Volltext: Das Haus Liechtenstein in den böhmischen Ländern vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

Liechtensteinische Güterund Rechte in Böhmen, Mähren und Schlesien 
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tschechischen Elements. 268 Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als 
die Gleichberechtigung der beiden Sprachen Mährens von politischer Seite bereits 
grundsätzlich anerkannt war, besass die deutsche Sprache eine «natürliche Hege 
monie» 269 (Jiri Malir). Für die tschechische Intelligenz war das Deutsche damals 
noch immer die Sprache, in der ein sozialer Aufstieg am ehesten möglich war. 270 
Umgekehrt blieb für die Liechtenstein das Tschechische auch nach 1620 
wichtig. Mit den Erwerbungen der Jahre 1597 bis 1625 gewannen sie Zehntau 
sende von Untertanen hinzu, deren Muttersprache tschechisch war. Selbst inner- 
familiär war tschechisch bedeutend. So legte Hartmann II. grossen Wert auf eine 
tschechische Erziehung seiner Söhne (die dann sein Ältester Karl in seiner Funk 
tion als Statthalter Böhmens gut gebrauchen konnte). 271 Die Muttersprache der 
Kinder Karls war das «Böhmische». Tatsächlich korrespondierte sein Sohn Karl 
Eusebius mit dem Vater auf Tschechisch. 272 Auch für spätere Fürsten und Famili 
enangehörige war tschechisch wichtig, so etwa für Fürst Josef Wenzel, der in Prag 
aufwuchs, 273 oder für Franz von Liechtenstein, der als österreichisch-ungarischer 
Gesandter in Sankt Petersburg (1894-1898) ein Faible für slawische Sprachen 
gehabt haben muss. 274 
Andererseits hatte die Bedeutung der tschechischen Sprache auch ihre Gren 
zen. Meistens noch wichtiger als das Tschechische, das letztlich halt doch eine 
Zweit-, Dritt- oder Fremdsprache blieb, waren für die Liechtenstein nach ihrer 
Haussprache Deutsch andere Sprachen: im 17. Jahrhundert etwa die Hofspra- 
chen Italienisch und Spanisch, im 18. Jahrhundert das vom Adel Europas hoch 
geschätzte Französisch. Die französische Sprache blieb auch im 19. Jahrhundert 
268 Ebd.; Tomás KNOZ, Natus Moravus, linguae Bohemus. Nation, State, Language and Culture 
in Early Modern Moravia, in: Histórica. Historical Sciences in the Czech Republic, Bd. 9/2002, 
S. 41-59, hier S. 47/48. 
269 Jiri MALlR, Zu den Sprachenverhältnissen in Mähren in den Jahren 1848—1918, in: Kristina 
KAISEROVA (Hg.), Die Sprachenfrage und ihre Lösung in den böhmischen Ländern nach 
1848. Vorträge des 4. Aussiger Kolloquiums (...) vom 24. bis 25. April 1997, Usti nad Labem 
1998, S. 119-134, hier S. 133. 
270 Ebd. 
271 Die jüngeren Brüder Karls beherrschten Tschechisch weniger gut. Gundaker hatte Mühe 
damit, war jedoch in den romanischen Sprachen (Latein, Italienisch, Französisch, Spanisch) 
sattelfest (vgl. Knoz 2002, S. 48). 
272 SL-HA, FA 478, Briefe aus den 1620er Jahren. 
273 Rudersdorf 1987, S. 356. 
274 Uber Franz von Liechtenstein (1853—1938), der 1929 seinem verstorbenen Bruder Johann als 
Regierer des Hauses nachfolgte: Marija WAKOUNIG, Ein Grandseigneur der Diplomatie. 
Die Mission von Franz de Paula Prinz von und zu Liechtenstein in St. Petersburg 1894—1898, 
Wien 2007. Franz von Liechtenstein war auch, ein weiteres Zeichen seiner Slawophilie, einer 
der massgeblichen Sponsoren des Instituts für osteuropäische Geschichte. Dieses wurde 1907 
an der Universität Wien eröffnet.
	        

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