anderem die Textilindustrie stärker besteuert, die nun für jeden be- triebenen Webstuhl einen Gulden in die Steuerkasse entrichtete.15 1887 wurde die Besteuerung der Fabriken neu geregelt.16 Grundlage wurde nun das amtlich festgestellte jährliche Reineinkommen der Betriebe, das mit 20 — 25 fl pro Webstuhl und 50 kr — 1 fl pro Spindel ange- setzt war.17 Bei einem Reineinkommen bis lO'OOO fl betrug die Steuer 10%, bei höherem Einkommen 15% des Betrages.18 Die Regierung konnte ausserdem noch einen Zuschlag von 10% der Gewerbesteuer für die Gemeinde bewilligen, in der sich das Unternehmen niederge- lassen hatte.19 Trotz dieser massiven Steuererhöhung lag die steuerliche Belastung der liechtensteinischen Betriebe noch beträchtlich unter den Ansätzen in Vorarlberg.20 Die von den einheimischen Fabrikbesitzern eingereichten Petitionen auf Milderung dieser gesetzlichen Bestimmun- gen fanden daher bei den Behörden kein Gehör.21 Bis 1923 blieb die so angelegte Fabrikbesteuerung bestehen.22 b) Die einzelnen Betriebe Erste Ansätze einer Industrialisierung Sogleich nach Abschluss des Zollvertrages zwischen Österreich und Liechtenstein (1852) versuchten im Fürstentum einzelne Leute, Indu- striebetriebe zu errichten. Die meisten dieser Versuche waren nur von kurzer Dauer. Sie scheiterten wegen der Unfähigkeit der Initianten, wegen Kapitalmangels, wegen Widerständen von Seiten der Gemeinden oder wegen staatlicher Verbote. 1852 wird eine Färberei für Woll- und Baumwollwaren in Schaan- wald erwähnt. Sie stand im Besitze eines gewissen Zünd aus Vorarlberg 15 a.a.O.;-vgl. Schädler, Landtag, JBL 3 (1903), S. 40-42. 16 «Gesetz betreffend die Besteuerung der fabriksmässig betriebenen Ge- werbe.» LGBL Jg. 1887, Nr. 3. - Vgl. Schädler, Landtag, JBL 3 (1903), S. 83 f. 17 a. a. O., §§ 1 und 2. 18 a.a.O., §3. 19 a.a.O., §4. 20 1887 bezahlten die liechtensteinischen Textilfabrikanten insgesamt 1035 fl 60 kr Gewerbesteuer. Nach österreichischem Ansatz hätten sie 12'162 fl 86 kr an Steuern entrichtet. Nach dem neuen Ansatz kamen sie auf einen Totalbetrag von 2422 fl 20 kr bis höchstens 3808 fl 20 kr.' (LRA Landtags- akten 1887. Finanzkommissionsbericht). 21 LRA 1887/Nr. 766. 16. Juni 1886. Die Regierung überreicht dem Landtag Protestschreiben der drei Textilfabriken des Landes mit dem Bemerken, dass die angeführten Gründe gegen eine Erhöhung der Besteuerung un- begründet seien. — Der Landtag teilte diese Ansicht und berücksichtigte die Eingaben der Fabrikbesitzer bei der Schaffung des Fabrikbesteuerungs- gesetzes in keiner Weise. 22 Steuergesetz vom 11. Januar 1923. LGBL Jg. 1923, Nr. 2. 265