Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

  Wirtschaft | 11 
FREITAG 
5. APRIL 2013 
Vekselbergs Renova interessiert 
sich auch für Schmolz+Bickenbach 
Stahlindustrie Der rus- 
sische Milliardär Viktor Vek- 
selberg erwägt einen Einstieg 
beim kriselnden Stahlkon- 
zern Schmolz+Bickenbach. 
Seine Investmentgesellschaft 
Renova ist an einem Beitrag 
zur Rekapitalisierung der 
Firma interessiert. 
Der 
Düsseldorfer Hauptak- 
tionär des Stahlkonzerns, 
die Schmolz+Bickenbach 
GmbH & Co. KG, habe mit 
Renova eine Exklusivvereinbarung 
über eine allfällige Beteiligung an der 
kapitalmässigen Restrukturierung 
vereinbart, teilte das Unternehmen 
am Donnerstag mit. Gespräche liefen 
aber auch mit anderen Investoren. 
Der Hauptaktionär bilde zusammen 
mit Renova eine Gruppe im Sinne des 
Börsengesetzes. Ihr Stimmrechtsan- 
teil beträgt 20,46 Prozent. Ab einem 
Anteil von einem Drittel müsste die 
Gruppe den restlichen Aktionären 
ein Übernahmeangebot unterbrei- 
ten. Weitere 20 Prozent kontrolliert 
die Schmolz+Bickenbach Gmbh & Co. 
KG durch einen Aktionärsbindungs- 
vertrag mit dem Investor Gerold 
Bütiker. Renova stand für Erläute- 
rungen nicht zur Verfügung. Man 
gebe keinen Kommentar ab, sagte 
Sprecher Rolf Schatzmann auf An- 
frage der sda. Der Finanzchef von 
Schmolz+Bickenbach, Hans-Jürgen 
Wiecha, erklärte der Nachrichten- 
agentur Reuters, «wir werden uns für 
einen oder zwei Investoren entschei- 
den, die das beste Angebot für das 
Unternehmen und für die bestehen- 
den Aktionäre unterbreiten.» 
Im Moment sehe es nach einer Kapi- 
talerhöhung mit Bezugsrechten für 
die bisherigen Aktionäre aus. Bis zur 
Generalversammlung im Juni sollen 
die Weichen gestellt sein. Nach Ein- 
schätzung von Analysten könnte 
Schmolz+Bickenbach auch Schulden 
in Aktien wandeln. 
Aktie legt zu 
Trotz der möglichen Kapitalverwäs- 
serung reagierte die Aktie von 
Schmolz+Bickenbach mit einem 
Kurssprung. Am Nachmittag stand 
der Titel 8,1 Prozent höher bei 2.55 
Franken. Vor einem Jahr hatte sie 
noch bei 6 Franken notiert. 
Schmolz+Bickenbach ist stark ver- 
schuldet und hatte im März mitge- 
teilt, die Vorbereitungen und Ver- 
handlungen zur Stärkung der Kapi- 
talbasis liefen. Die Generalver- 
sammlung wurde verschoben, um 
strategische Optionen prüfen zu 
können. Der Konzern schrieb letz- 
tes Jahr einen Verlust von 157,9 Mil- 
lionen Euro, weil die lahmende 
Konjunktur in Europa dem Unter- 
nehmen mit schweizerischen und 
deutschen Wurzeln einen Umsatz- 
rückgang bescherte. Zudem laste- 
ten Abschreibungen und Restruktu- 
rierungskosten auf dem Ergebnis. 
Mit den kreditgebenden Banken 
konnte sich das Unternehmen An- 
fang März auf eine Lockerung der 
Kreditvereinbarungen einigen. 
Für Renova wäre Schmolz+ 
Bickenbach ein weiteres Schweizer 
Unternehmen im Beteiligungsport- 
folio. Renova kontrolliert unter an- 
derem den Technologiekonzern OC 
Oerlikon – mit Niederlassungen in 
Balzers und Trübbach – und hält 
rund 31 Prozent am Industrieunter- 
nehmen Sulzer. In Russland ist die 
Gruppe von Viktor Vekselberg ins- 
besondere am russischen Alumini- 
umkonzern Rusal und am Ölkon- 
zern TNK-BP beteiligt. (sda) 
Neuestes Objekt der Begierde ist für Viktor Vekselberg und seine Renova der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach mit Sitz in Emmenbrücke im Kanton Luzern. (Foto: RM) 
Internet 
Google setzt sich 
bei Browsertechnik 
von Apple ab 
BERLIN Die Internetbrowser von 
Google und Apple werden künftig 
mit getrennten Herzen schlagen. 
Google kündigte an, die bisher ge- 
meinsam entwickelte Technik mit 
der Bezeichnung Webkit nicht wei- 
ter nutzen zu wollen. Stattdessen 
will Google auf dieser bisherigen 
Grundlage eine eigene neue Platt- 
form namens Blink entwickeln. 
Webkit ist eine sogenannte HTML- 
Rendering-Engine, die bestimmt, 
wie Internetinhalte von Browsern 
dargestellt werden. Es gibt mehrere 
solcher Bausteine für die verschie- 
denen Browser von Microsoft (Tri- 
dent für den Internet Explorer), Mo- 
zilla (Gecko für den Browser Fire- 
fox), Opera und eben Apple und 
Google (alle Webkit). Die Unter- 
schiede sind für Browseranwender 
kaum zu erkennen, müssen aber 
von Entwicklern insbesondere bei 
Web-Anwendungen beachtet wer- 
den. Die Entwicklung von Webkit 
hat ihre Wurzeln 2001 im Linux- 
Projekt KDE. Doch das gemeinsame 
Projekt sei über die Jahre zu aus- 
ufernd geworden, schrieb Program- 
mierer Adam Barth in einem Goog- 
le-Blog. Deswegen will Google im 
Alleingang eine schlankere und 
schnellere Version erstellen. Gleich 
zu Anfang sollen mehr als 7000 Da- 
teien aus dem Programmcode ge- 
löscht werden – mehr als 4,5 Mio. 
Zeilen Programmiersprache fielen 
dadurch weg. Das soll das Pro- 
gramm künftig stabiler und weni- 
ger fehleranfällig machen, schrieb 
Barth. Blink wird für das Software- 
Projekt Chromium entwickelt, das 
den Kern des Google-Browsers 
Chrome stellt. Opera will ebenfalls 
auf Googles Blink setzen. (sda/dpa) 
Weko vermutet Marktmissbrauch der Swisscom 
Fernsehen Die Wettbewerbshüter vermuten ein Foul der Swisscom an ihren Kabelnetzkonkurrenten bei der Übertragung von Live-Fussball- und -Eisho- 
ckeyspielen im Bezahl-TV: Es gebe Anzeichen für Kartellrechtsverstösse der Swisscom und der Cinetrade, die zu 49 Prozent der Swisscom gehört. 
Man habe Hinweise, dass die 
Swisscom und die Cinetrade mit ih- 
rer Tochter Teleclub bei der Über- 
tragung von Live-Sport im Bezahl- 
fernsehen marktbeherrschend seien 
und diese Stellung missbrauchten, 
teilte die Eidg. Wettbewerbskommis- 
sion (Weko) am Donnerstag in einem 
Communiqué mit. Deshalb habe die 
Weko jetzt eine Untersuchung eröff- 
net. Die Kino- und Pay-TV-Gruppe 
Cinetrade, die zu 49 Prozent der 
Swisscom gehört, hatte im vergange- 
nen Jahr unter anderem die Übertra- 
gungs- und Vermarktungsrechte für 
die obersten beiden Ligen der 
Schweizer Fussballmeisterschaft für 
mindestens 140 Millionen Franken 
gekauft. Auch die Rechte für die 
Spiele der Eishockeymeisterschaft 
liegen bei ihr. Das Nachsehen hatten 
die Kabelnetzbetreiber, deren Ver- 
band Swisscable gemeinsam mit der 
SRG ebenfalls um die Rechte gebo- 
ten hatte. 
Grosses Angebot 
Neben den Sportrechten besitzt die 
Cinetrade-Gruppe auch die Rechte 
für Tausende Kinofilme. Mit jährlich 
mehr als 3000 Live-Sportanlässen 
und über 5000 Filmen auf Abruf of- 
feriert die Swisscom gemäss eigenen 
Angaben eines der umfangreichsten 
Pay-TV-Angebote in Europa. 
Damit hat der «blaue Riese» einen 
mächtigen Trumpf im immer hitzi- 
geren Kampf mit den Kabelnetzbe- 
treibern und Sunrise um den Fern- 
sehzuschauer. Für Fussball- und Eis- 
hockeyfans ist Swisscom TV die ein- 
zige Wahl, um alle Spiele live zu se- 
hen. «Wir übertragen 180 Fussball- 
und 370 Eishockeyspiele der Schwei- 
zer Meisterschaften pro Saison», 
sagte Cinetrade-Verwaltungsrat und 
operativer Chef Wilfried Heinzel- 
mann auf Anfrage. Auch die Spiele 
der Deutschen Fussball-Bundesliga 
und der italienischen Serie A wer- 
den live übertragen. Und der Sender 
ESPN bietet American Football, Eis- 
hockey, Basketball und Baseball aus 
Nordamerika. Die Kabelnetzbetrei- 
ber und Sunrise können hingegen 
nur das Paket Teleclub Sport 1-3 aus- 
strahlen, das lediglich eine Auswahl 
an Live-Übertragungen von Schwei- 
zer Fussball- und Eishockeyspielen, 
von Partien der Deutschen Fussball- 
Bundesliga und der italienischen Se- 
rie A bietet. Und bei einem weiteren 
Angebot sind sie im Nachteil: Nur 
bei Swisscom TV können die Kun- 
den bestimmte Spiele ab 3.50 Fr. 
einzeln kaufen, ohne ein Sport-Zu- 
satzpaket abonniert haben zu müs- 
sen. 
Frage der Diskriminierung 
In der Untersuchung der Weko stehe 
die Frage im Vordergrund, ob die Ci- 
netrade der Swisscom TV-Konkur- 
renz bestimmte Angebote unge- 
rechtfertigterweise verweigere, er- 
klärte Weko-Direktor Rafael Coraz- 
za. Die Kabelnetzbetreiber bekla- 
gen, sie hätten gern das gleiche Tele- 
club-Angebot wie die Swisscom, sei- 
en aber bei Teleclub auf taube Ohren 
gestossen. Zudem untersucht die 
Weko, ob Cinetrade gewisse TV-An- 
bieter und Endkunden diskrimi- 
niert, indem das Teleclub-Angebot 
auf Swisscom TV günstiger ist als bei 
ihrer Konkurrenz, obwohl das Sport- 
programm auf Swisscom TV grösser 
ist. Teleclub diktiert laut Heinzel- 
mann den Kabelnetzbetreibern und 
Sunrise einen Endkundenpreis von 
39.90 Franken pro Monat für das Ba- 
sispaket, während Swisscom-Kun- 
den nur 29.90 Franken bezahlen. 
Mit dem Sportpaket müssen Kabel- 
netzkunden für ein kleineres Sport- 
programm insgesamt 7 Franken pro 
Monat mehr bezahlen als Swisscom 
TV-Kunden. 
Heinzelmann rechtfertigte die höhe- 
ren Preise für die Kabelnetzbetrei- 
ber und Sunrise mit den günstigeren 
Verbreitungskosten bei Swisscom 
TV. Schliesslich wolle die Weko klä- 
ren, ob eine unzulässige Koppelung 
vorliege, wenn Endkunden die 
Sportkanäle von Teleclub nur zu- 
sammen mit dem Basispaket bezie- 
hen können. 
Die Swisscom und Cinetrade sind 
sich keiner Schuld bewusst: Sie wür- 
den sich rechtmässig verhalten, teil- 
ten sie mit. Die hohen Investitionen 
von Swisscom und Cinetrade in die 
Sportrechte und Sportübertragun- 
gen rechtfertigten denn auch die teil- 
weise exklusive Ausstrahlung über 
Swisscom TV. Ohne Teilexklusivität 
könnten die Investitionen nicht in ge- 
nügendem Mass geschützt werden. 
Dagegen begrüssen die Kabelnetzbe- 
treiber, Sunrise und das Konsumen- 
tenforum kf die Weko-Untersuchung: 
«Die Monopolisierung von Sportin- 
halten ist inakzeptabel», schreibt der 
Kabelnetzverband Swisscable. (sda) 
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Die Weko  vermutet, dass 
die Swisscom und die 
Cinetrade mit ihrer Tochter 
Teleclub bei der Übertra- 
gung von Live-Sport im 
Bezahlfernsehen markt- 
beherrschend seien und 
diese Stellung missbrauch- 
ten. (Foto: Keystone) 
Google geht eigene Wege. (Foto: Key)
	        

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