Abb. 8: Pfarrhaus Triesen- berg, erbaut 1767/68 mit Mansardendach, heute Gemeindehaus DAS MANSARDENDACH ALS ARCHITEK- TONISCHER AUSDRUCK UND WOHNRAUM- GEWINN Diese eigentümliche, hierzulande selten anzutref- fende Dachform wird nach dem Pariser Architekten Jules Hardouin-Mansart (1646-1708) benannt. Hardouin-Mansart soll mit seinem Mansardenge- schoss die Pariser Bauordnung umgangen haben, die wohl die Geschosszahl bis zur Traufe, nicht aber die Dachhöhe definiert hatte. Mit einem Mansar- dendach gewannen Bauherren praktisch ein zusätz- liches Vollgeschoss für Wohnbedarf. Die Verbrei- tung des Mansardendaches kann in der Ostschweiz und weiter ostwärts in drei wesentlichen Zeiträu- men nachgezeichnet werden, wobei es hierzulande nie über Einzelfälle hinaus trat. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mögen Mansardendächer eine Art Sympathie zur französischen Kultur und zur franzö- sischen Krone verraten haben. So erhielt der Gasthof zum Löwen in Vaduz 1786 anlässlich des Ausbaus der Reichsstrasse Lindau-Chur-Mailand ein Man- sardendach aufgesetzt10 (Abb. 9). Das 1767/68 er- baute Triesenberger Pfarrhaus (heute Gemeinde- haus) trägt ebenfalls einen dieser eigentümlichen Hüte (Abb. 8). Im frühen 19. Jahrhundert tauchten, inmitten der französischen Kriegswirren und hiesi- gen Verwaltungsreformen, in der Ostschweiz verein- zelt Mansardendächer auf, hierzulande am 1804 er- bauten Zoll- und Gasthaus Ruggell. Zu weiterer Be- liebtheit fand das Mansardendach im Zuge des Französischen Neubarocks um 1870 bis 1890 an Villen von Fabrikbesitzern und an städtischen Zei- lenhäusern. Abb. 9: Der Gasthof Löwen in Vaduz mit dem 1786 aufgesetzten Mansarden- dach (Aufnahme 1988) 182