Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2019)

Kulturhaus Rössle 
Kreative Mitmachaktion 
mit Judith Näscher 
Wer schon immer mal selbst 
künstlerisch tätig sein wollte 
oder schon seit Längerem 
kreativ tätig ist, der kommt 
voll auf seine Kosten. Dabei 
spielt es keine Rolle, ob man 
schon Vorkenntnisse mit- 
bringt oder nicht. Jede und 
jeder, egal ob Jung oder Alt, 
ist willkommen. Beginn in 
Mauren ist um 14 Uhr. 
Tangente, Eschen 
Solopiano: 
Maria Baptist 
Kü nstlerische Authentizitä t, 
Virtuositä t und ihre charis- 
matische Persö nlichkeit ha- 
ben sie an die Spitze der ak- 
tuellen europä ischen Jazz- 
szene gebracht. Beginn ist 
um 20.30 Uhr. 
Morgen 
Lawena Museum, Triesen 
«Elektrifizierung 
Liechtensteins» 
Die Ausstellung bietet eine 
eindrückliche Reise in die 
Vergangenheit und zeigt die 
enorme Entwicklung in der 
Strombeschaffung. 
Geöffnet von 13 bis 17 Uhr. 
Stein Egerta, Schaan 
Vernissage: «Offenheit – 
Offensein – Eröffnung» 
Mit ihrer Collagen-Malerei 
lädt die Künstlerin Barbara 
Walder zu einer Entde- 
ckungsreise in das Neue und 
Unbekannte, gebildet aus 
dem eigenen Selbst, ein. 
Beginn ist um 17 Uhr. 
«Der Eidechsenkönig» oder die Poesie 
von Einsamkeit und Erinnerung 
Vorpremiere Arno Oehris 
Spielfilmerstling «Der Ei- 
dechsenkönig» ist Kino für 
die intuitive Imagination des 
Betrachters – ein Poem über 
Entfremdung und die Mög- 
lichkeit der (Wieder-)Begeg- 
nung von Menschen. 
Die Weite und Kargheit des Schwei- 
zer Bergmassivs und des Ruggeller 
Industriegebiets kontrastieren mit 
den fast schon aufdringlich nahen 
Close-ups der Gesichter der beiden 
Protagonisten Klaus Henner Russius 
und Sandra Sieber. Aber egal, wie 
weit weg die Kamera geht oder wie 
nahe hin zu den Objekten ihrer Be- 
gierde – es bleibt immer ein Stück 
Rätselhaftigkeit und Fremdheit in 
den von der Linse untersuchten Ob- 
jekten, die vom Betrachter auf intui- 
tive Weise durchdrungen werden 
müssen. Der Plot von Arno Oehris 
Spielfilmerstling, der am Donners- 
tag am Vaduzer Filmfest seine gut 
besuchte Vorpremiere erlebte, ist 
rasch zusammengefasst: Ein zum 
Sterben durch einen Hirntumor ver- 
urteilter Hirnforscher versucht, auf 
einem letzten Gang zu seiner vor 
vielen Jahren von ihm entfremdeten 
Tochter eine Wiederaufnahme der 
abgerissenen Beziehung herzustel- 
len. Inwieweit ihm das gelingt, will 
der Film jedoch bewusst offenlas- 
sen, baut er doch auf die Kraft der 
Suggestion, dass eine innere Bezie- 
hung zwischen Vater und Tochter 
jenseits des Verstehens möglich ist. 
Reptilien der Vergangenheit 
«Der Eidechsenkönig» spielt be- 
wusst mit dem Clash der Tempi. Wie 
ein Dinosaurier aus der Vergangen- 
heit lurcht sich der todgeweihte 
Hirnforscher Wolfgang Morius 
(Klaus Henner Russius) in das tem- 
poreiche Leben seiner Tochter Ma- 
scha (Sandra Sieber), die in der 
Liechtensteiner Provinz ein Kultur- 
haus leitet und eigentlich weder Zeit 
noch Lust hat, ihrem alten Vater 
noch einmal zu begegnen, nachdem 
sie ihm vorwirft, sie und ihre Mutter 
vor vielen Jahren zugunsten einer 
russischen Frau namens Anna im 
Stich gelassen zu haben. Morius ver- 
sucht, Mascha zu erklären, dass An- 
na eine kurze Liebe war, die nie 
ganz erstarb, was seine Frau aus Ei- 
fersucht zum Vorwand nahm, ihn 
aus der Ehe zu verstossen und von 
der gemeinsamen Tochter fernzu- 
halten. Mascha kämpft innerlich mit 
ihrer Bindung an den verdrängten 
Vater und mit ihrer äusserlich de- 
monstrierten Abwehr. Ihre Gefühle 
verbirgt sie unter einer rauen und 
ruppigen Schale und dennoch wird 
sie durch ihre Träume in die innere 
Realität ihres Vaters hineingezogen. 
Auch Morius wird von der wieder- 
kehrenden Vision eines Chirurgen 
geplagt, der wie ein Engel seines na- 
henden Todes in seinen Träumen 
auftaucht. Traumwandlerisch 
durchstreift er in Liechtenstein die 
Rietlandschaft seiner Kindheit und 
sein verfallenes Elternhaus auf der 
Suche nach Erinnerungen aus der 
Vergangenheit. Eine alte Box mit Fo- 
tos seiner einstigen Liebe Anna löst 
ebenfalls emotionale Flashbacks 
aus. Während der todgeweihte Mori- 
us seine alten Emotionen bewusst 
wieder aufsucht, um sie ein letztes 
Mal zu betasten und zu untersu- 
chen, versucht Mascha, ihre Emotio- 
nen unter der harten Schale eines 
äusserlich betriebsamen Lebens un- 
ter Verschluss zu halten. Bei beiden 
Protagonisten brechen sich die Emo- 
tionen Bahn, aber es bleibt offen, ob 
diese Gefühle noch eine aktuelle Le- 
bensberechtigung haben oder eher 
verspätete Sentimentalität darstel- 
len. Der Film gipfelt in der Schlüssel- 
szene, in der Morius seiner Tochter 
das russische Märchen von der «Ei- 
dechsenkönigin» bzw. «Malachitkö- 
nigin» vorliest, eine Geschichte, die 
die Treue eines Bergmanns zu sei- 
ner Braut über die Verlockungen ei- 
nes reichen Lebens stellt. Es ist wohl 
dieses Festhalten an der Existenzbe- 
rechtigung von Emotionen, die der 
Film in langsamen Einstellungen zu 
ergründen sucht, ein poetisches 
Statement, das ohne Worte Fragen 
stellt, auf die der Zuschauer auch 
nur eine intuitive und emotionale 
Antwort geben kann, die nicht ver- 
balisiert zu werden braucht. «Der 
Eidechsenkönig» von Arno Oehri ist 
ein sehenswerter Spielfilmerstling, 
der nun seinen Weg zu internationa- 
len Filmfestivals sucht.   (jm) 
Premiere von «Der Eidechsenkönig»: Arno Oehri, Sandra Sieber und Klaus Henner Russius (von links). Scannen Sie das 
Foto mit der «Xtend»-App, um den Trailer des Films zu sehen. (Foto: Paul J. Trummer) 
null 
SAMSTAG 
24. AUGUST 2019 
Heute 
Morgen ein Film aus Griechenland 
Filmfest Vaduz Einen waschechten Kostümfilm hätte man vom griechischen Regisseur 
Yorgos Lanthimos kaum erwartet, doch sein neustes Werk ist weniger gediegen als wahnsin- 
nig. Ein bitterböser, brillanter Film. Der Film läuft morgen Sonntag um 20.30 Uhr. 
Der englische Hof im frühen 18. Jahr- 
hundert. Nominell regiert Königin 
Anne (Olivia Colman) das Königreich, 
doch die Regentin schlägt sich mit al- 
lerlei Krankheiten rum und beschäf- 
tigt sich lieber mit ihrer bunten Gale- 
rie Hasen, als mit den Streitigkeiten 
zu Hof und vor allem der Aussenpoli- 
tik. So ist es ihre Hofdame Lady Sa- 
rah Churchill (Rachel Weisz), Gattin 
von Lord Marlborough (Mark Gatiss), 
seines Zeichens Kommandant der 
britischen Armee und in einen Krieg 
mit Frankreich verwickelt ist, die An- 
ne einflüstert und manipuliert. 
Diese Position wird durch die Ankunft 
ihrer Kusine Abigail Hill (Emma Stone) 
gefährdet. Einst ebenfalls eine Lady, 
die durch die Spielschulden ihres 
Mannes in Ungnade fiel, versteht es 
Abigail ausgezeichnet, das Vertrauen 
der Königin zu gewinnen. Bald hat sie 
Sarah als Vertraute – und als Geliebte 
– ersetzt und versucht nun, ihre eige- 
nen Interessen durchzusetzen. Doch 
auch Harley (Nicholas Hoult), der An- 
führer der Torys, die eine liberalere 
Politik verfolgen als ihre Gegner, die 
Whigs, versucht via Abigail die Ge- 
schicke des Staates zu beeinflussen. 
Erstaunlicherweise sind weite Teile 
der Handlung von Yorgos Lanthimos 
Drama «The Favourite» historisch 
belegt, die Intrigen am Hof von Kö- 
nigen Anne, auch die Rolle ihrer 
Hofdamen Sarah Churchill (direkte 
Vorfahrin des legendären Winston) 
und Abigail Hill, die erbittert um 
den Einfluss auf die Königin stritten. 
Alles ist belegt, bis auf die lesbi- 
schen Beziehungen, über die ge- 
munkelt wurde, für die es aber kei- 
nerlei Belege gibt. 
Wie schon in Filmen wie «Dogtooth» 
und «The Lobster» geht es auch hier 
um Machtspiele und Manipulatio- 
nen, die bei aller historischen Dis- 
tanz jedoch fraglos auch als Spiegel- 
bild der Gegenwart fungieren sollen. 
Bezüge zu den Absurditäten der 
Trump-Administration mag man 
ebenso finden wie solche zu den 
Oberflächlichkeiten der Schönen 
und Reichen, denen in der moder- 
nen Medienwelt viel zu viel Auf- 
merksamkeit zuteil wird.   (eps) 
«The Favorit» 
 Was: Ein Historienfilm von Yorgos Lanthimos. 
 Wann: Sonntag, den 25. August, 20.30 Uhr 
 Wo: Filmfest, Vaduz 
 Weitere Informationen: www.filmfest.li 
Nach dem Film 
«The Favourite» 
aus Griechenland 
schliesst das Film- 
fest 2019 für dieses 
Jahr den Vorhang.  
(Foto: ZVG) 
Onassis 
Events 
2019 
Music 
Onassis 
Events 
2019 
Films 
In Zusammenarbeit mit: 
The Favourite (von Yorgos Lanthimos) 
Intrigen und Irrsinn am englischen Königshaus: 
Drei Frauen liefern sich einen Kampf um Macht, 
Gunst und Zuneigung (10 Oscar-Nominierungen) 
Morgen,Sonntag,25.August2019.20.30.Eintrittfrei. 
ANZEIGE www.volksblatt.li
	        

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