Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

MITTWOCH 
16. JANUAR 2013 
11 Wirtschaft 
Pressekonferenz 
Jahreswirtschaftsbericht 
wird in Berlin erläutert 
Der deutsche Bundeswirt- 
schaftsminister Rösler hält in 
Berlin eine Pressekonferenz 
zum Jahreswirtschaftsbericht 
2013 der Bundesregierung ab. 
Es werden Journalisten aus 
ganz Deutschland erwartet. 
Heute 
Zahlen aus Deutschland 
Wirtschaft wuchs 
2012 schwächer 
BERLIN/WIESBADEN Die deutsche 
Wirtschaft ist 2012 nach zwei 
Boomjahren deutlich schwächer 
gewachsen und musste der 
Schuldenkrise Tribut zollen. Das 
Bruttoinlandsprodukt stieg nur 
um 0,7 Prozent, wie das Statisti- 
sche Bundesamt am Dienstag 
mitteilte. 2011 hatte es ein Plus 
von 3,0 Prozent gegeben und 
2010 sogar von 4,2 Prozent. 2012 
machte den Unternehmen nicht 
nur die Flaute in der Eurozone 
zu schaffen. Auch in anderen 
wichtigen Absatzmärkten in der 
ganzen Welt wie China, Indien 
und Brasilien lief die Konjunktur 
im vergangenen Jahr nicht mehr 
so rund. Das bremste vor allem 
im Schlussquartal 2012 das Ge- 
schäft der deutschen Exporteure 
und damit auch die gesamte 
Wirtschaftskraft. (sda/reuters) 
US-Detailhandel 
Steigerung war 
stärker als erwartet 
WASHINGTON Die US-Detailhänd- 
ler haben ihren Umsatz im De- 
zember unerwartet kräftig gestei- 
gert. Der Handel hatte 0,5 Pro- 
zent mehr in den Kassen als im 
Vormonat, wie das Handelsminis- 
terium am Dienstag in Washing- 
ton mitteilte. Auch der Vormonat 
lief besser als erwartet: Im No- 
vember wurden die Umsätze um 
0,4 Prozent gesteigert. In einer 
ersten Schätzung war nur ein 
Plus von 0,3 Prozent veran- 
schlagt worden. Klammert man 
den Autobereich, Tankstellen 
und Baumaterialien aus, ergab 
sich im Dezember für den soge- 
nannten Kernumsatz ein Plus 
von 0,6 Prozent. Diese zweite 
Steigerung im Kernumsatz in Fol- 
ge deutet daraufhin, dass die pri- 
vaten Konsumausgaben im vier- 
ten Quartal zugelegt haben dürf- 
ten. (sda/reuters) 
Goldman Sachs 
Fortschritte bei 
Krise festgestellt 
ZÜRICH Die amerikanische Invest- 
mentbank Goldman Sachs sieht 
erste Fortschritte bei der Bewälti- 
gung der Eurokrise. Dennoch ge- 
hen die Bankökonomen davon 
aus, dass sich die Währungsunion 
weiter «durchwurstelt». Es gebe 
erste bemerkenswerte strukturel- 
le Veränderungen zu beobachten, 
sagte Goldman-Sachs-Ökonom 
Dirk Schumacher während einer 
Konferenz der Grossbank am 
Dienstag in Zürich. Zudem habe 
die Europäische Zentralbank mit 
ihren Anleihenkäufen die Lage 
stabilisiert. Dies sei notwendig ge- 
wesen, reiche aber noch nicht 
aus: «Wir sind noch nicht am En- 
de des Weges angelangt.» «Re- 
formmüdigkeit» sei ein grosses 
politisches Risiko. Die Bevölke- 
rung in Krisenländern sei der Ver- 
suchung ausgesetzt, den Euro für 
die Probleme verantwortlich zu 
machen. (sda) 
www.volksblatt.li 
Visite Im Rahmen von 
Tschütschers Arbeitsbesuch 
in Österreich wurde die 
bewährte Partnerschaft 
Liechtenstein-Österreich 
hervorgehoben. 
Beide Politiker betonten in ihrem Ar- 
beitsgespräch, dass der Innovations- 
kraft einer Region im heutigen wirt- 
schaftlichen Umfeld und dem harten 
globalen Wettbewerb entscheidende 
Bedeutung zukommt. Sowohl Regie- 
rungschef Klaus Tschütscher als 
auch Vizekanzler Michael Spindeleg- 
ger waren sich einig, dass die guten 
Bedingungen an den Arbeitsplätzen 
zu einer sehr hohen Arbeitszufrie- 
denheit führen: «In Österreich und 
Liechtenstein wird nicht nur über In- 
novation gesprochen, sondern es 
werden viele zukunftsgerichtete Ide- 
en auch wirklich konkret umge- 
setzt.» Das Fürstentum Liechtenstein 
ist das höchst industrialisierte Land 
Europas und der Warenexport ist ein 
wesentlicher Bestandteil der Liech- 
tensteiner Wirtschaft. Österreich ist 
nach der Schweiz, Deutschland und 
den USA eines der wichtigsten Ex- 
portländer. So betrug das Exportvo- 
lumen nach Österreich 2010 etwa 
390 Millionen Schweizer Franken. 
Umgekehrt ist Liechtenstein für Ös- 
terreich von grosser Bedeutung, zu- 
mal das Fürstentum Liechtenstein 
knapp 35 000 Arbeitsplätze bietet. 
Verhandlungen vor dem Abschluss 
«Internationale Steuerkonformität 
gehört zu den gelebten Rahmenbe- 
dingungen unserer Steuerpolitik. Ich 
bin der Überzeugung, dass die natio- 
nale Steuersouveränität unbedingt 
erhalten werden muss, grenzüber- 
schreitend aber Steuerkooperationen 
eingegangen werden müssen, um die 
Chancen eines vereinten und offenen 
Europas zu nutzen»: Regierungschef 
Klaus Tschütscher betonte bei sei- 
nem Arbeitsgespräch mit Finanzmi- 
nisterin Fekter die klaren Eckpunkte 
der Liechtensteiner Steuerpolitik. 
Sowohl Ministerin Fekter als auch 
Regierungschef Klaus Tschütscher 
unterstrichen die starke Bindung, die 
zwischen den beiden Nachbarn be- 
steht und erinnerten auch an die en- 
gen Wirtschaftsbeziehungen zwi- 
schen Liechtenstein und Österreich. 
«Unser Steuergesetz ist zu 100 Pro- 
zent EU-kompatibel. Das ist für unse- 
re Industrie wichtig, da wir nur so, 
auch über dauerhafte Doppelbesteu- 
erungsabkommen, eine rechtliche 
und steuerliche Sicherheit bieten 
können. Deshalb freut es mich auch 
umso mehr, dass die Verhandlungen 
über ein Doppelbesteuerungs- und 
Abgeltungssteuerabkommen mit Ös- 
terreich kurz vor dem Abschluss ste- 
hen. Der Fahrplan steht. Wir wollen 
das gemeinsame Steuerpaket schon 
bald unterzeichnen können», erläu- 
terte Regierungschef Klaus Tschüt- 
scher nach seinem Treffen mit Fi- 
nanzministerin Fekter im österrei- 
chischen Finanzministerium. 
Gemeinsam und gezielt handeln 
In einem weiteren politischen Ge- 
spräch traf sich Regierungschef 
Klaus Tschütscher mit Staatssekre- 
tär Reinhold Lopatka, der seit Sep- 
tember 2012 für die Bereiche euro- 
päische und internationale Angele- 
genheiten verantwortlich ist. Beide 
Politiker betonten, dass Frieden und 
Freiheit nicht selbstverständlich 
sind. «Vertrauen aufzubauen, braucht 
Jahrzehnte. Vertrauen zu enttäuschen, 
das geht über Nacht. Nur wenn wir 
gemeinsam und gezielt handeln, 
können wir greifbare Fortschritte 
für unsere Bürger erzielen», so Re- 
gierungschef Tschütscher.   (red/ikr) 
Tschütscher traf Vizekanzler Michael Spindelegger 
Regierungschef 
Tschütscher mit 
dem Vizekanzler 
und Aussenmi- 
nister Michael 
Spindeleg- 
ger. (Foto: ZVG) 
Fitch setzt USA 
und Spanien unter 
erheblichen Druck 
Herabstufung Die Ratingagentur Fitch hat die USA am 
Dienstag erneut vor einem Verlust ihrer Topbonität gewarnt. 
Spaniens Bonität steht indes kurz vor dem Ramschniveau. 
Zwar hätten die USA im Haushalts- 
streit Ende Dezember einen Kompro- 
miss erzielt. Der Streit über die An- 
hebung der Schuldenobergrenze 
berge aber erneut das Risiko einer 
Herabstufung. Fitch hatte die USA 
bereits im Dezember inmitten des 
erbittert geführten Haushaltsstreits 
damit konfrontiert, die Spitzennote 
«AAA» verlieren zu können. «Es ist 
beunruhigend, dass wir aufgrund 
dieser hausgemachten Krisen alle 
sechs Monate auf einen neuen Stich- 
tag zutaumeln», sagte Fitch-Experte 
David Riley. 
Am Montag hatten bereits US-Noten- 
bankchef Ben Bernanke und US- Prä- 
sident Barack Obama Alarm geschla- 
gen. Ein Staatsbankrott müsse ver- 
mieden werden, sagte Bernanke. Fi- 
nanzminister Timothy Geithner 
stiess ins gleiche Horn. Sollte die 
Schuldengrenze nicht angehoben 
werden, dann drohe der US-Wirt- 
schaft ein nicht wieder gutzuma- 
chender Schaden. Obama warnte vor 
einer neuen Wirtschaftskrise. Die 
USA stünden wieder vor einer Rezes- 
sion und Turbulenzen an den Fi- 
nanzmärkten, sollte die Schul- 
denobergrenze nicht angehoben 
werden. Er forderte die Republika- 
ner zu einem Kompromiss auf. Diese 
beharren allerdings darauf, ihre Zu- 
stimmung an eine Kürzung der Aus- 
gaben zu knüpfen. Als erste Agentur 
hat bereits Standard & Poor›s (S&P) 
den USA die Topbonität entzogen. 
Die dritte grosse Agentur Moody›s 
hat ebenfalls wiederholt mit dem 
Entzug der Bestnote gedroht. 
Druck auch auf Spanien 
Auch Spanien hat die Ratingagentur 
Fitch genau unter Beobachtung: Die 
Bonität Spaniens stehe auch ohne ei- 
ne Flucht unter den Euro-Rettungs- 
schirm auf der Kippe, hiess es am 
Dienstag. Die mangelnde Fähigkeit 
zum Abbau des Defizits, die hohen 
Kosten der Rekapitalisierung der 
Banken und vor allem die schwache 
Konjunktur seien als Abwärtsrisiken 
zu werten, teilte die Agentur mit. 
Fitch bewertet Spaniens Kreditwür- 
digkeit mit «BBB» und somit nur 
zwei Stufen über Ramschniveau. 
Zugleich ist die Bonität mit einem ne- 
gativen Ausblick versehen. Die EZB 
hat hoch verschuldeten Eurostaaten 
Stützungskäufe am Sekundärmarkt 
für Anleihen angeboten, falls sie un- 
ter den Rettungsschirm schlüpfen. 
Spanien hat diesen Schritt für die 
Zukunft nicht ausgeschlossen, sieht 
derzeit aber keine Notwendigkeit da- 
für. Ministerpräsident Mariano Ra- 
joy kommt bei seiner abwartenden 
Haltung zugute, dass sich die Lage 
am Markt nach den Turbulenzen im 
vorigen Jahr mittlerweile merklich 
beruhigt hat.   (sda/reuters) 
Umstritten und ohne Scheu vor Herabstufungen: Die Ratingagentur Fitch erhöht 
den Druck auf die USA und auf Spanien. (Foto: VMH) 
Ratingagentur Fitch 
Kleiner Bruder von 
Standard & Poor’s 
Fitch bewertet Unternehmen und Ban- 
ken nach ihren veröffentlichten Zahlen 
und beurteilt das Management wie auch 
Staatsanleihen. Fitch hat einen Marktan- 
teil von 15 Prozent. Sie ist die kleinste 
Agentur nach der Standard & Poor’s, die 
den Weltmarkt mit dominiert und 
Moody’s. Die Bewertung wird von den 
Auftraggebern bezahlt. Bei der Bewer- 
tung der Staatsanleihen kann normaler- 
weise keine Rechnung erstellt werden.
	        

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