JOHANN NIKOLAUS VON BRANDIS, GENANNT HANS NICK, ZIRKA 1470 BIS 1517 / KARL HEINZ BURMEISTER Das Lied endet aber in einer versöhnlichen Note: HANS NICK IM SCHWABENKRIEG 1499 Daß ist mir laid in trüwen, Brandis thuot mich sehr rüwen. Got bewar dass edel blut! Ich hoff, ir sach werd noch gut. Ganz offensichtlich hatte auf beiden Seiten ein Um- denken eingesetzt, das auch in dem Lied anklingt. Ludwig und seine Brüder bereuten ihren Verrat an den Eidgenossen. Noch vor Jahresende 1499 waren alle Brüder wieder in die Freiheit entlassen, Ludwig erhielt seine Lande zurück. Dieses Umdenken kommt auch noch in einem an- dern Lied zum Ausdruck, das hier kurz zu bespre- chen ist. In der gereimten Schwabenkriegschronik des Johann Lenz72 tritt in einer fiktiven Versamm- lung des Adels zu Innsbruck der später in Dornach gefallene Matthias Kastelwart als Mahner zum Frie- den auf: Do sprach der von Castellwartt: «Nu mögen wir doch zur zuorfarl Der Schwytzer nüdt genyessen siecht; Sy erschlagen vns unser knecht. Jch riette ouch, wir Hessen ab, Behielten Land, lut vnd vnser hab, Dann wärlich, es ist verlorn». Hans Nick hatte seit 1487 in den Kriegsdiensten Österreich, Mailands und des Königs Maximilian ge- standen; er war Berufssoldat und im Schwaben- krieg militärisch der erfolgreichste Brandisser. Gleich zu Beginn des Krieges erscheint er gegenüber den Eidgenossen als der grosssprecherische miles gloriosus. DER 11. FEBRUAR 1499 IN MAIENFELD Mit einer Kriegslist, die ihm die Eidgenossen beson- ders übel nahmen, gelang es Hans Nick um den 11. Februar 1499, in das besetzte Maienfeld einzudrin- gen. Nick und seine Leute hatten über ihre roten Kreuze, die sie als Zeichen des Schwäbischen Bun- des trugen, die weissen Kreuze der Eidgenossen ge- heftet.73 Noch am selben Tag entkamen Nick und Ludwig von Brandis mit den weiteren Hauptleuten Hans von Königsegg, Jos Humpis und Franz Schenck, die sich im Schloss Maienfeld aufhielten, in wilder Flucht mit knapper Not vor den anrückenden eidgenössischen Truppen; dabei nahmen sie auch die Ehefrau Sigmunds II. mit, wobei diese an Klei- dern und Kleinoden alles mitnahm, was sie in ihrem Wagen unterbringen konnte.74 Kastelwart erregte mit seiner Mahnung den Zorn seiner adligen Standesgenossen, die ihm Feigheit vor dem Feind vorwarfen und die Frage stellten, ob er den denn den Schweizern verwandt wäre? Tat- sächlich war Kastelwart seit 1498 Bürger von Lu- zern. Er hatte schon 1498 in Erwartung des Krieges Schloss und Herrschaft Werdenberg an Luzern ver- kauft. Seine düsteren Prophezeiungen, die deutlich den Zwiespalt der Brandis offenbaren, gingen je- denfalls in Erfüllung. 68) Plattner, Placidus (Hrsg.): Ulrici Campelli Historia Raetica (Quel- len zur Schweizer Geschichte, 8), Band 1. Basel, 1887, S. 658. 69) Bütler (wie Anm. 2), S. 132, Anm. 2. 70) Ebenda. S. 136, Anm. 1. 71) Ebenda, S. 126 f. 72) Text nach Bütler (wie Anm. 2), S. 136 f. 73) Schanze, Frieder (Hrsg.): Ludwig Sterners Handschrift der Burgunderkriegschronik dos Peter von Molsheim und der Schwaben- kriegschronik des Johann Lenz mit den von Sterner beigefügten Anhängen. Ramsen/Schweiz, 2006, S. 298. 74) Bütler, Placid (Hrsg.): Geschichte und Akten des Varnbüler ProzessesAViler Chronik des Schwabenkriegs. In: Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte St. Gallen 34 (1914), S. 170, zit. nach LUB II digital (1499 Februar 11, ca.). 171