Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

  Inland | 9 
MITTWOCH 
23. JANUAR 2013 
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Die Modernität 
eines Klassikers 
MAUREN Morgen Donnerstag, den 24. 
Januar, referiert Jochen-Ulrich Pe- 
ters, Emeritierter Professor für Slavi- 
sche Philologie an der Philosophi- 
schen Fakultät der Universität Zü- 
rich, um 15.15 Uhr in der Aula der 
Primarschule Mauren. Das Thema 
lautet: «Die Modernität eines Klassi- 
kers: I.S. Turgenjews ‹Väter und Söh- 
ne› als provozierender Zeit- und Fa- 
milienroman.» Turgenjews 1862 er- 
schienener zeitkritischer Roman 
«Väter und Söhne» trägt – wörtlich 
übersetzt – den Titel «Väter und Kin- 
der». Ausgehend von dieser präzise- 
ren Übersetzung des Romantitels 
soll danach gefragt werden, inwie- 
weit sich der so stark auf die sozial- 
politischen Debatten des 19. Jahr- 
hunderts ausgerichtete Roman auch 
auf unsere eigene Zeit beziehen 
lässt. Dabei lässt sich zeigen, dass 
sich Turgenjews klassischer Zeit- 
und Gesellschaftsroman durchaus 
als auch noch heute erstaunlich mo- 
derner Familienroman lesen lässt. 
Denn bereits in ihm werden die tief- 
greifenden Verständnis- und Kom- 
munikationsprobleme thematisiert, 
die seit Kafka, Thomas Mann oder 
Thomas Bernhard auch noch die Li- 
teratur des 20. und 21. Jahrhunderts 
bestimmen. Abschliessend soll Tur- 
genjews Roman der 40 Jahre später 
entstandenen Erzählung von Anton 
Tschechow «Die Dame mit dem 
Hündchen» gegenübergestellt wer- 
den, die nicht nur durch ihr offenes 
Ende noch deutlicher auf Literatur 
und Kultur der Moderne voraus- 
weist. In ihr stehen die noch von 
Turgenjew respektierten bezie- 
hungsweise idealisierten Institutio- 
nen der Familie nicht länger einer 
freieren und intensiveren Liebesbe- 
ziehung entgegen, deren Möglichkei- 
ten und Gefährdungen von Tsche- 
chow eher angedeutet als in allen 
Einzelheiten beschrieben werden. 
Im Anschluss an die Vorlesung be- 
steht die Gelegenheit zur Diskussi- 
on. Sowohl Senioren als auch Inter- 
essierte jeden Alters sind willkom- 
men. Der Einzeleintritt ohne Hörer- 
ausweis des Senioren-Kolleges kostet 
zehn Franken. (pd) 
Weitere Informationen zu den Vorträgen 
im Internet auf www.senioren-kolleg.li. 
www.kleininserate.li 
Sozialer Wohnbau für Roma wird weiter gefördert 
Humanitäres Liechtenstein 
unterstützt ein Projekt der 
Internationalen Flüchtlings- 
und Migrationshilfe (IFMH) 
im Rahmen der IHZE mit 
rund 280 000 Franken. 
Dies gab das Ausländer- und Pass- 
amt am Dienstag bekannt. Die Be- 
hörde verwaltet die IFMH-Gelder, 
überdies wird sie die Umsetzung des 
Projektes beobachten und evaluie- 
ren. Bei diesem handelt es sich um 
die Fortsetzung eines bereits mit 
Budgetmitteln des vergangenen Jah- 
res unterstützten Projekts zur För- 
derung des sozialen Wohnbaus für 
die Angehörigen der Roma-Volks- 
gruppe in Bosnien-Herzegowina (das 
«Volksblatt» berichtete). Ein grosser 
Teil der rund 100 000 Roma lebt, so 
heisst es in der Medienmitteilung 
weiter, in kleinen Siedlungen auf 
dem Land, wo sie besser vor der Dis- 
kriminierung durch die Mehrheits- 
bevölkerung geschützt sind, jedoch 
unter teils prekären hygienischen 
Bedingungen zu leiden haben. 
Zusammen mit den staatlichen Stel- 
len Bosnien-Herzegowinas engagiert 
sich Caritas Schweiz daher seit Jah- 
ren in der Förderung des sozialen 
Wohnbaus. Die dabei zur Anwen- 
dung kommenden Richtlinien für die 
baulichen Minimalstandards sehen 
angesichts der schwierigen sozialen 
Situation der Roma-Familien eine 
durchwegs schlüsselfertige Bauweise 
vor. Für die Auswahl der Begünstig- 
ten geben die Richtlinien vor, dass 
die Gemeinde und deren Sozialzent- 
rum sowie lokale Vertreter der Ro- 
ma-Gemeinschaft in der Auswahl- 
kommission vertreten sind. 
Insgesamt sollen die Gelder aus 
Liechtenstein zur Sanierung oder 
zum Neubau von 37 Wohneinheiten 
in drei Gemeinden beitragen. 
Landwirtschaft als Lebensmodell 
Ein weiteres Ziel des Projekts ist die 
Integration einzelner Familien in 
das von Liechtenstein ebenfalls ge- 
förderte Landwirtschaftsprogramm 
von Caritas Schweiz. Dieses offeriert 
wirtschaftlich schlecht gestellten 
Familien oder Familien ohne gere- 
geltes Einkommen einen Kleinkredit 
in Form von Setzlingen, Werkzeug 
und Dünger für den Anbau von Him- 
beeren oder Brombeeren. «Die 
Kleinproduzenten erhalten Bera- 
tung und die Abnahme der Beeren 
ist vertraglich zugesichert», heisst es 
weiter. Bereits mit einem kleinen 
Stück Land von 0,2 Hektaren könne 
dabei ein durchschnittliches bosni- 
sches Monatseinkommen von umge- 
rechnet rund 300 Franken erwirt- 
schaftet werden. (red/ikr) 
Familienhilfe: Gemeinde Balzers 
entwickelt ihr eigenes Modell 
Zusammenarbeit Die Familienhilfe Balzers hat sich der Fusion «Familienhilfe Liechtenstein» nicht angeschlossen, sondern 
will sich mit dem Alters- und Pflegeheim Schlossgarten (APH) vernetzen. Die Synergien sollen stärker ausgebaut werden. 
VON SILVIA BÖHLER 
Die 
Gemeinde Balzers hat 
für die älteren Dorfb ewoh- 
ner vorgesorgt, sind sich 
Karin Negele, Präsiden- 
tin der Familienhilfe Balzers, und 
Walter Nobel, Heimleiter vom Al- 
ters- und Pfl egeheim Schlossgarten, 
einig. Vor über drei Jahren haben 
sich nämlich die Gemeinde, das APH 
Schlossgarten, die Familienhilfe Bal- 
zers, Ärzte und andere im Gesund- 
heitsbereich Tätige zusammenge- 
funden, um das Thema «Wohnen im 
Alter in Balzers» eingehend zu ana- 
lysieren. «Dabei hat sich klar gezeigt, 
dass eine engere Zusammenarbeit 
zwischen häuslicher und stationärer 
Betreuung und Pfl ege dem Bedürfnis 
der Bevölkerung entspricht und ein 
ganzheitliches Konzept nötig ist», 
erklärt Walter Nobel gegenüber dem 
«Volksblatt». 
Zukunftsweisendes Modell 
Mit dem Projekt «Lebensraum 
Schlossgarten» wurde das Anliegen 
eines vernetzten Angebots mit einer 
zentralen Anlaufstelle aufgenom- 
men und weiterentwickelt. Die Fra- 
gen, die sich in der Projektarbeit 
stellten: Was bieten wir für ältere 
Menschen in Balzers an? Welche Un- 
terstützung benötigen Menschen 
mit Behinderung oder Familien in 
einer Notlage? Wie kann eine ambu- 
lante und stationäre Betreuung und 
Pflege optimiert und vernetzt wer- 
den? «Die Menschen sollen sich im 
Dorf wohlfühlen», betont die Präsi- 
dentin der Familienhilfe. In mehr- 
jähriger Zusammenarbeit habe man 
ein zukunftsweisendes Modell ent- 
wickelt, das die Organisationen ver- 
binde und viele Synergien schaffe. 
«Es gibt verschiedene Wege, sich 
den Herausforderungen der Zukunft 
zu stellen. Das Balzner Projekt ist ei- 
ne Alternative zur landesweiten Fu- 
sion, beide Projekte haben ihre Be- 
rechtigung», stellen Karin Negele 
und Walter Nobel klar. 
Zentrale und flexible Mitarbeiter 
Angedacht ist eine neue Organisati- 
onsform, die im Dorf eine zentrale 
Anlaufstelle für Hilfesuchende bie- 
tet. «Wir legen Augenmerk auf eine 
umfassende Beratung, die den Rat- 
suchenden alle Möglichkeiten auf- 
zeigt und die Entscheidung erleich- 
tert, welchen Weg sie gehen möch- 
ten», so Nobel. Weiter sollen die Ar- 
beitskräfte der ambulanten und sta- 
tionären Betreuung und Pflege koor- 
diniert und vernetzt werden. «Im 
APH Schlossgarten und in der Fami- 
lienhilfe Balzers arbeiten gut ausge- 
bildete und engagierte Pflege- und 
Betreuungsfachkräfte, hier eröffnet 
sich ein grosses Potential an Wissen 
und Erfahrung», so Negele. Derzeit 
beschäftigt die Familienhilfe 6 Per- 
sonen in der Pflege und 16 Personen 
in der Betreuung. Man werde  künf- 
tig mit einem kleinen Pool übergrei- 
fend einsetzbarer Mitarbeiterinnen 
arbeiten und somit grössere Flexibi- 
lität und Auslastung erreichen. Dies 
beinhaltet bei Bedarf einen Ausbau 
der Betreuung an Abend- und Rand- 
zeiten sowie an Wochenenden und 
Feiertagen. «Wir wollen dieselben 
Dienstleistungen anbieten wie ande- 
re Gemeinden auch», betonen Nege- 
le und Nobel. Ein weiteres Ziel der 
Zusammenarbeit ist es, Synergien in 
der Administration zu nutzen. 
Grössten Wert lege man auch auf die 
Aus- und Weiterbildung der Mitar- 
beiter, um künftigen Herausforde- 
rungen zu entsprechen. 
Steigender Bedarf an Betreuung 
Im vergangenen Jahr wurde die Fa- 
milienhilfe Balzers rund 240 Mal um 
Hilfe gebeten. 150 Eintritte gab es im 
Bereich Betreuung, 90 Eintritte in 
der Pflege. «Wir sind uns bewusst, 
dass  der Bedarf an Pflege und Be- 
treuung in den nächsten Jahren so- 
wohl quantitativ als auch qualitativ 
steigen wird», sind sich Nobel und 
Negele einig und zeigen sich über- 
zeugt, in Zusammenarbeit diese An- 
forderungen bewältigen zu können. 
Mahlzeitendienst oder Blutdruckkontrolle: Die Familienhilfe übernimmt zahlreiche Aufgaben. (Foto: SSI)
	        

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