nur aus traditionellen Gründen, sondern auch aus liechtensteinischer Staatsraison. Bezeichnend für des Fürsten österreichische Haltung war die bereits erwähnte Ernennung von Linde104 zum neuen liechtenstei- nischen Bevollmächtigten am Bundestag in Frankfurt im Jahre 1850. Das österreichische Kabinett beabsichtigte nämlich, den ganz auf dem Boden des Bundesrechts stehenden und durchwegs österreichisch aus- gerichteten Linde in die noch sehr unvollständige Plenarversammlung einzuführen, um die österreichische Position im Bund zu stärken. Da dies nur durch einen andern Staat geschehen konnte, gelangte Öster- reich an den Fürsten von Liechtenstein, der dem Wunsch nach einigem Widerstreben denn auch nachkam; das war eine klare Konzession des Fürsten an Österreich.105 Die so orientierte Politik des Fürsteh in Frank- furt100 bedingte indessen noch nicht notwendig die Übernahme der reaktionären österreichischen Innenpolitik. Da Österreich und Preussen 104 Justin Timotheus Balthasar von Linde (1797-1870), geb. in Brilon/West- falen, Dr. iur. et phil., 1821 —23 Privatdozent der jurist. Fakultät in Bonn, 1824 - 29 und 1833 - 36 Prof. der Rechte in Giessen, 1833 - 48 Kanzler der Universität Giessen, ab 1829 Geheimer Ministerrat im Grossherzogtum Hessen, ab 1836 Geheimer Staatsrat und 1833 — 48 Mitglied der Ersten Hessischen Kammer; 1848/49 Abgeordneter in der deutschen Nationalver- sammlung für den westfälischen Wahlbezirk Borken, 1850 Mitglied des Erfurter Parlaments (Volkshaus); vom 24. Mai 1850 mit kurzer Unter- brechung (1852/53) bis 1866 im Dienst der österreichischen Gesandtschaft in Frankfurt; ebenso vom 8. Juni 1850 bis zum 24. Aug. 1866 liechten- steinischer Bundesgesandter in Frankfurt; HHSTA Admin. Registratur F 4/191, Personalakt Linde (durch freundliche Vermittlung des Direktors des HHSTA Wien, Dr. Richard Blaas);. BAF Nachlass Linde 58-60; Schulte, S. 360-366; Schulte, ADB, S. 665-672. Siehe auch unten S. 242 f., 346 ff. 105 Sehr aufschlussreich ist die Korrespondenz Alois' II. mit der österr. Re- gierung von April bis Dez. 1850, HHSTA P. A. XXVII/15, Schweiz Varia 1850. — Vollmacht Lindes vom 8. Juni 1850 für die Plenarversammlung, BAF Nachlass Linde 60; ebda. Korrespondenz. — Begründet wurde der österr. Wunsch mit der Notwendigkeit, der neuen Plenarversammlung weitere staatsrechtliche Fachkräfte zuzuführen; vgl. Holzhausen an Fürst, 1. Juni 1850, HK S 319. Der Fürst besass keinen Grund zur Unzufrieden- heit mit Holzhausen;. Fürst an Holzhausen, 8. Juni 1850, HK S 319; Holz- hausen an Fürst, 17. Juli 1850, HK H 1691; Fürst an österr. Aussenmini- ster, 23. Aug. 1850, HHSTA P. A. XXVII/15, Schweiz Varia 1850. 106 Siehe unten S. 346 ff. 180