einst flurnamengebenden Weiher, von den vielen Naturbächen, den Krebsen in ihnen, den überschwemmbaren Auen als Naturelementen erzählt. Verschwunden sind aber auch die traditionellen Elemente der Kulturlandschaft: die Gräben, die Brücken, die Ziehbrunnen, die Schleusen, die bisherigen Formen der Landnutzung mit dem Ried, dem Torfstich, der Hanf- und Flachsanbau mit den «Roossen» (kleine Wassergruben zum Einlegen von Hanf oder Flachs, vgl. FRICK, 1952). Verblieben sind uns häufig nicht mehr verständliche Flurnamen in der durchmeliorierten, regulierten, modernen «Kultur-Landschaft». Flur- namen wie «Insel», «Schifflände», «Lohma», «Bruckmähder», «Mühl- bach» oder «Lettensteg», die teils selbst in reinstem Neuhochdeutsch in der Landschaft nicht mehr zu verstehen sind. Nur noch wenige verblie- bene naturnahe Landschaftsteile, wie die noch bestehenden Riedreste (Flachmoore) im Eschner und Gampriner «Bannriet» oder «St. Katha- rinenbrunnen» in Balzers, wo heute noch ungefasst eine Quelle abfliesst, genau gleich wie im Schaaner «Schwabbrünnen», lassen als Ausnahmen an Ort noch eine Identifizierung mit den Flurnamen zu, so die «Mühle» in Balzers, wo das Gebäude noch steht, das Triesner «Bad Vogelsang», wo die Grundmauern des Badgebäudes 1981 restauriert wurden, oder schliesslich der «Scheidgraben», der heute noch die beiden historischen Landesteile trennen darf. Die Summe der Veränderungen hat mit der Aufhebung von typischen Merkmalen der liechtensteinischen Rheintallandschaft ein Mass erreicht, das jedwelche Individualität zu entziehen droht. In unserer Welt des Umbruchs ist deutlich ein Bedürfnis nach Rück- schau erwacht. Früher war «Umwelt trotz allen menschlichen Eingriffen noch dominierende primäre Schöpfung geblieben, und die sekundäre Schöpfung des menschlichen Werkes war darin aufgehoben samt dem Menschen selber. In komfortabler Behütetheit durch unsere apparative, zivilisatorische Umwelt ist Betrogenheit sichtbar geworden. Ein Gefühl breitet sich aus - bei Denkern ist es längst vorausschauendes Wissen -, dass die Hochzivilisation nicht mehr schöpfungskonform ist,« meinte EGLI (1971). In Kürze wird der reiche liechtensteinische Flurnamenschatz mit der Erstellung eines Namenbuches festgehalten (vgl. STRICKER, 1982). Es ist zu hoffen, dass sich daraus Impulse für die Gegenwart und Zukunft entwickeln, insbesondere auch für die Landschaft bzw. für den entsprechenden Umgang mit ihr. 191