Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2019)

FREITAG 
17. MAI 
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Liechtensteiner 
geben am meisten 
für Gesundheit aus 
Statistik Die öffentliche 
Hand, Versicherungen und 
Private geben in Liechten- 
stein im Vergleich zu den 
anderen deutschsprachigen 
Ländern am meisten für die 
Gesundheit aus. 
VON DANIELA FRITZ 
Einmal mehr spiegeln sich die Ent- 
wicklungen auf dem liechtensteinsi- 
chen Gesundheitsmarkt in den blan- 
ken Zahlen wider. So zeigt die ges- 
tern veröffentlichte Gesundheitsver- 
sorgungsstatistik, dass nach einer 
kurzfristigen Zunahme nach der Er- 
öffnung der Medicnova Privatklinik 
im Jahr 2017 wieder weniger Spital- 
betten zur Verfügung stehen. Da- 
mals gab es statt 60 plötzlich 91 Bet- 
ten, im vergangenen Jahr waren es 
nur mehr 39. Das liegt auch deutlich 
unter der Kapazität der Vorjahre, 
was sich durch das Projekt «Futura» 
am Landesspital erklären lässt. In 
diesem Rahmen wurden Bettenstati- 
onen zusammengelegt. 
Auffallend ist auch, dass die chirur- 
gischen Eingriffe am Landesspital 
nach markanten Rückgängen wieder 
gestiegen sind. 2017 brachen diese – 
je nach Fachrichtung – um bis zu 
86,7 Prozent (Gefässchirurgie) ein. 
Das Amt für Statistik begründet dies 
zumindest zum Teil mit der Medi- 
cnova. 2018 wurden nun wieder 822 
Operationen am Landesspital durch- 
geführt, eine Steigerung um 7,2 Pro- 
zent. Der grösste Zuwachs (+41,3 
Prozent) war bei traumatologischen 
und orthopädischen Eingriffen zu 
beobachten. 
Ausgaben im Ländervergleich 
Spannend ist die Gesundheitsversor- 
gungsstatistik aber vor allem auch 
wegen der Ausgaben, welche die öf- 
fentliche Hand, Versicherungen und 
die privaten Haushalte für Gesund- 
heitsleistungen – vom Arztbesuch 
bis hin zum Pflasterkauf – tätigen. 
Wie das Amt für Statistik aber er- 
klärt, liegen für das Jahr 2018 noch 
keine Daten der schweizerischen 
Stellen vor, weshalb auch für Liech- 
tenstein noch keine aktuellen Be- 
rechnungen durchgeführt werden 
konnten. Die Zahlen würden später 
nachgeliefert. 
Ein Vergleich lässt sich allerdings 
trotzdem anstellen, da in anderen 
Ländern die aktuellsten Zahlen eben- 
falls aus 2017 stammen. Für aussage- 
kräftigere Ergebnisse werden die 
Ausgaben in die fiktive Währung 
Kaufkraftstandards (KKS) umgerech- 
net. So geht das Amt für Statistik da- 
von aus, dass in Liechtenstein pro 
Kopf 5428 KKS für die Gesundheit 
aufgewendet wurden – mehr als in 
der Schweiz (5271). In Deutschland 
(4129) liegen die Ausgaben pro Kopf 
ähnlich hoch wie in Luxemburg 
(4053), während sie in Österreich 
(3825) deutlich geringer sind. 
Der Grossteil der Kosten wird in al- 
len Ländern von der öffentlichen 
Hand und den obligatorischen Versi- 
cherungen getragen, wobei die 
Selbstzahlungen der Haushalte in 
Liechtenstein (24,3 Prozent) und der 
Schweiz (29,6 Prozent) am höchsten 
sind. Relativ viel Geld wird in Liech- 
tenstein für Zusatzversicherungen 
ausgegeben (13,3 Prozent), während 
es in der Schweiz nur 7,6 Prozent 
sind. Das liegt daran, dass in Liech- 
tenstein zwei von drei eine halbpri- 
vate oder private Versicherung abge- 
schlossen haben, während sich in 
der Schweiz nur jeder Vierte eine 
Zusatzversicherung leistet. In den 
anderen Ländern wird nochmals 
deutlich weniger dafür ausgegeben. 
Gesundheitsausgaben im Ländervergleich 
Ausgaben von Land, Gemeinden, Versicherungen und privaten Haushalten im Vergleich (in KKS*) 
*Die fiktive Währung Kaufkraftstandard macht internationale Vergleiche aussagekräftiger. Quelle: Gesundheitsversorgungsstatistik; Grafik: df 
Gesundheitsausgaben 
umfassen alle  Kosten 
für Dienstleistungen 
und   Güter,  die  den   
Gesundheitszustand   
der Menschen  erhalten,   
verbessern  oder  eine   
Verschlechterung   
verhindern – also vom 
Arztbesuch bis hin zur 
Kopfwehtablette. 
Österreich Luxemburg Deutschland Schweiz Liechtenstein 
5428 
5271 
4129 
4053 
3825 
Klimastreikurlaub 
SVP kritisiert neue 
Absenzregelung 
ST. GALLEN Im Kanton St. Gallen müs- 
sen Schülerinnen und Schüler nicht 
mehr mit unentschuldigten Absen- 
zen rechnen, wenn sie an einem Kli- 
mastreik teilnehmen. Die SVP-Frakti- 
on fordert vom SVP-Bildungsdirek- 
tor, diese Praxis umgehend zu stop- 
pen. Die kantonale Rektorenkonfe- 
renz der Mittelschulen des Kantons 
St. Gallen habe beschlossen, dass 
Teilnehmende an den Klimastreiks in 
Zukunft ein Urlaubsgesuch eingeben 
könnten, schreibt die SVP in ihrem 
Communiqué vom Donnerstag. Der 
entfallene Schulunterricht müsse da- 
nach in selbstorganisiertem Lernen 
kompensiert werden. Ein solches 
Vorgehen lehnt die SVP-Fraktion ab. 
Sie fordert das Bildungsdepartement 
und vor allem Regierungsrat Stefan 
Kölliker auf, «dieses Gebaren unver- 
züglich zu stoppen». Es könne nicht 
sein, dass das Fernbleiben vom Un- 
terricht an Mittelschulen für eine 
Teilnahme an Streiks bewilligt und 
damit unterstützt werde.   (sda) 
Faszination «Untertag» 
90 Kilometer 
Stollen im Gonzen 
SARGANS Vom 28. bis 30. Juni feiert 
das grösste Besucherbergwerk der 
Schweiz den Beginn des industriel- 
len Erzabbaus vor 100 Jahren. Am 
Donnerstag informierten die Verant- 
wortlichen in Sargans über das Gon- 
zen-Fest. Die Besucherinnen und Be- 
sucher des Festes im ehemaligen Ei- 
senbergwerk erwartet ein vielseiti- 
ges Programm: Grubenfahrten mit 
dem Gonzen-Express, musikalische 
Unterhaltung im Stollenbahnhof und 
Wein vom bergwerkseigenen Wein- 
gut. Das Bergwerk mit rund 90 Kilo- 
meter Stollen und Strecken ist ein 
Kulturgut von nationaler Bedeutung. 
Am 16. Mai 1919 schlug am Gonzen in 
Sargans die Geburtsstunde des mo- 
dernen Erzabbaus, die Eisenberg- 
werk Gonzen AG (EGAG) wurde ge- 
gründet. Der Erzabbau erlebte seine 
Blütezeit während des Zweiten Welt- 
kriegs. Bis zu 380 Beschäftigte fan- 
den im Gonzenbergwerk ihr Ein- 
kommen. Nach dem Krieg purzelten 
die Preise, und die Gonzenerze hät- 
ten dem internationalen Wettbewerb 
nicht mehr standhalten können. 
1966 musste das Gonzenbergwerk 
stillgelegt werden. Zehn Jahre später 
übernahm Willi Eugster die Ge- 
schäftsleitung und eröffnete 1983 im 
alten Stollenlabyrinth ein Besucher- 
bergwerk. Seither entdecken jährlich 
rund 10 000 Besucher den einstigen 
Arbeitsalltag im Stollen.   (sda) 
«Es ist höchste Zeit» 
Raumentwicklung Die Stiftung Zukunft.li hat mit ihrer neusten Studie aufgezeigt, dass in Sachen Raumplanung Handlungs- 
bedarf besteht. Das sehen anerkannte Experten aus Feldkirch und St. Gallen genauso – und nehmen Liechtenstein in die Pfl icht. 
VON HERIBERT BECK 
«Seit 
wir unsere Studie 
«Raumentwicklung 
Liechtenstein – Gestal- 
ten statt nur gesche- 
hen lassen»  Ende März präsentiert 
haben, hat Studienleiter Peter Beck 
bereits rund 20 Vorträge zum The- 
ma gehalten. Dies zeigt uns, dass 
das Interesse sehr gross ist. Ein 
Neustart in der Raumentwicklung 
ist nötig und nur regional und nicht 
national möglich», sagte Peter Ei- 
senhut, der Präsident der Stiftung 
Zukunft.li. Die Stiftung hat daher 
eine Veranstaltung unter dem Titel 
«Wie wirken wir?» organisiert und 
Experten eingeladen, diese Frage 
zu beantworten. 
«Es wird eng und immer enger» 
«Unsere Wohnzonen reichen für 
144 000 Einwohner und damit min- 
destens für die kommenden 100 Jah- 
re aus und obwohl das Siedlungsge- 
biet nur elf Prozent der Landesflä- 
che ausmacht, sind die Wohnzonen 
innerhalb von 30 Jahren um fünf 
Quadratkilometer gewaschen. Das 
ist etwa anderthalb Mal die Fläche 
der Gemeinde Schellenberg», sagte 
Peter Beck zur Einleitung der Refe- 
rate. Dennoch herrsche seit 17 Jah- 
ren, seit der deutlichen Ablehnung 
des Raumplanungsgesetzes, politi- 
scher Stillstand. Auch wenn in der 
Raumplanung Gemeindeautonomie 
herrsche, sei eine landesweite Visi- 
on dringend nötig. Und Raumpla- 
nung sei auch Verkehrsplanung. 
«Ohne Massnahmen wird es diesbe- 
züglich eng und immer enger. Einfa- 
che Lösungen gibt es aber nicht und 
Entscheidungen wirken sich erst 
nach Jahrzehnten aus. Deshalb müs- 
sen wir die Problematik heute ange- 
hen.» 
«Innovativere Nachbarn» 
Die in die Ausarbeitung der Studie 
involvierte Anne Brandl, Professorin 
an der Universität Liechtenstein, 
hielt fest: «Die Liechtensteiner Sied- 
lungsentwicklung ist eine Zersied- 
lungsentwicklung. Obwohl die be- 
wohnbare Fläche sehr begrenzt ist, 
agieren wir, als ob sie unendlich vor- 
handen wäre.» Die auch im europäi- 
schen Vergleich starke Zersiedlung 
und die relativ weiten Wege trügen 
dazu bei, dass Liechtenstein das 
Land mit der höchsten Autodichte 
des Kontinents ist. «Der Wert der 
Landschaft für die Lebens- und 
Standortqualität wird zu wenig er- 
kannt und die Raumplanung darf 
keine Summe aus Einzelteilen sein. 
Unsere Nachbarn sind hier wesent- 
lich innovativer und das Bewusst- 
sein dafür ist in der dortigen Bevöl- 
kerung viel stärker vorhanden.» 
Feldkircher Agenda ist voll 
«Die Feldkircher nutzen das Auto 
deutlich weniger als vor 16 Jahren», 
sagte Stadtbaumeister Gabor Möd- 
lagl. «Im Jahr 2003 hat die Stadt an- 
gefangen, Massnahmen zur Eindäm- 
mung des motorisierten Individual- 
verkehrs zu treffen. Dennoch nimmt 
der Verkehr an der Bärenkreuzung 
stetig zu.» Verantwortlich sei nicht 
zuletzt die Zahl der Pendler und des 
Lkw-Verkehrs mit Liechtenstein als 
Ziel. Feldkirch investiere daher viel 
in Studien und Massnahmenpläne 
sowie den Dialog mit der Liechten- 
steiner Regierung und den Unterlän- 
der Gemeinden. «Wir planen derzeit 
220 Massnahmen. Unsere Agenda ist 
also voll und wir würden uns freu- 
en, wenn Liechtenstein diesem Bei- 
spiel folgen würde.» 
«Jahrhundertprojekt FL–A–CH» 
«In der Region stehen wir alle vor 
den gleichen Herausforderungen 
und Problemen, die Herangehens- 
weise ist aber eine komplett ande- 
re», sagte Ueli Strauss, ehemaliger 
Leiter des Amts für Raumplanung 
des Kantons St. Gallen. Die Schweiz 
habe in der jüngsten Vergangenheit 
Quantensprünge gemacht. Verdich- 
tung der Bauzonen nach innen, eine 
Konzentration auf urbane Räume 
und ein gut funktionierender öffent- 
licher Verkehr stärkten die Freiräu- 
me für künftige Generationen. «Wel- 
che Strategie hat aber Liechtenstein? 
Ich kenne sie jedenfalls nicht. Bei 
uns greift die Regierung steuernd 
ein und in Liechtenstein herrscht 
keine Abstimmung der Zonenpläne 
untereinander.» Liechtenstein brau- 
che ebenfalls eine enkeltaugliche 
Strategie. Einen ersten Lösungsan- 
satz in der regionalen Verkehrspro- 
blematik sieht Strauss auf jeden Fall 
in der S-Bahn FL–A–CH. «Eine Ableh- 
nung des Projekts wäre eine Katast- 
rophe. Das Zeitfenster für dieses 
Jahrhundertprojekt ist jetzt offen. 
Nutzen Sie die Chance.» 
«Chance, Pionierland zu werden» 
Bei der anschliessenden Podiums- 
diskussion strich Anne Brandl dann 
doch noch einige Stärken Liechten- 
steins heraus. «Ich glaube, die Krea- 
tivität der Bevölkerung und die vie- 
len Ideen sind eine grosse Chance. 
Die kurzen Wege zwischen den Be- 
hörden und dass die Leute sich ken- 
nen, sind fantastische Voraussetzun- 
gen dafür, um doch noch ein Pio- 
nierland in Europa zu werden. Es ist 
aber höchste Zeit, zu handeln. Der 
point of no return ist schon fast er- 
reicht.»   
Von links: Ueli Strauss, Gabor Mödlagl, Anne Brandl, Thomas Lorenz, Peter Beck. (Foto: ZVG/Paul Trummer)
	        

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