Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

  Inland | 3 
DONNERSTAG 
17. JANUAR 2013 
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Kommentar 
Herablassend und 
verunglimpfend: 
Der Stil der VU 
Es 
gehört zu den Regeln des 
Journalismus, dass Informa- 
tionen vor der Veröffentli- 
chung verifiziert werden 
und Personen, die eventuell negativ 
betroffen sind, das Recht auf Stel- 
lungnahme eingeräumt wird. Exakt 
diese Regeln hat das «Volksblatt» in 
der Causa «VU-Geheimverträge» be- 
folgt. Nach der am vergangenen 
Freitag erhaltenen Information über 
die mögliche Existenz von vertrauli- 
chen Papieren räumte das «Volks- 
blatt» der VU-Spitze eine Frist von 
zweieinhalb Tagen ein, um vier Fra- 
gen zu beantworten. 
Das Ergebnis ist bekannt: Anstatt 
diese Fragen zu beantworten und 
der Bevölkerung reinen Wein einzu- 
schenken, unterstellte die VU dem 
«Volksblatt» am Montag den Straftat- 
bestand der Nötigung. Nach der vom 
VU-Präsident mehrmals geäusserten 
Forderung nach Zensur kam diese 
erneut fragwürdige Definition von 
Journalismus und Pressefreiheit 
nicht ganz überraschend. 
VU fordert Recherchen 
Geradezu skurril muten allerdings 
die jüngsten Aussagen des VU-Re- 
gierungsratskandidaten Marcus 
Rick an: Dieser behauptete im 
gestrigen «Vaterland» allen Ernstes, 
das «Volksblatt» hätte besser re- 
cherchieren sollen. «Spätestens hier 
hätte FBP-Reporter Benvenuti nach- 
haken müssen», forderte Rick am 
Mittwoch. Diesselbe Partei, die eine 
Anfrage mit zweieinhalbtägiger 
Frist als Nötigung bezeichnet und 
absichtlich nicht beantwortet, be- 
klagt sich also darüber, dass nicht 
nachgefragt wurde? 
Dazu kommt, dass die Äusserungen 
des VU-Kandidaten Rick nicht der 
Wahrheit entsprechen: Tatsächlich 
hatte das «Volksblatt» just am Vor- 
tag ihn und seine Kollegen Zwiefel- 
hofer und Amann-Marxer um eine 
Stellungnahme zum viel zitierten 
Plan B bei einer Wahlniederlage an- 
gefragt. Einen Tag später lag von 
keinem der VU-Regierungskandida- 
ten eine Antwort vor – ausser jener 
von Marlies Amann-Marxer, die sich 
jedoch nur herablassend darüber 
äusserte, überhaupt eine Anfrage 
erhalten zu haben. Ist das der «faire 
Stil», mit dem die VU in Zukunft zu 
regieren gedenkt? 
mbenvenuti@volksblatt.li 
MICHAEL BENVENUTI 
VU-Regierungsratskandidat Rick 
verschweigt «Volksblatt»-Anfrage 
Falschaussage Die VU reagiert immer verzweifelter auf die «Volksblatt»-Recherchen zu den Verträgen für die Regierungs- 
kandidaten Zwiefelhofer, Amann-Marxer und Rick. Letzterer hat im «Vaterland» sogar eine «Volksblatt»-Anfrage verschwiegen. 
VON MICHAEL BENVENUTI 
«Er 
hat mir, wie euch 
vermutlich auch, ein 
Ultimatum gestellt. 
Erst wollte ich ihm sa- 
gen, ich habe Besseres zu tun, dann 
hab ich entschieden, ihn zu igno- 
rieren. LG, Marlies.» Dieses Mail er- 
reichte am Dienstag um 18.35 Uhr die 
«Volksblatt»-Redaktion, Absenderin 
war die VU-Regierungsratskandida- 
tin Marlies Amann-Marxer. Adressiert 
war es auch an VU-Präsident Jakob 
Büchel sowie die VU-Regierungs- 
kandidaten Thomas Zwiefelhofer 
und Marcus Rick. Im Betreff  schrieb 
Amann-Marxer, wohl in Anspielung 
auf den Namen des «Volksblatt»-Po- 
litikchefs, «ben-will-tutti». Um 18.41 
Uhr trudelte dann folgende elektro- 
nische Nachricht von Amann-Marxer 
beim «Volksblatt» ein: «Hoppla, 
falscher Verteiler :), aber wen interes- 
siert das schon ...» 
Der Auslöser für diese eigenartigen 
Mails von Amann-Marxer war eine 
erneute «Volksblatt»-Anfrage zu den 
kolportierten Geheimverträgen für 
das VU-Regierungsteam. Seit Tagen 
sind die vertraulichen Papiere und 
die verzweifelten Dementi der VU 
das bestimmende Thema im Wahl- 
kampf. Alles begann mit einem kur- 
zen Telefonat vergangenen Freitag: 
Freitag, 11. Januar 2013, 16.15 Uhr: 
Ein zuverlässiger Informant meldet 
sich beim «Volksblatt» und berich- 
tet, dass es bei der VU – anders als 
von Parteipräsident Jakob Büchel 
mehrmals behauptet – sehr wohl Ab- 
sprachen und Verträge mit den Re- 
gierungskandidaten im Falle einer 
VU-Wahlniederlage gebe. 
Freitag, 11. Januar, 16.39 Uhr: Das 
«Volksblatt» konfrontiert VU-Präsi- 
dent Büchel per Mail mit den Aussa- 
gen des Informanten und stellt fol- 
gende Frage: «Können Sie mir bestä- 
tigen, dass solche Papiere bzw. Ver- 
träge existieren?» 
Freitag, 11. Januar, 17.12 Uhr: Das 
«Volksblatt» wendet sich erneut per 
Mail an Jakob Büchel und bittet ihn 
höflichst, innerhalb von zweieinhalb 
Tagen vier Fragen zu beantworten. 
Sollte er dies nicht tun, kontaktiere 
das «Volksblatt» direkt die drei VU- 
Regierungskandidaten und veröf- 
fentliche die Informationen ohne 
Rechtfertigung des VU-Präsidenten. 
Sonntag, 13. Januar, 23.10 Uhr: VU- 
Präsident Büchel lässt dem «Volks- 
blatt» einen offenen Brief zukom- 
men. Darin beklagt er sich, dass das 
«Volksblatt» die Regeln eines fairen 
Wahlkampfes verletze. Gleichzeitig 
gibt er aber zu, dass «das Präsidium 
der Vaterländischen Union (...) wie 
üblich Vorkehrungen getroffen» hat, 
«damit sich die zuständigen Partei- 
gremien, der Parteivorstand und der 
Parteitag, unmittelbar nach den 
Wahlen unter Berücksichtigung des 
Wahlergebnisses mit den Vorschlä- 
gen des Präsidiums zu den Funktio- 
nen der gewählten Mandatare befas- 
sen können». 
Montag, 14. Januar: Das «Vaterland» 
wirft der FBP und dem «Volksblatt» 
wegen der am Freitag gestellten Fra- 
gen «Nötigung» vor. Etwas versteckt 
folgt das Geständnis der VU eben- 
falls im «Vaterland»: «Die VU-Partei- 
leitung hat dafür alle notwendigen 
Vorkehrungen getroffen und für die 
in diesem Zusammenhang geführ- 
ten vertraulichen Gespräche auch 
interne Papiere zur Vorbereitung 
der Anträge an die VU-Parteigremi- 
en erstellt.» 
Dienstag, 15. Januar, 17.27 Uhr: Das 
«Volksblatt» wendet sich wie ange- 
kündigt per Mail persönlich an die 
VU-Regierungskandidaten Zwiefel- 
hofer, Rick und Amann-Marxer und 
bittet höflichst um die Beantwor- 
tung von sechs Fragen zum Thema 
«Geheimverträge». 
Dienstag, 15. Januar, 18.35 Uhr: Das 
erste Antwortmail von Amann-Mar- 
xer trifft ein, sechs Minuten später 
das zweite. 
Mittwoch, 16. Januar: Obwohl er am 
Vortag vom «Volksblatt» mit sechs 
Fragen konfrontiert wurde, behaup- 
tet VU-Regierungsratskandidat Mar- 
cus Rick im «Vaterland», er sei vom 
«Volksblatt» nie um eine Stellung- 
nahme gebeten worden: «Mit Ver- 
laub, es gibt nichts, wofür wir uns 
vor einem Herrn Benvenuti rechtfer- 
tigen müssten. Er darf dies aber al- 
lenfalls mir gegenüber tun, da er 
mich nicht persönlich zur Stellung- 
nahme zu dem mich betreffenden 
Punkt eingeladen hat.» Aber auch er 
bestätigt die Informationen des 
«Volksblatts»: «Fakt ist, dass das VU- 
Präsidium mit den Regierungskandi- 
daten eine Verständigung hat, was 
man den VU-Parteigremien für den 
Fall einer Wahlniederlage vorzu- 
schlagen gedenkt. Dass man einen 
solchen Plan B hat, ist logisch.» 
Mittwoch, 16. Januar, 18 Uhr: Die 
drei VU-Regierungskandidaten ha- 
ben die sechs «Volksblatt»-Fragen 
noch immer nicht beantwortet, 
Amann-Marxer hat sich für die Ver- 
unglimpfung «ben-will-tutti» noch 
nicht entschuldigt. 
Dienstag, 15. Januar, 18.35 Uhr: VU-Regierungsratskandidatin Marlies Amann- 
Marxer beantwortet die höfl ich formulierte «Volksblatt»-Anfrage. 
Dienstag, 15. Januar, 17.27 Uhr: Das «Volksblatt» wendet sich per Mail an die 
VU-Regierungskandidaten Zwiefelhofer, Rick und Amann-Marxer. 
Während VU-Präsident Jakob Büchel eine «Volksblatt»-Anfrage mit zweieinhalbtägiger Frist als «Nötigung» bezeichnete, 
warf VU-Regierungsratskandidat Marcus Rick (rechts) dem «Volksblatt» fehlende Recherche vor. (Foto: Michael Zanghellini)
	        

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