wirtschaftliche Verein und die Zeitung «Oberrheinische Nach­ richten9») versuchten auf Möglichkeiten zur Produktionssteigerung und zur besseren Ausnutzung des Bodens hinzuweisen.10) Der unerwartet lange Krieg aber weitete sich zu einem ausgesproche­ nen Wirtschaftskrieg aus. Die Ententestaaten England und Frankreich betrieben den Zentralmächten gegenüber eine Aushungerungspolitik. Die Einfuhren nach Österreich waren minimal. Gleichzeitig zeigten sich die Folgen der Vernachlässigung landwirtschaftlicher Gebiete. Zum Teil fielen Anbaugebiete durch örtliche Kampfhandlungen aus.11) Der Landtag erkannte die Bedeutung der organisierten Aufnahme und Verteilung der knappen Lebensmittel und baute die landwirtschaft­ liche Notstandskommission aus. Lokale Notstandskommissionen soll­ ten die Aufgaben innerhalb der Gemeinden übernehmen.12) Das Jahr 1917 begann mit einer die wirtschaftliche Lage verschärfen­ den Entscheidung Deutschlands. Um die enorme Versorgungshilfe der Vereinigten Staaten für die Ententemächte zu unterbinden, begannen die deutschen Unterseebotte amerikanische Schiffe zu torpedieren. Im April erklärten darauf die Vereinigten Staaten Deutschland den Krieg. Die militärischen Folgen für Deutschland wirkten sich auch auf die österreichisch-ungarische Monarchie aus. In diesem Jahr ging Liechtenstein einen Schritt weiter zur Sicherung des Eigenbedarfes, indem Ausfuhrzentralen für Ein- und Verkauf von Vieh, Obst und Kartoffeln errichtet wurden. Der Ackerbau sollte mit staatlicher Hilfe gefördert werden.13) Diese von der außerordentlichen Notlage diktierte Einrichtung wurde von beiden Landeszeitungen als verspätet kritisiert.14) Schon 1915 hatten dafür Vorschläge bestanden, die von den «Oberrheinischen Nach­ richten» im Sommer 1917 angesichts eines weiteren Kriegswinters in ein umfassendes Maßnahmenpaket eingeordnet wurden. Es wurde vor­ geschlagen, eine «zusammenhängende Regelung der Verteilung der Inlandsproduktion» einzuführen, mit deren Hilfe alle Erträge von einer zentralen Stelle aufgenommen und je nach Bedarf weitergegeben würden, wobei nur Uberschüsse ausgeführt werden dürften.15) Die Schwierigkeiten und Maßnahmen Liechtensteins zeigen, daß das kleine Land durch die wirtschaftliche Ausrichtung auf einen krieg­ führenden Staat in besonderem Maße von der für alle Länder er- s) Organ einer jungen oppositionellen Bewegung, der späteren liechtensteinischen Volkspartei. 10) «Oberrheinische Nachrichten» Nr. 42, 9. 10. 1915 und Nr. 10 vom 15. 3. 1917. n) Die Getreideerträge betrugen 1916 noch die Hälfte, 1917 ein Drittel der Ernte von 1913. Vgl. Tapie, S. 419. 12) LGBl. Nr. 1 vom 4. 1. 1917. ls) Schädler, S. 31. u) «Liechtensteiner Volksblatt» Nr. 1 vom 4. 1. 1918. ,5) «Oberrheinische Nachrichten» Nr. 42, 9. 10. 1915 und Nr. 31, 4. 8. 1917. 12