestellt werden. Dafür ist auch eine enge Kooperation der Reichsstände - vor allem der jeweils benachbarten des Kreises - beschlossen worden. Durch Publika- tion und öffentlichen Anschlag des Kreistagsschlus- ses sollte bekräftigt werden, dass Vaganten unter keinen Umständen geduldet würden, dass ihnen weder Reisedokumente noch materielle Unterstüt- zung in irgendeiner Form gewährt werden dürfe. Ziel dieser Aktivitäten war die Vertreibung der vagierenden Schichten aus dem Gebiet des schwä- bischen Reichskreises, wofür koordinierte Aktio- nen - Visitationen der Verkehrswege, Aufgreifen von wandernden Zigeunerhaufen durch zusam- mengefasste Streifen, auch gegenseitige Informa- tion zur effizienteren Durchführung der Polizeiak- tivitäten - vereinbart wurden. Bei Widersetzlichkeit gegen diese Verfolgungsaktivitäten wurde verfügt, dass den Zigeunern ihre Habe - vor allem auch «falsche» Dokumente - abzunehmen und die Auf- gegriffenen zu arretieren seien. Zudem sollte ihnen gegenüber zu Leibes- und Lebensstrafen gegriffen werden; auch Zwangsarbeit wurde vorgesehen. Abschliessend hält dieser Kreistagsabschied fest, dass eine Reduktion der Vagantenplage nur durch koordiniertes Vorgehen möglich sei; daher haben die Obrigkeiten des Kreises miteinander Kontakt in der Vagantenbekämpfung zu pflegen und sie sind zu Eigeninitiativen aufgerufen: Vor allem sollte verhindert werden, dass Zigeuner und andere Vaganten nur im Kreis herumgeschoben werden. Da auch dieses Dokument am besten für sich selbst spricht soll es nach der Abschrift des Kreistags- beschlusses, die im Landesarchiv Vaduz erliegt, hier nachstehend publiziert werden. KREISTAGSBESCHLUSS, ABSCHRIFT Deß Löblichen Schwäbischen Craißes gesambte Fürsten und Ständte, Ihnen hiermit jeder männig- lich kundt und zu wüssen; Demnach bey jüngster im November des abgewichenen 1669 ten Jahres gehaltener allgemainer Crayßversamblung, under anderm auch dises wolbedächtlich verabschidet worden, daß zue außtreib- und abhaltung des schädtlichen zigeuner volckhs auch ander Herren- losen gesindts, warunder nicht weniger die mit falschen briefen umb erledigung einiger vom türck- hen gefangener persohnen oder zu ersamblung einer angebenden brandt- und beysteuer, herumb- schweifende leuth betrüger zuverstehen, die hiebe- vorig ausgelassene gemaine Craiß patenta wider erneuert, denenselben auch die bey erst angereg- tem Crayßtag in Vorschlag gekommene weitere mo- nita, sonderlich wegen deren mit falschen briefen umbher streichenden vaganten und anderer starck- hen bettler nit eingeruckhet, und widerumb durch öffentlichen truckh in dem ganzen crayß publiziert werden solten, daß dannenhero solchen gemain nutzlichen crayß schluß hiermit würcklich nachge- sezt, und im nahmen gesambter fürsten und ständ- te dises crayses, mit allem Ernst und. Eyfer darob und daran zuesein, einander in crafft dises festig- lich versprochen werde, wie nicht allein ein jeder standt vor sich selbsten dem jenigen, was disfahls die heylsambe Reichs-Constitutiones und neben denen selben alle bisherig dises Crayes abschied 208