Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2019)

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11. DEZEMBER 2019 
Nobelpreise in Stockholm und Oslo überreicht 
Geehrt Am Dienstag wurden die diesjährigen Nobelpreise verliehen. Nachdem der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed zunächst in Oslo mit dem Friedens- 
nobelpreis ausgezeichnet wurde, erhielten die Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wissenschaft ihre Medaillen in Stockholm. 
Zwölf 
Wissenschafter haben 
am Dienstag die diesjäh- 
rigen Nobelpreise erhalten. 
Bei der Verleihung im Stock- 
holmer Konzerthaus und dem an- 
schliessenden pompösen Bankett im 
Rathaus der schwedischen Haupt- 
stadt war es zudem deutlich voller 
als in den Vorjahren: In allen wis- 
senschaftlichen Kategorien hatten 
die Komitees die Maximalzahl von 
drei Preisträgern ausgewählt. Gregg 
Semenza, William Kaelin und Peter 
Ratcliff e bekamen die Auszeichnung 
in der Kategorie Medizin, die beiden 
Genfer Astronomen Michel Mayor 
und Didier Queloz zusammen mit 
James Peebles in Physik sowie John 
Goodenough, Stanley Whittingham 
und Akira Yoshino in Chemie. Der 
Wirtschaftsnobelpreis, der nicht zu 
den traditionellen, auf Dynamit-Er- 
fi nder Alfred Nobel zurückgehenden 
Preisen zählt, ging an Esther Dufl o, 
ihren Ehemann Abhijit Banerjee so- 
wie Michael Kremer. Die Geehrten 
haben neben der prestigeträchtigen 
Nobelmedaille auch ein Diplom er- 
halten. Begleitet von Protesten ist 
der österreichische Schriftsteller 
Peter Handke mit dem diesjährigen 
Literaturnobelpreis ausgezeichnet 
worden. Für die Auszeichnung von 
Abiy Ahmed hatte es dagegen viel 
Lob gegeben. Der 43 Jahre alte Re- 
gierungschef Äthiopiens bedankte 
sich beim norwegischen Nobelko- 
mitee für die Auszeichnung und 
wies darauf hin, wie schwierig es 
sei, langfristigen Frieden zu sichern. 
«Ich glaube, dass Frieden eine Her- 
zensangelegenheit ist. Frieden ist 
eine Arbeit der Liebe. Frieden zu 
erhalten, das ist harte Arbeit», sagte 
er.   (dpa/red) 
Der ausgezeichnete Schweizer Astronom Michel Mayor mit 
Kronprinzessin Victoria von Schweden beim Bankett. Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed. (Fotos: RM/AP) Blick auf die Bühne vor der Verleihung in der Konzerthalle von Stockholm. 
Sanna Marin: Die junge Finnin mit 
Vorliebe für Hardrock und Natur 
Porträt Den relativ blassen 
Antti Rinne hatte Sanna Ma- 
rin bereits vertreten, bevor 
der überhaupt Regierungs- 
chef geworden war – und das 
mit Bravour. Nun beerbt die 
34-Jährige ihren sozialdemo- 
kratischen Parteichef an der 
Spitze Finnlands. 
VON STEFFEN TRUMPF, DPA 
Sie ist Mutter einer kleinen Tochter, 
wie viele Finnen eine Freundin gu- 
ter Rockmusik und nun auch die 
derzeit jüngste Ministerpräsidentin 
der Erde: Die 34 Jahre alte Sanna 
Marin wird von jetzt an die Regie- 
rungsgeschäfte in Helsinki führen. 
In ihrem Kabinett sitzen überwie- 
gend Frauen auf den wichtigen Po- 
sitionen. Marin gilt bei den Finnen 
als zielstrebige und selbstsichere 
Politikerin. Trotz ihres verhältnis- 
mässig jungen Alters verfügt sie be- 
reits über ausgeprägte politische 
Erfahrung: Ihre Laufbahn als Sozi- 
aldemokratin begann vor mehr als 
zehn Jahren in ihrem Studienort 
Tampere, ins finnische Parlament 
wurde sie schliesslich im Jahr 2015 
gewählt. Seit Juni war sie unter Re- 
gierungschef Antti Rinne für knapp 
sechs Monate Verkehrs- und Kom- 
munikationsministerin, ehe dieser 
vor einer Woche den Rücktritt sei- 
ner Regierung einreichte. Marin 
spricht Finnisch, Englisch und 
Schwedisch. Als stellvertretende 
Parteichefin hatte Marin zu Jahres- 
beginn Rinne vertreten, als dieser 
ausgerechnet im Wahlkampf vor 
der Parlamentswahl grössere ge- 
sundheitliche Probleme hatte. Ma- 
rin machte sich in der Zeit mit ih- 
rem sicheren und überzeugenden 
Auftreten einen Namen. Die Sozial- 
demokraten wurden bei der Fin- 
nen-Wahl im April schliesslich 
stärkste Kraft – und Rinne Regie- 
rungschef. 
Mann kümmert sich um Tochter 
Marin wurde am 16. November 1985 
in Helsinki geboren und wuchs in 
der Kleinstadt Pirkkala bei Tam- 
pere auf. Ihre Mutter war alleiner- 
ziehend und ging später eine Bezie- 
hung mit einer anderen Frau ein – 
Marin sprach öffentlich über die da- 
mit verbundenen Stigmatisierun- 
gen. Im sozialdemokratisch gepräg- 
ten Tampere studierte Marin später 
öffentliche Verwaltung auf Magis- 
ter. Noch während der Studienzeit 
wurde sie dort in den Stadtrat ge- 
wählt und dessen Vorsitzende. Be- 
sonders wichtig sind ihr nach eige- 
nen Angaben neben der Geschlech- 
tergleichheit und weltweiten Soli- 
darität vor allem Umwelt- und Nach- 
haltigkeitsthemen. Noch heute lebt 
Marin mit ihrer Familie in Tam- 
pere. Gemeinsam mit ihrem Ehe- 
mann Markus Räikkönen hat sie ei- 
ne 2018 geborene Tochter namens 
Emma. Sie lobt ihren Mann dafür, 
wie viel Verantwortung er für die 
Tochter übernimmt. 
Dritte weibliche Ministerpräsidentin 
Ihre Freizeit verbringt Marin nach 
Angaben finnischer Medien gerne 
mit Familie und Freunden und vor- 
zugsweise in der Natur. Musikalisch 
mag sie laut der Lokalzeitung «Tam- 
perelainen» besonders die US-Band 
Rage Against the Machine, kann 
aber auch klassischem Hardrock, 
Funk und altem Hip-Hop etwas ab- 
gewinnen. Marin wird nun die drit- 
te weibliche Ministerpräsidentin 
Finnlands. So jung wie sie ist der- 
zeit kein Regierungschef auf der 
Welt – jedenfalls so lange, bis der 
noch einmal etwa neun Monate jün- 
gere Ex-Kanzler Sebastian Kurz in 
Österreich eine neue Regierungs- 
koalition gefunden hat. 
Die 34-jährige Sozialdemokratin Sanna Marin wird neue Ministerpräsidentin Finnlands. (Foto: RM) 
Keine Proteste mehr vor ungarischem Parlament 
Umstrittenes «Maulkorb- 
gesetz» verabschiedet 
BUDAPEST Das von der rechtsgerich- 
teten Fidesz-Partei dominierte un- 
garische Parlament hat am Dienstag 
eine Reihe von umstrittenen Geset- 
zesvorhaben verabschiedet. Ein 200 
Seiten langes Gesetzespaket zu Ver- 
waltungsabläufen beinhaltet unter 
anderem Reformen der Gerichte, 
die Kritikern zufolge die Unabhän- 
gigkeit der Justiz einschränken. 
Weitere Gesetze beziehen sich auf 
Kommunen und politische Instituti- 
onen in Ungarn. Eine von der Oppo- 
sition als «Maulkorbgesetz» kriti- 
sierte Novelle ermöglicht es künftig 
dem Vorsitzenden des Parlaments, 
Abgeordneten hohe Geldbussen auf- 
zuerlegen oder sie von Sitzungen 
auszuschliessen, falls sie im Parla- 
mentsgebäude protestieren. Opposi- 
tionsabgeordnete haben zudem 
künftig schwerer Zugang zu öffentli- 
chen Einrichtungen wie Ministeri- 
en. Weitere Gesetzesänderungen 
sind Kritikern zufolge Reaktionen 
von Ministerpräsident Viktor Orban 
auf die Niederlagen seiner Partei bei 
den jüngsten Kommunalwahlen. Ei- 
ne Novelle schränkt die Möglichkeit 
mehrerer Parteien ein, Bündnisse 
bei Wahlen einzugehen. Mit dieser 
Strategie hatte die Opposition meh- 
rere Rathäuser, unter anderem in 
Budapest, bei den Kommunal- 
wahlen erobert. Zudem wird die 
Freiheit der Kommunen bei der Ver- 
wendung von Steuergeldern einge- 
schränkt. 
Kritiker werfen der ungarischen Re- 
gierung überdies vor, dass die Geset- 
ze ohne Beratungen oder Bewertung 
möglicher Folgen durch das Parla- 
ment gepeitscht wurden. Ebenfalls 
am Dienstag wurde Ungarns Justiz- 
ministerin Judit Varga bei einem 
Treffen der EU-Europaminister in 
Brüssel zu dem Vorwurf angehört, 
die Orban-Regierung schränke die 
Rechtsstaatlichkeit in ihrem Land 
ein. Varga beharrte darauf, dass das 
laufende EU-Strafverfahren gegen 
ihr Land auf «falschen Anschuldi- 
gungen» basiere. Varga sprach von 
einer «Hexenjagd».   (sda/afp) 
Amtsenthebungsverfahren rückt näher 
Demokraten stellen 
Anklage gegen Trump vor 
WASHINGTON Die Demokraten im US- 
Repräsentantenhaus wollen Präsi- 
dent Donald Trump (Foto) im Rah- 
men eines Amtsenthebungsverfah- 
rens wegen Machtmissbrauchs und 
Behinderung der Ermittlungen des 
Parlaments anklagen. Der Vorsitzen- 
de des Justizausschusses, Jerrold 
Nadler, stellte die Anklagepunkte 
am Dienstag vor. Dieser Schritt ist ei- 
ne Voraussetzung für eine Abstim- 
mung zu Trumps möglicher Amts- 
enthebung (Impeachment) im Ple- 
num der Parlamentskammer. Hin- 
tergrund des Vorgehens gegen 
Trump sind Vorwürfe aus der Ukrai- 
ne-Affäre. «Eines ist klar: Niemand, 
auch nicht der Präsident, steht 
über dem Gesetz», sagte 
Nadler. Der Justizausschuss 
werde sich noch diese Woche 
formell mit den Anklage- 
punkten befassen, sagte 
er. Im Anschluss kann 
es dann im Plenum 
des Repräsentanten- 
hauses zur eigentli- 
chen Abstimmung 
über die Anklagepunkte kommen. 
Dem Vernehmen nach soll auch dies 
noch vor Weihnachten geschehen. 
Die Demokraten stellen im Reprä- 
sentantenhaus die Mehrheit, eine 
Anklage gegen Trump scheint daher 
sehr wahrscheinlich. Trump wäre 
erst der vierte Präsident in der US- 
Geschichte, gegen den das Reprä- 
sentantenhaus ein Impeachment- 
Verfahren begonnen hat. 
Kaum Chancen im Senat 
Nach dem Repräsentantenhaus geht 
das Verfahren im Senat weiter, wo 
Trumps Republikaner eine komfor- 
table Mehrheit haben. Dort könnte es 
im Januar zu einem Verfahren 
gegen den Präsidenten kom- 
men. Eine Verurteilung und 
Amtsenthebung durch den Se- 
nat, für die es eine Zweidrittel- 
mehrheit bräuchte, gilt 
aber derzeit als unwahr- 
scheinlich. Dafür müss- 
ten 20 republikanische 
Senatoren das Lager 
wechseln.  (sda/dpa)
	        

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