— 97 — Von einem dieser Strünke lieh ich eine Scheibe absägen und mit Sicherheit konnten 80 Jahresringe gezählt werden, sodah diese 1. Pflanzung vor nahezu 100 Jahren erfolgt sein mutz. Was den Friichter Andreas Hilti dazu bewogen haben mag, diesen Versuch zu machen, ist heute nicht mehr zu eruieren. Wahrscheinlich war es irgend ein Beispiel in der Nachbarschaft, wo es einige Unentwegte gab, welche die Seidenraupenzucht trotz allen Rückschlägen und Miß- erfolgen weiter betrieben und dabei hin und wieder auf schöne Er- folge hinweisen konnten. Auf alle Fälle "suchte dieser aufgeschlossene Mann eine neue Erwerbsquelle, weil die Eisenbahn die Weiter- führung seines Geschäftes, die Pferdefrächterei, über Nacht ver- unmöglichte. Die Bahnlinie auf der schweizerischen Rheintalseite war im Jahre 1858 in Betrieb genommen worden. Von der eigentlichen Zucht des Seidenspinners in Schaan ist nur zu erfahren, daß diese „Tierchen" gut gediehen, aber wo, wie und von wem diese Arbeit gemacht wurde, ist nicht mehr in Er- fahrung zu bringen. Die mündliche Überlieferung berichtet, dah Andreas Hilti zusammen mit Baptist Quaderer Jnitiant für die Gründung der sogenannten „oberen Fabrik" in Mühleholz gewesen sei, um dort die gewonnene Seide verarbeiten zu können. Ein direkter Nachkomme erklärte mir gegenüber, dah sein Erohvater bei dieser Angelegenheit eine schöne Summe guten Geldes eingebüßt habe. Es ist anzunehmen, dah Hilti Andreas seinen Versuch schon etwa um 1865 endgültig aufgab. Es gibt Probleme, welche von der Menschheit trotz allen Rück- schlägen und Mißerfolgen immer wieder von neuem aufgegriffen werden. Ich erwähne hier als klassische Beispiele nur die Erfindung des Perpetuum mobile und die Herstellung künstlichen Goldes durch die Alchimisten des Mittelalters. Beim Durchgehen der Geschichte der Einführung der Seidenraupenzucht als Erwerbsquelle in ver- schiedenen europäischen Ländern wird man geradezu versucht, einen Vergleich mit den Männern, die das Perpetuum mobile erfinden und mit den Alchimisten, die künstliches Gold herstellen wollten, anzustellen, denn hier wie dort schreckten zahllose vergebliche Ver- suche nicht ab, sondern immer wieder traten neue Männer in die Stufen der Abtretenden. Und «so war es auch in Liechtenstein, denn etwa 15 Jahre später, in den 80er Jahren griff Alber Thomas