RECHENSCHAFTSBERICHT DES LANDESVERWESERS CARL VON IN DER MAUR die ergriffenen Maßregeln, deren Früchte sich aller- dings erst nach längerer Zeit fühlbar machen wer- den, dem allgemeinen Wohle dienen. Schließlich mag noch nachstehende Zusammenstel- lung betreffend die im Fürstenthume gelegenen Waldungen Raum finden: Des Waldes Aproxiraativer Jahres- ertrag Gattung Fläche am Holz in imWerthe in Jochen Festmestern von Gulden Gemeinde- u. Genossen-4508.50 5 700 22 800 schaftswälder Fürstliche Waldung 220.50 550 2 200 Pfründ- und Privatwälder 290.60 400 1600 Summe 5 019.60 6650 26600 Wenn angenommen wird, dass das in Wald angeleg- te Capital sich mit 2V2% verzinst, so hätte dieses Capital einen Werth von mehr als 1 Million Gulden. Die Ziffern geben übrigens das thatsächlich beste- hende Verhältniß deßhalb nicht genau, weil auch eine größere Fläche des Alpengebietes mit Wald bestockt ist und weil die Gemeinde Balzers eine größere Fläche Wald in Graubündner Territorium besitzt. b) JAGD, FISCHEREI, OBST- UND WEINBAU Die Jagd - ein Landesregale - befindet sich pacht- weise im fürstlichen Privatbesitze. Größere, schwer zu beaufsichtigende Strecken sind in Afterpacht ge- geben. Die Zahl der Wildschäden hat abgenommen, ebenso ist, seitdem jüngere, thatkräfige und verläß- lichere Personen im Jagdschutzdienste beschäftigt sind, das Raubschützenunwesen in Abnahme be- griffen. Bei dem Hange der Bergbewohner, der Jagdleidenschaft nachzugeben und da hierlands auch das in den meisten österreichischen Provinzen eingeführte Waffenpatent nicht existirt, ist an ein Verschwinden der Wilderei nicht zu denken. Fischerei. Da die früher sehr forellenreichen Bäche total ausgefischt waren, bot die Pachterneuerung (1886) Anlaß strengere Bedingungen bezüglich die- ses Landesregales, insbesondere die jährliche Ein- setzung einer größeren Anzahl von Forelleneiern vorzuschreiben. Für einen größeren Theil des Pachtgebietes hat sich ein Fischereiverein gebildet, welcher es sich angelegen sein läßt, die Fischzucht ordentlich zu betreiben, und thatsächlich auch gute Erfolge erzielt hat. Obst- und Weinbau. Es wäre sehr zu wünschen, dass in der Bevölkerung eine regeres Streben nach Hebung des im Allgemeinen sehr einträglichen und hier durch das Klima begünstigten Obstbaues, sowie eine bessere Baumpflege platzgreifen würde. Es mangelt aber so häufig an dem richtigen Ver- ständnisse hiefür, weil die Leute gewöhnt sind, von der Hand in den Mund zu leben und Auslagen scheuen, welche nicht gleich im nächsten Momente Zinsen tragen. Was zur Weckung dieses Verständnisses von der Behörde aus geschehen konnte, ist nicht versäumt worden; so wurden Obstbaueurse für die Lehrer veranstaltet, die Lehrer veranlaßt, die bei ihren Schulen befindlichen Baumschulen in gutem Stande zu erhalten und schließlich wurde auch in den Lehr- plan die Bestimmung aufgenommen, dass alle Kna- ben im Obstbau und in der Baumpflege praktisch zu unterweisen seien. Ebenso wurde auch ein Land- tagsbeschluß provozirt, dass Gemeinden, welche auf ihren sonst minder erträgnißreichen Grundstücken Obstbaumanlagen pflanzen, aus der Landeskasse subventionirt werden - bisher hat aber nur die Gemeinde Vaduz eine größere Anlage hergestellt. Der Weinbau leidet schon seit Jahren unter teilwei- sen Mißernten und ist - namentlich im Unterlande - stark zurückgegangen; wozu auch das häufige Auf- treten von Krankheiten der Rebe, wie Peronospera, Roth u.s.f. beigetragen hat. Seitdem die günstigen Folgen der Rebenbespritzung gegen Peronospera der weinbautreibenden Bevölkerung vor Augen ste- hen, wird dieser Rebenbespritzung lebhafte Auf- merksamkeit zugewendet. 9) Peter Paul Kuen war von 1878 bis 1894 fürstlicher Förster bzw. Forstamtsleiter in Vaduz. 71