DIE JÜDISCHE GEMEINDE AM ESCHNERBERG KARL HEINZ BURMEISTER 59 Gulden freikauften.12' Gleichzeitig lassen die Quellen erkennen, dass auch am Eschnerberg der Pferdehandel eine Hauptrolle gespielt hat. Zur Organisation des Pferdehandels128 ist hier zu erwähnen, dass die Juden nicht zur Gemeindenut- zung berechtigt waren. Sie waren daher gezwun- gen, ihre Pferde und ihr Vieh bei den einheimischen Bauern unterzustellen. Am 16. Februar 1642 heisst es in einem Vaduzer Verhörtagsprotokoll: «. . . es stunden zwey roß, so dem Joseph Juden gehörig, in Plengges stall»;129 gemeint ist hier Hans Plenggi von Fresch. Am 4. November 1644 sagt Hans Beck aus, er habe «dem Joseph ain roß . . . ungefähr ain monath gefüetert.»130 Rosse wurden meist getauscht; naturgemäss kam es dabei häufig zum Streit. Das folgende Beispiel aus dem Jahre 1646 mag die Praktiken beim Ross- handel etwas veranschaulichen. (In schwebenden Streitigkeiten) wegen aines un- sauberen und s.h. rützigen Roß, so Hanß Scheckle vom Mosis Jud und Martin Walch vom Schechle für gesund und gerecht erkaufft hat. Martin Walch stelt khundschafft Meister Davidt Khüen zur Altenstatt, sagt auf gelaisten Ayd, dass Martin Walch mit dem strittigen Roß zu Ime Khommen am fasnacht Zinstag und ime gesagt, er habe diß Roß für gesund und gerecht erkaufft, Ine gebetten, er solls besichtigen, so er gethan und an dem Roß gesechen, das Ime ain Wässerle aus der nasen gerunnen, so ime nit gefallen. Derowegen ers nit für gerecht, auch nit gar für Abschetz erkennen künden. Nachdem der Walch das Roß hinder tafern gesteh und nachgehendts derohalben ain erkhand- niß ergehen lassen wellen, sey er zeug wider beruefen worden, das Roß zu besichtigen. Do habe es nit so starckh mer gerunnen, weilen das Roß am trucken hew gestanden, derowegen ers nit abschet- zen khünden, sondern habe zum Walchen gesagt, er solts ain mahl (doch seinen rechten ohne schaden) zu handen nemen, biß er seche, wie es sich weiter anlassen werde. Und der Jud habe auch gesagt, er solts noch 3 Wuchen zu handen nemen. Wan es sich böser erzaigen wurde, so werde alßdan schon geschehen, waß recht sey. Weil sy Im drunck gewesen, seye Walch zum Roß gangen und gesehen, daß es schon wider gerunnen wie zuvor. Darauf er zum Walchen aber gesagt, er solts ain mahl, seinen rechten ohne schaden, zu handen nemen. Werde bald spüren, wie es sich anlasse. Anietzo aber erkhenne er nach seiner mainung, daß Roß seye rützig. Endet damit. Hannß Wangner sagt, Als er das Roß kauffen wollen, hab er gehört daß Roß huesten und habs darüber in der nasen geschawet und gesechen, daß dem Roß ain hells wesserle aus der Nasen gerun- nen. Und habe das Roß in der nasen zwaj Kenerle gehabt, so er Vermaint, dass Wässerle hab ims aufgefressen. Doch hab er nit wissen khünden, was es sey. Er Zeug habe zuvor das Roß gekauffen wollen, der Jud hab Ims aber für gesund und gerecht geben wollen und gesagt, wan dem Roß etwas mangle, so well er das Roß wider nemen und Ime Zeugen das Geld wider geben. Auf dise Wort hete er daß Roß kaufft. Weiter weiß er nit. Endet damit. Martin Walch stelt ferner Kundhschafft. Jacob Fehr sagt, er habe gehört und gesehen, daß Martin Walch in die Stuben khomen und gesagt, daß Roß rinne wider in der nasen wie zuvor. Und deswegen begert zu wissen, wie er Im thun solle. Darauf Hans Schechle begert, der Meister Davidt Khun soll daß 120) Tänzer (wie Anm. 4), S. 22, Art. 2. 121) Büchel (wie Anm. 3), S. 147, Ziff. 1. 122) Werner Dreier (Hg.), Antisemitismus in Vorarlberg. Bregenz 1988. S. 35, Ziff. 5. 123) Landesarchiv Vaduz, RA 145, S. 64. 124) Ebenda, S. 15. 125) Tänzer Iwie Anm. 4), S. 22, Art. 3. 126) Dokumente (wie Anm. 18), S. 40. 127) Vorarlberger Landesarchiv, Hds. u. Cod., Reichsgrafschaft Hohen- ems 345, Bl. 117. 128) Vgl. dazu auch Karl Heinz Burmeister, Der jüdische Pferdehandel in Hohenems und Sulz im 17. und 18. Jahrhundert (= Veröffentli- chungen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, 3.). Wiesba- den 1989. 129) Landesarchiv Vaduz, RA 145, S. 65. 130 Ebenda, S. 127. 169