MÜNZFUNDE UND GELDUMLAUF IM MITTEL- ALTERLICHEN ALPENRHEINTAL / BENEDIKT ZÄCH nähme der unbekannten Prägung von Vaduz 28 - nur im Schatzfund von Vaduz 7 vor. Ersichtlich wird, dass nur einzelne der zeitweilig über 25 Münzstätten im Bodenseegebiet eine wich- tige Rolle im Geldumlauf spielten, wobei deren Be- deutung nicht durch die Nähe zu den späteren Fundorten bestimmt wird: St. Gallen etwa, das geo- graphisch am nächsten liegt, ist verhältnismässig schwach vertreten. Unter den Münzstätten fehlen die Abtei Reichenau, die in Radolfzell Pfennige schlug, und Überlingen; im Falle von Radolfzell hängt es wohl damit zusammen, dass dort die Münztätigkeit nach etwa 1250 offenbar weitgehend zum Erliegen kam.89 Mit den sogenannten «Ewigen Pfennigen» (Abb. 4 g, h), die ab 1295 bis etwa 1335 mit unveränder- tem Münzbild in den meisten grösseren Boden- seemünzstätten geprägt wurden, erreicht der Ein- fluss der Constantienses einen letzten Höhepunkt. Wiederum sind es nur zwei Münzstätten, die eine bestimmende Rolle einnehmen: St. Gallen (Klaus 3 und Vaduz 7)90 und Lindau (Vaduz 7, Bendern 9 und 10); die anderen Münzstätten mit Ewigen Pfen- nigen (Konstanz und Überlingen) finden sich nur im Fund von Vaduz 7. Dieser Schatzfund enthält ein besonders reiches Spektrum an Constantienses.91 Die insgesamt 2239 86) Vgl. dazu Zäch (1992 a), S. 123 (Abschluss des Pfennigteils im 1360/65 verborgenen Fund nach etwa 1335, Prägedaten des ältesten und des jüngsten Pfennigs fast 140 Jahre auseinanderliegend). 87) Die Münzprägung der Abtei Kempten wurde vermutlich bald nach 1219 eingestellt; Cahn (1911), S. 125 f. 88) Konstanzer Pfennige erreichen in dieser Zeit offenbar ihre wei- teste südliche Verbreitung, wie der Fund eines Pfennigs (1270/90) auf der Ruine Strahlegg bei Fideris GR (Prättigau) zeigt; Pekäry, Thomas; Jucker, Hans, in: SM 15 (1965), S. 159. 89) Cahn (1911), S. 119. 90) Dazu, als bislang südlichstes Vorkommen: Disentis GR, Kloster- kirche, 1 Ex.: unpubl., Münzfundakten SLM Zürich, Münzverzeichnis B. Zäch, SFT-Code 3982-01:11. Abb. 4: Bodenseepfennige nach Konstanzer Schlag (Constantienses) des 12. und 13. Jahrhunderts a St. Gallen, Abtei. Pfennig (1180/90). FO: Götzis 41 b Lindau, königliche Münzstätte. Pfennig (1230/35). FO: Lauterach 43 c Konstanz, Bistum. Pfennig (1250/70). FO: Vaduz 7 d Ulm, königliche Münz- stätte. Pfennig (1250/70). FO: Vaduz 7 e Ravensburg, Stadt. Pfennig (nach 1270). FO: Vaduz 7 f Konstanz, Bistum. Pfennig (1270/90). FO: Vaduz 7 g Konstanz, Bistum. Pfennig (nach 1295). FO: Vaduz 7 h St. Gallen, Abtei. Pfennig (nach 1295). FO: Vaduz 7 91) Vgl. zum folgenden Zäch (1992 a), S. 120-124 und 129 f. 217