Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2019)

DONNERSTAG 
18. APRIL 
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Schwerpunkt Neues aus Vaduz 
Tempo 30 beim Mühleholz 
Verkehrssicherheit Nicht 
nur ein Fahrverbot auf dem 
Rheindamm soll die Sicher- 
heit von Fussgängern und 
Radfahrern verbessern. Va- 
duz führt auf der Schaaner- 
strasse beim Mühleholz auch 
Tempo 30 ein. 
VON DANIELA FRITZ 
Die Schaanerstrasse zählt – neben 
dem Rheindamm beispielsweise – zu 
einer der wichtigsten Radrouten des 
Landes. Im Bereich zwischen Mini- 
golfweg und Schwimmbadweg nut- 
zen vor allem in den Sommermona- 
ten auch noch zahlreiche Fussgän- 
ger die Strasse, um ins Freibad Müh- 
leholz zu kommen. Die Gemeinde 
Vaduz will deshalb die Sicherheit er- 
höhen und den Verkehr beruhigen. 
Im Verkehrsrichtplan ist diesbezüg- 
lich vorgesehen, die Höchstge- 
schwindigkeit von 40 auf 30 Kilome- 
ter pro Stunde zu senken. In der 
zweitletzten Sitzung seiner Amtspe- 
riode am 26. März beschäftigte sich 
der Gemeinderat mit der Thematik. 
Nicht nur während Badesaison 
Ein Gemeinderat regte an, die Ge- 
schwindigkeit nur während der Ba- 
desaison zu beschränken, da einige 
Gewerbebetriebe angesiedelt sind. 
Prinzipiell wäre dies gemäss Proto- 
koll zwar möglich, wie Abklärungen 
beim Amt für Bau und Infrastruktur 
ergeben haben. Weil die Schaaner- 
strasse im Radroutenkonzept 2014 
als Hauptradroute des Landes ausge- 
wiesen wird, rät die Arbeitsgruppe 
von einer temporären Geschwindig- 
keitsbegrenzung ab. Der Gemeinde- 
rat folgte dieser Empfehlung und ge- 
nehmigte Tempo 30 zwischen 
Schwimmbadweg und Minigolfweg. 
Verkehrsingenieure haben im Auf- 
trag der Gemeinde Vaduz zuvor di- 
verse Umsetzungsvarianten in der 
Schaanerstrasse ausgearbeitet. Als 
beste Lösung hat sich gemäss Proto- 
koll die Variante eines «horizontalen 
Versatzes mit Fussgängerstreifen he- 
rausgestellt». An den drei Fussgän- 
gerübergängen auf diesem Abschnitt 
wird auf beiden Seiten die Fahrbahn 
eingeengt, sodass zwei Autos nicht 
mehr aneinander vorbeikommen. 
Ausserdem soll die Beleuchtung ver- 
bessert werden. Dadurch wird die 
Sicht auf Fussgänger erhöht und die 
Distanz zwischen den beiden Stras- 
senseiten verkürzt. Die dafür nöti- 
gen Aufwendungen seien bereits im 
Budget für 2019/20 enthalten. 
Einen Termin für die Einführung 
von Tempo 30 gibt es noch nicht. Zu- 
nächst müssen noch detaillierte Pla- 
nungen durchgeführt werden und 
dem Land zur Genehmigung vorge- 
legt werden. Wie es auf Anfrage bei 
der Gemeinde hiess, soll voraus- 
sichtlich nach der Badesaison mit 
den Arbeiten begonnen werden. 
Bald soll auf der Schaanerstrasse beim Freibad Tempo 30 gelten. (Symbolfoto: SSI) 
Deponie «Im Rain» 
Erweiterung ist 
umweltverträglich 
VADUZ Auf der Deponie «Im Rain» 
wird der Platz knapp. Nun kann end- 
lich mit der dritten Ausbauetappe be- 
gonnen werden. Die Regierung erteil- 
te dafür bereits vor fünf Jahren grünes 
Licht, der positive Bescheid zur Um- 
weltverträglichkeitsprüfung (UVP) 
wurde aber von der Liechtensteini- 
schen Gesellschaft für Umweltschutz 
(LGU) angefochten. Vaduz musste er- 
gänzende Berichte einreichen und be- 
kam nun nochmals grünes Licht – da- 
gegen wurde keine Beschwerde mehr 
erhoben. «Damit wird die Regierungs- 
entscheidung über die Umweltver- 
träglichkeit rechtskräftig und es endet 
ein jahrelanger Rechtsstreit», heisst es 
im Protokoll der Gemeinderatssitzung 
vom 26. März. Weil es aber bis zur Re- 
alisierung der dritten Ausbauetappe 
eine Übergangslösung braucht, soll 
nun vorübergehend an der Westflan- 
ke Platz für unverschmutzten Aushub 
geschaffen werden. Der Vaduzer Ge- 
meinderat genehmigte dafür 650 000 
Franken.   (df) 
Zu wenig Platz auf dem Rheindamm 
Studie Mit der Sperrung 
des Rheindamms will Vaduz 
mehr Platz und damit mehr 
Sicherheit für die Radfahrer 
schaffen. Der VCL begrüsst 
die Offensive der Gemeinde. 
VON SILVIA BÖHLER 
Im 
Verkehrsrichtplan 2017 der 
Gemeinde Vaduz sind 29 Mass- 
nahmen aufgeführt, die zur Ver- 
besserung der Verkehrssituation 
in der Gemeinde beitragen sollen. 
Zum einen sind dies Massnahmen 
zur Parksituation, zur Verkehrsbe- 
ruhigung, oder auch zur Förderung 
des öff entlichen Verkehrs sowie des 
Langsamverkehrs. «Schritt für Schritt 
haben wir die verschiedenen Teilpro- 
jekte umgesetzt, so wie es unsere Auf- 
gabe ist», betont Bürgermeister Ewald 
Ospelt. Das sei auch im Fall der Rhein- 
dammsperrung passiert. 
Rheindamm als Hauptradroute 
Der Rheindamm stellt als überregio- 
nale Nord-Süd-Achse eine Hauptrad- 
route im Alltagsverkehr dar, so sieht 
es das Radroutenkonzept Liechten- 
stein vor. Diese Route soll deshalb 
einheitlich, durchgängig und kon- 
fliktfrei sein. 
«Im Bereich zwischen Lettstrasse 
und Obere Rüttegasse stellte sich 
deshalb die Frage, wie die Ziele, den 
Fuss- und Radverkehr aufzuwerten, 
sowie die Konflikte zwischen moto- 
risiertem und langsamem Verkehr 
beseitigt werden können», erklärte 
Alexander Kuhn, Mitarbeiter des Bü- 
ros Verkehrsingenieure in Eschen, 
gestern in Vaduz. In einer Studie 
wurden der Ist-Zustand und vorhan- 
dene Verkehrsdaten erfasst sowie 
sieben Varianten zur Verbesserung 
der Verkehrssituation untersucht. 
«Täglich sind rund 900 Pkws auf 
dem Rheindamm unterwegs», so 
Kuhn. Eine teilweise oder komplette 
Sperrung würde den Verkehr auf die 
dafür vorgesehenen Strassen füh- 
ren, wo für Autofahrer, Radfahrer 
und Fussgänger zudem separate Be- 
reiche vorgesehen seien. Erhebliche 
Defizite ortet Kuhn nämlich in der 
Breite des Rheindamms. Im Bereich 
Lettstrasse bis Lochgass beträgt der 
Querschnitt zwischen 4,25 und 5,25 
Meter, beim Stadion 6 Meter, von 
der Lochgass bis Obere Rüttigasse 
sind es 3,50 bis 4 Meter. Je nach Ab- 
schnitt sind Begegnungen der Ver- 
kehrsteilnehmer nur mit reduzierter 
Geschwindigkeit oder gar nicht mög- 
lich. Weil ein Ausbau des Rhein- 
damms jedoch mit hohen Kosten 
verbunden und auch schwer umzu- 
setzen sei, empfehlen die Experten 
im Sinne des Fuss- und Radverkehrs 
die Sperrung des Rheindamms für 
den motorisierten Verkehr. «Im Hin- 
blick auf die Kosten-Nutzen-Rech- 
nung und unter Berücksichtigung al- 
ler Aspekte wird aus verkehrsplane- 
rischer Sicht die Komplettsperrung 
des Rheindamms für Autos und Mo- 
torradfahrer empfohlen», so Kuhn. 
Sollten nur Teilsperren realisierbar 
sein, müsste gemäss den Experten 
der Bereich Obere Rüttigasse ausge- 
baut, zwischen Lochgass und Obere 
Rüttigasse gesperrt und der Bereich 
von der Lettstrasse bis Lochgasse 
mit Tempo 30 versehen werden. 
Georg Sele: «Sicherheit geht vor» 
Der Autoverkehr nimmt überhand, 
ist Georg Sele, Präsident des Ver- 
kehrs-Clubs Liechtenstein (VCL), 
überzeugt und begrüsst deshalb die 
Offensive der Gemeinde Vaduz. Lan- 
desweit würden lediglich 3 bis 5 Pro- 
zent der Wege mit dem Fahrrad be- 
wältigt. Die Hälfte der Autowege 
würden zudem unter fünf Kilometer 
betragen. «Das sind Distanzen, die 
man gut mit dem Fahrrad bewältigen 
kann», appellierte Sele. Er ist aber 
zuversichtlich, dass sich mit dem 
Ausbau des Angebots auch die An- 
zahl der Fahrradfahrer zunehme. 
Aktuell messe die Energiebrücke in 
Schaan rund 600 Radfahrer täglich, 
Sele rechnet etwa mit ähnlichen Zah- 
len für die Radbrücke Vaduz-Buchs. 
Denn die grösste Zahl der Einpend- 
ler nach Vaduz (etwa 1300 Personen) 
komme aus dem Bezirk Werdenberg. 
«Ausserdem schafft ein Angebot 
auch Nachfrage», sagt Sele und ist 
überzeugt, dass künftig noch mehr 
Radfahrer auf dem Rheindamm un- 
terwegs sind. Ihm liegt aber auch die 
Sicherheit der Radfahrer am Herzen: 
«Wollen die Politiker nicht eines Ta- 
ges auf eine Beerdigung gehen, muss 
der Rheindamm für Autos und Mo- 
torräder gesperrt werden.» 
Von links: Georg Sele, Alexander Kuhn, Manfred Bischof, Ewald Ospelt, Patrick Wille, Andreas Büchel. (Foto: Michael Zanghellini) 
«Es gibt Alternativen für Radfahrer» 
Widerstand Rund um Markus Schädler hat sich eine Gruppe formiert, die sich für einen 
off enen Rheindamm einsetzen will. Wenn notwendig, bis zur letzten Instanz. 
VON SILVIA BÖHLER 
Die vielen Rückmeldungen in den 
sozialen Medien sowie persönliche 
Gespräche haben Markus Schädler 
dazu animiert, aktiv zu werden. 
«Warum soll etwas, das seit 20 Jah- 
ren funktioniert, verändert wer- 
den», fragt er sich gemeinsam mit 
weiteren 340 Bürgern. So viele un- 
terstützten nämlich mit ihrer Unter- 
schrift die Petition für einen offe- 
nen Rheindamm. Gestern legten 
fünf Unterstützer ihre Argumente 
dar: Für Velofahrer gebe es zahlrei- 
che Alternativen, um auszuwei- 
chen, mit der Schliessung des Rhein- 
damms werde jedoch den Autofahr- 
ern die letzte Ausweichstrecke ge- 
nommen. «Die Sperrung ist unver- 
hältnismässig», betonte Karlheinz 
Ospelt. Als er noch Bürgermeister 
von Vaduz war, sei die Bevölkerung 
miteinbezogen und der Verkehrs- 
richtplan zur Abstimmung vorge- 
legt worden. 
Entscheidung im stillen Kämmerlein 
Es hagelte aber nicht nur Kritik an 
der Kommunikation, sondern der 
Rheindamm sei auch heute noch  als 
Sammelstrasse ausgewiesen. «Im 
stillen Kämmerlein hat der Gemein- 
derat, ohne die Bevölkerung zu in- 
formieren, gegen ihren eigenen 
Richtplan verstossen. Das ist un- 
haltbar», so Karlheinz Ospelt. Des- 
halb habe man sich kurzfristig zur 
Petition entschlossen, die – sollten 
die Gemeinderäte nicht darauf re- 
agieren – auch als Referendum gel- 
ten soll. Der amtierende Bürger- 
meister Ewald Ospelt sieht den Be- 
schluss allerdings nicht als referen- 
dumsfähig an. Für diesen Fall ha- 
ben die Petitionäre gleich eine wei- 
tere Drohung parat. In ihrem Schrei- 
ben an die Gemeinderäte und den 
Bürgermeister heisst es: «Jedenfalls 
wird die Sache juristisch bis zur 
letzten Instanz ausgefochten, sollte 
der Gemeinderat eine Volksabstim- 
mung trotz dieses Referendums ver- 
hindern wollen.» 
Brachten ihre Anliegen vor, von links: Franz Wachter, Ernst Walser, Carmen 
Tischler, Markus Schädler, Hans-Rudi Sele und Karlheinz Ospelt. (Foto: MZ)
	        

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