— 33 — 11. Der Ur, Bos primigenius BOJANUS 1827 . Der Urahne unserer Hausrinder lebte einst weit und allgemein ver- breitet in Europa (ohne Norwegen und Finnland), in Nordafrika und von Vorderasien bis ins Indusgebiet hinein (W. KOCH, 1954, S. 25). Mit der Ausbreitung der menschlichen Siedlungsgebiete wurde sein Lebensraum mehr und mehr eingeengt. Nach B. SZALAY (bei R. ZIM- MERMANN, 1934, S. 95) ist er in Süddeutschland im 9. oder spätestens im 10. Jh. zum letzten Mal gesehen worden. In der Schweiz gab es um das Jahr 1000 noch so viele Urrinder, daß sie in der Wildpretliste der Benedictiones ad mensas des St. Galler-Mönches EKKEHARD IV (ca. 980 —1060) zusammen mit Hasen, Murmeltier, Bär, Wildpferd, Wild- schwein, Edelhirsch, Reh, Damhirsch, Gemse, Steinbock und Wisent Aufnahme fanden (E. BÄCHLER, 1911, S. 59 f.). — Der letzte Ur ver- endete 1627 in Polen (K. HESCHELER, 1933, S. 209). In den neolithischen «Pfahlbauten» der Schweiz ist der Ur nicht selten (K. HESCHELER & E. KUHN, 1949, S. 273 f., 282). R. VOGEL (1933, S. 56 — 63, Tab. bei S. 97) hat ihn am deutschen Bodenseeufer der Stein- und Bronzezeit vielfach festgestellt. Wider Erwarten ist der Ur im Lutzengüetle mit nur zwei oder drei Knochen schlecht vertreten. Ein Scapularest aus der Michelsbergerzeit könnte einer Urkuh gehört haben: Pars, artic. Gelenkfläche Hals 0 s 0 ' 0 • 85 71 69 K. HESCHELER & J. RÜEGER (1942, S. 452) zählen, wie wir beim Hausrind ausführen (S. 135), Schulterblätter erst mit mehr als 70 mm Halsdurchmesser zum wilden Auerochsen. Sichere Urknochen scheinen mir eine Phalanx 1 und eine Phalanx 2 aus der Horgenerzeit zu sein: Phal. 1 Phal. 2 6/69 .6/65 Größte Länge äußere Hälfte 74 51,5 Größte Länge innere Hälfte 74,5 49 Breite proximal 32,5 • 40 , Breite Diaphyse 29 31 Breite distal 30,5