Gebirgen zum Theil im Regen machen den Hinter- grund».™ «Der Brunnen von Zell am See»109 (Abb. 14) vermit- telt nicht mehr diese bedrohliche atmosphärische Stimmung, obwohl immer noch die von Licht und Schatten beherrschte Landschaft und die als Teil derselben erscheinenden Menschen Bildinhalt sind. Der Brunnen ist Mittelpunkt des Dorfplatzes und des Dorflebens. Der See im Hintergrund wird von einer verschneiten Gebirgskette abgeschlos- sen, die mit dem spitzen Kitzsteinhorn in die Wol- ken ragt. In der rechten Bildhälfte wird der Land- schaftsraum von einem hohen Baum, dem Kirch- turm und Häusern um den Dorfplatz begrenzt. Da- hinter scheint wieder ein Gewitter zu drohen, doch der Bauer, der seine Pferde nach dem Pflügen zur Tränke bringt, oder der Kuhhirt, der mit seiner Herde zum Brunnen kommt, scheinen nichts zu be- merken. Jegliche Dramatik ist hier zugunsten eines warmen, goldenen Abendlichtes zurückgestellt. Liebevoll erzählt Gauermann verschiedene kleine Geschichten dieses Brunnens - vom Kind, das den Brunnenrand nicht erreichen kann oder vom alten Mann, der keinen Krug hat und das Wasser zum Trinken in der Hutkrempe auffängt. Gauermann sah den Brunnen zum ersten Mal im Jahr 1835 und berichtete sogleich seinem Freund Fink davon: «... da kann man Vieh und Staffagen aller Art am Brunnen anbringen ...».'10 Tatsächlich war der Brunnen mit der Mariensäule ein beliebtes Bildmotiv Gauermanns, das er in verschiedene Szenerien komponierte.1,1 Die «Pferdeschwemme am Zeller See»"2 malte Gauermann 1847 (Abb. 15). Johann kaufte es im Jahr 1913, nachdem er 1902 zuerst den «Erntewa- gen» und 1909 den «Brunnen von Zell am See» er- worben hatte. Wieder malte Gauermann eine Stu- die bäuerlichen Alltags am Zeller See. Der spitze Kirchturm und das noch spitzere Kitzsteinhorn machen den Ort unverwechselbar. Bauern bringen ihre Pferde ans Wasser zur Tränke und zum Baden. Es geht gegen Abend zu, die gewittrigen Wolken verdichten sich über der Kirche, doch noch bricht die Sonne durch und beleuchtet die friedliche Idylle im milden Abendlicht. Auch dieses Gemälde be- sticht, typisch für Gauermann, durch seine kostba- re Farbigkeit. Mit diesem Gemälde schliesst die Folge der Landschaften von Zell am See, die Johann in seiner Galerie gezeigt hatte. «Als österreichischer Wou- werman - Gauermann hat dessen Gemälde in der Galerie Liechtenstein nachweislich kopiert - hat sich hier der Maler ein eindrucksvolles Zeugnis ... zu einer geradezu holländischen Kunst der Land- schaftsvergegenwärtigung ausgestellt».'13 Diese Landschaften entstanden weit nach dem Höhepunkt der realistischen Landschaftsmalerei Gauermanns, den Frodl vor und um 1830 fest- macht."4 Zur Wiedergabe der Natur kommt eine weiterentwickelte Sichtweise, durch das intensive Studium der Niederländer bedingt, hinzu. Die Vir- tuosität seines technischen Könnens macht die Bil- der zu Kostbarkeiten der Ölmalerei, die gleichzeitig aber die Frische des unmittelbaren Natureindrucks verloren haben. Mit dem kleinen Bildchen «In einer Land- schaft»"5 oder «Die Hirtin» (Abb. 16) hatte Fürst Johann II. ein Spätwerk des Malers erworben und damit die Präsentation des Oeuvres Gauermanns, besonders als nachbarock beeinflusster Biedermei- ermaler, abgerundet. Sehr prosaisch ist das Bild im Einnahmenbuch Gauermanns beschrieben: «Eine gelbe Kuh liegt auf einem Hügel, zwei Schafe dane- 108) Zitiert nach Feuchtmüller 1987. S. 35 f. 109) Vor 1842: Öl auf Leinwand. 74 x 96 cm. 110) Brief von Gauermann an Fink am 13. August 1835, zitiert nach Feuchtmüller 1987, S. 31. 111) Vgl. Feuchtmüller. Rupert: Vom Kunstgeschmack der Liechten- steins. In: Parnass 15 U995) Sonderheft 11/95 «Die Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein». Abb. S. 57: Studie nach der Natur zu «Der Brunnen von Zell am See». Öl auf Papier, 31,5 x 42,4 cm. Privatbesitz. 112) 1847: Öl auf Holz, 87 x 110 cm. 113) Baumstark 1983. S. 78. 114) Frodl 1987, S. 39. 1 15) Vor 1854: Öl auf Holz, 12 x 17 cm. 26