DIE LIECHTENSTEINISCHE LANDESHYMNE JOSEF FROMMELT Wir, >^S> a J i—i— L l._L_ Unter dem Titel «Vater- lands Himne» ist in einem Büchlein der Musikgesell- schaft Triesen aus dem Jahr 1895 ebenfalls eine hand- geschriebene Notenversion der Liechtensteinischen Landeshymne zu finden. Schweizer Titel verwendete. Er war ein Praktiker, der die Musikstücke für den jeweiligen Gebrauch arrangiert hat. Welcher Text dazu gesungen wurde ist jedoch nirgends vermerkt. Es ist denkbar, dass er das «Te Deum laudamus» und die Hymnenbear- beitung für die Einweihung der Pfarrkirche Vaduz geschrieben hatte, die am 5. Oktober 1873 erfolgte; denn dies war im Jahr 1873 der einzige feierliche Anlass, bei dem die Aufführung solcher Stücke ge- rechtfertigt gewesen wäre. Hofkaplan Johann Fetz beschreibt die ganze Einweihungsfeier sehr genau und erwähnt auch, dass eine feierliche Messe ge- sungen wurde. Hofkaplan Fetz erwähnt aber nicht, wer gesungen hat und welche Kompositionen auf- geführt wurden. Einen weiteren Beleg, dass die Hymne verwen- det wurde, fand ich in einem handgeschriebenen Büchlein der Musikgesellschaft Triesen, das auf der ersten Innenseite die Jahreszahl 1895 trägt. Die Melodie der Landeshymne ist unter der Überschrift «Vaterlands-Himne» eingetragen. Da solche hand- geschriebenen Notenbüchlein damals für die Mu- sikkapellen kostbar waren, wurden sie über viele Jahre verwendet. Es ist daher denkbar, dass das Büchlein älter ist und der damalige Besitzer Theo- bald Schürte es von seinem Vorgänger übernom- men hat. AUFFÜHRUNG VON «ORERST AM DEUTSCHEN RHEIN» AN DER LANDES- AUSSTELLUNG 1895 Anlässlich der Eröffnung der Landesausstellung in Vaduz wurde am 29. September 1895 die Hymne «Oberst am deutschen Rhein» aufgeführt. Der Be- richt zur Ausstellungseröffnung im «Liechtenstei- ner Volksblatt» vom 4. Oktober 1895 hielt fest: «... darauf wurde von der ganzen Versammlung die liechtensteinische Volkshymne <Oberst am deut- schen Rheim gesungen». Dies klingt so selbstver- ständlich, dass daraus auf eine allgemeine Be- kanntheit der Hymne geschlossen werden kann. Nichts deutet in dieser Nachricht darauf hin, dass hier etwas Neues stattgefunden hat. Und da sie von einer «mehrtausendköpfigen Versammlung» ge- sungen wurde, muss sie in der Bevölkerung ver- breitet gewesen sein. Es finden sich jedoch keine Belege, dass die Hymne mit dem Text von Jauch in den Schulen gelernt oder gezielt unter der Bevölke- rung verbreitet wurde.23 23) LVolksblatt, 4. Oktober 1895. 33