Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2019)

DONNERSTAG 
28. NOVEMBER 
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Schwerpunkt Wintersport 
Alter Hut mit neuem Trainer: Feuz gegen 
Paris, die Österreicher und die Norweger 
Ski alpin In Lake Louise 
steigen die Speed-Spezia- 
listen in diesen Tagen in den 
Weltcupwinter. Die Schweizer 
Vorzeichen sind gut: Beat 
Feuz absolvierte eine gute 
Vorbereitung und gehört in 
der Abfahrt zu den Favoriten. 
Seine Gegner dürften bis auf 
einen dieselben sein. 
JONAS SCHNEEBERGER, LAKE LOUISE 
Reto 
Nydegger, der neue 
Schweizer Speedtrainer, 
erlebte einen erfreulichen 
Einstand. Zwar zwangen 
Schnee- und Wetterverhältnisse die 
Mannschaft über den Sommer zu 
einigen Umstellungen und zum Ver- 
zicht auf den Abstecher in den Win- 
terschnee der chilenischen Anden. 
Weil sich aber der Gletscher von 
Saas-Fee als gute Alternative erwies, 
fanden die Schweizer vor den weite- 
ren Speedtrainings in Nordamerika 
bessere Bedingungen vor als manch 
anderes Team. Kommt hinzu, dass 
sich keiner verletzte. Auch das ist 
längst keine Selbstverständlichkeit 
mehr angesichts immer höherer 
Tempi in den Kurven und den teils 
prekären Sicherheitsstandards auf 
temporären Trainingsstrecken. 
«Ziel ist es, besser abzuschneiden» 
Nydegger, der 44-jährige Berner 
Oberländer, der in den letzten drei 
Jahren die pflegeleichte norwegi- 
sche Equipe als Chef betreute, kann 
vor dem Saisonauftakt in den kana- 
dischen Rocky Mountains mit einer 
Abfahrt am Samstag und einem Su- 
per-G am Sonntag also festhalten: 
«Der erste Eindruck ist sehr positiv.» 
Seine Equipe steigt zuversichtlich in 
den neuen Winter, allen voran na- 
türlich dank Beat Feuz, dem Ab- 
fahrtsweltcupsieger der letzten zwei 
Saisons, dessen Vorbereitung ohne 
Komplikationen verlaufen ist. Aber 
auch dank Mauro Caviezel, der sich 
in der letzten Saison in der Weltspit- 
ze etabliert hat und im Sommer De- 
tailarbeit betreiben konnte. 
«Ziel ist es, noch besser abzuschnei- 
den als letzte Saison», sagt Männer- 
chef Tom Stauffer. Zu hoffen ist dies- 
bezüglich, dass der chronische Rü- 
ckenpatient Carlo Janka die Lücke 
nach vorne wieder etwas schliessen 
kann, dass sich Marc Gisin von sei- 
nem schlimmen Sturz in Gröden 
noch gänzlich erholen wird, und 
dass Gilles Roulin, Niels Hinter- 
mann, Marco Odermatt und Co. 
Schritte nach vorne machen können. 
Während der Rücktritt von Marcel 
Hirscher die Skigemeinde aufrüttel- 
te, verabschiedete sich Aksel Lund 
Svindal an der letzten WM ver- 
gleichsweise leise. Wobei die Um- 
stände nicht vergleichbar sind: Mit 
30 Jahren zog Hirscher im Zenit sei- 
ner Schaffenskraft die Reissleine. 
Svindal dagegen, der die Szene wäh- 
rend fast 15 Jahren massgeblich 
prägte, konnte wegen seines ge- 
schundenen Körpers bereits seit 
Längerem nur noch vereinzelt Ak- 
zente setzen. Der Abgang des charis- 
matischen Norwegers war einer mit 
Ansage. 
Wieder wartet Paris 
Feuz, den seine lange Krankenakte 
mit Svindal verband, wird seinen 
Verbündeten und Rivalen vermis- 
sen. Sportlich wird sich indes nicht 
viel ändern. Bereits in der letzten 
Saison waren seine Hauptgegner an- 
dere, allen voran der Italiener Domi- 
nik Paris. Der Südtiroler liess sich 
mit Fortdauer der Saison nur noch 
schwer bezwingen. Anders als Feuz, 
der in der Abfahrt mit seiner Kons- 
tanz bestach, im Super-G aber Prob- 
leme bekundete, mischte Paris in 
beiden Speed-Disziplinen zuvorderst 
mit. Es würde überraschen, wenn 
der 30-Jährige mit dem markanten 
Akzent und dem Flair für harte Töne 
nicht erneut zu den Favoriten zählt. 
Seine Physis ist prädestiniert für die 
Abfahrt, dazu bringt der 100-kg-Ath- 
let ausgezeichnete technische Fähig- 
keiten mit. 
Als weitere Herausforderer von Feuz 
gelten die Österreicher Vincent 
Kriechmayr und Matthias Mayer, die 
im Super-G von Lake Louise seit Jah- 
ren tonangebenden Norweger mit 
Aleksander Kilde und Kjetil Jansrud 
sowie Teamkollege Mauro Caviezel. 
Mit dem deutschen Kitzbühel-Sieger 
Thomas Dressen sowie dem Kanadi- 
er Manuel Osborne-Paradis kehren 
zudem zwei Kreuzband-Patienten 
zurück, die zumindest punktuell zu 
allem fähig sind. 
Feuz ist in Topform 
Um sich als bester Abfahrer zu be- 
haupten, muss Feuz ähnlich kons- 
tant fahren wie in der letzten Sai- 
son, als er in sechs von acht Welt- 
cup abfahrten auf dem Podest stand 
und er nie schlechter als Sechster 
war. Zupass kommt ihm, dass die Be- 
lastung in einem Winter ohne WM 
und Olympische Spiele geringer ist. 
Und zuversichtlich stimmt, dass er 
seine Knieprobleme dauerhaft in 
den Griff bekommen hat. Der Em- 
mentaler weiss inzwischen, die Sig- 
nale seines elfmal operierten linken 
Knies richtig zu deuten und die Be- 
lastung entsprechend anzupassen. 
Für seine Verhältnisse konnte er op- 
timal trainieren. Zwar sind seine 
Einheiten auf Schnee kürzer als jene 
der Teamkollegen, dass er aber zum 
Beispiel in Saas-Fee an sieben von 
acht Tagen habe mitmachen kön- 
nen, sei unüblich und erfreulich, 
liess er verlauten. 
Evers verabschiedete sich 
Die grössten Umwälzungen spielten 
sich in der Zwischensaison auf Trai- 
nerebene ab. Wohl auch wegen Car- 
lo Jankas öffentlich geäusserter Kri- 
tik an der letzten WM räumte Andy 
Evers seinen Posten nach zwei Jah- 
ren wieder. Der fachlich angesehe- 
ne, für manche zu leise Österreicher 
amtet nun bei den Deutschen. 
Beat Feuz (r.) hat in Dominik Paris (l.) erneut seinen grössten Konkurrenten in der Saison 2019/20. (Foto: Keystone) 
Dario Cologna hat die Podestplätze im Visier 
Langlauf Die Langläufer starten morgen im finnischen Kuusamo in eine Saison ohne Titelkämpfe. Der Motivation tut dies 
keinen Abbruch, zumal das Weltcupprogramm neue attraktive Formate bietet. 
«In der vergangenen Saison fehlte 
der Podestplatz, den will ich wie- 
der», betonte Dario Cologna (33). 
Der Teamleader steigt in seinen be- 
reits 14. Weltcupwinter. Der vierfa- 
che Olympiasieger brennt auf den 
Vergleich mit der Konkurrenz. Nach 
einer mässigen Saison arbeitete er 
im Sommer konsequent an den Defi- 
ziten. Dies mit dem Ziel, wieder 
spritziger und endschneller zu wer- 
den. «Letzte Saison fehlte am Schluss 
der Rennen immer ein bisschen. Ein 
Podestplatz würde mir zeigen, dass 
ich auf dem richtigen Weg bin.» 
Training bei «Büxi» 
Der Allrounder drehte im Sommer- 
training an vielen Schräubchen, 
denn Stillstand bedeutet in der Re- 
gel Rückschritt. So schloss er sich im 
Krafttraining für spezielle Einheiten 
der Trainingsgruppe «Rotor» um 
Micha Eder und den ehemaligen Ski- 
rennfahrer Marco Büchel in Balzers 
an. Auch dem hoch intensiven As- 
pekt im Ausdauertraining schenkte 
er mehr Beachtung. Ein weiterer Hö- 
henblock kam hinzu. Dies mit Blick 
auf die Spiele 2022 in Peking, wo die 
Wettkämpfe auf der selben Meeres- 
höhe wie im Engadin stattfinden? 
«Ich nehme Winter für Winter», ant- 
wortete er. 
Cologna kam ohne Verletzungssor- 
gen durch den Sommer. Mehr noch: 
Die Problemzonen Reizhusten und 
Beschwerden an der Achillessehne 
wurden erfolgreich bekämpft. Der 
Disziplinenchef Hippolyt Kempf 
sprach beim Husten sogar von ei- 
nem Durchbruch – die aufstossende 
Magensäure soll am Ursprung des 
Hustens stehen, diese könne nun 
durch Säureblocker unterdrückt 
werden. Cologna klang weniger eu- 
phorisch. Ob er den Husten auch auf 
Weltcupniveau im Griff habe, werde 
sich erst noch zeigen. Bezüglich der 
Achillessehne sagte er: «Die Schmer- 
zen sind weg. Einfach so.» 
Knapp zwei Jahre nach dem vierten 
Sieg in der Tour de Ski, dem Olym- 
piagold in Pyeongchang und den 
Weltcupsiegen in Lenzerheide, See- 
feld um beim Fünfziger in Oslo bie- 
ten sich Cologna diesen Winter luk- 
rative Ziele. Die Tour de Ski mit dem 
Auftakt in Lenzerheide und die neu 
lancierte Ski Tour in Schweden zäh- 
len ebenso dazu wie der Weltcup vor 
der Haustür in Davos. 
Van der Graaff macht weiter 
Auch die Sprinterinnen und Sprinter 
dürfen sich diesen Winter austoben, 
sie erhalten im März in Nordamerika 
sogar eine eigene Tour. Dies freut 
insbesondere Laurien van der Graaff 
(32), die im Gegensatz zu Nathalie 
von Siebenthal (26) ihre Karriere 
fortsetzt. Ähnlich wie Cologna stieg 
auch Van der Graaff nach ihren Welt- 
cupsiegen im Olympiajahr mit Vor- 
schusslorbeeren in die WM-Saison 
2018/219 – und enttäuschte. Sie hatte 
nochmals härter trainiert als sonst, 
der Schuss ging nach hinten los. «Ich 
war nach der letzten Saison phy- 
sisch total ausgelaugt, stellte die 
Langlaufski in die Ecke und war 
während zwei Monaten einfach nur 
müde», erzählte sie. Die gebürtige 
Niederländerin wusste lange nicht, 
ob sie ihre Karriere fortsetzen soll. 
Erst im August bei Rollski-Wett- 
kämpfen stellte sie fest, «dass ich 
den Kampf Frau gegen Frau immer 
noch sehr mag». 
Aufstieg bestätigen 
Während Cologna und Van der 
Graaff also eine Scharte auszuwet- 
zen haben, will Nadine Fähndrich 
(24) ihren Aufstieg bestätigen. Sie 
lief an der WM in Seefeld über 10 km 
im klassischen Stil mit Einzelstart 
auf den tollen 5. Platz, zuvor hatte 
sie im italienischen Cogne in einem 
ordentlich, aber nicht topbesetzten 
Feld mit Platz 2 erstmals einen Po- 
destplatz geschafft. «Die Erwartun- 
gen sind hoch. Ich will besser sein 
als letztes Jahr», sagte Fähndrich. 
Die Luzernerin hatte im Weltcup 
über den Sprint Bekanntheit er- 
langt. Sie selber sieht sich als All- 
rounderin und hat entsprechend 
auch viel in ihre schwächeren Diszi- 
plinen investiert. (sda) 
Olympiasieger Dario Cologna geht in 
seine 13. Weltcupsaison. (Foto: Keystone) 
Die Weltcuptermine 
Frauen und Männer 
Kuusamo/Ruka (FIN) 29. Nov.–1. Dezember 
Lillehammer (NOR) 7./8. Dezember 
Davos (SUI) 14./15. Dezember 
Planica (SLO) 21./22. Dezember 
Lenzerheide (SUI/Tour de Ski) 28./29. Dezember 
Toblach (ITA/TdS) 31. Dezember/1. Januar 
Val di Fiemme (ITA/Tour de Ski) 3.–5. Januar 
Dresden (GER) 11./12. Januar 
Nove Mesto (CZE) 18./19. Januar 
Oberstdorf (GER) 25./26. Januar 
Falun (SWE) 8./9. Februar 
Östersund (SWE/Ski Tour) 15./16. Februar 
Are (SWE/Ski Tour) 18. Februar 
Storlien-Meraker (SWE/NOR/Ski Tour) 20. Februar 
Trondheim (NOR/Ski Tour) 22./23. Februar 
Lahti (FIN) 29. Februar/1. März 
Drammen (NOR) 4. März 
Oslo (NOR) 7./8. März 
Québec (CAN) 14./15. März 
Minneapolis (USA) 17. März 
Canmore (CAN) 20.–22. März 
Weltcupschlussklassements 2018/19 (32) 
Männer 
1. Johannes Hösflot Klaebo (NOR/Foto) 1717. 2. 
Alexander Bolschunow (RUS) 1617. 3. Sjur Röthe 
(NOR) 974. 
Frauen 
1. Ingvild Flugstad Östberg (NOR) 1654. 2. Nata- 
lia Neprjajewa (RUS) 1431. 3. Therese Johaug 
(NOR) 1322.
	        

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