Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

DONNERSTAG 
28. MÄRZ 2013 
17 Wirtschaft 
Telekommunikation 
Blick in die Bücher 
Der Mobilfunkanbieter Oran- 
ge stellt heute vor den Medi- 
en sein Jahresergebnis vor. 
Heute 
Eurozone 
Wirtschaftsklima 
trübt sich ein 
BRÜSSEL Rückschlag für die rezes- 
sionsgeplagte Eurozone: Das 
Wirtschaftsklima in der Wäh- 
rungsunion trübte sich im März 
wieder ein. Damit endete eine 
Serie von vier Anstiegen in Folge. 
Das Barometer für das Wirt- 
schaftsklima rutschte um 1,1 auf 
90,0 Punkte ab, wie die EU-Kom- 
mission mitteilte. Von der Nach- 
richtenagentur Reuters befragte 
Ökonomen hatten lediglich einen 
Rückgang auf 90,4 Zähler erwar- 
tet. Es ist die erste Erhebung in 
der Eurozone seit der Eskalation 
der Zypern-Krise. (sda) 
Konjunktur 
Barometer zeigt 
Stabilisierung an 
ZÜRICH Das Konjunkturbarometer 
der Konjunkturforschungsstelle 
der ETH Zürich (KOF) ist im März 
zum sechsten Mal in Folge gesun- 
ken und zwar von revidiert 1,04 
auf 0,99 Punkte. Immerhin deutet 
das gemäss KOF eine Stabilisie- 
rung an. Das Bruttoinlandsprodukt 
dürfte auch in den kommenden 
Monaten wachsen. Das KOF-Kon- 
junkturbarometer will die Ent- 
wicklung um ein bis zwei Quarta- 
le im Voraus anzeigen. (sda) 
www.volksblatt.li 
Wie das «Volksblatt» bereits berichtete, haben die USA eine informelle Anfrage an Liechtenstein gestellt. (Foto: Michael Zanghellini) 
Liechtenstein soll US-Steuerfahndern 
helfen – Auch die Schweiz im Visier 
Auskunft Die USA wollen mit einer informellen Anfrage im Fürstentum Liechtenstein weiteren US-Steuerbetrügern auf die 
Schliche kommen. Die Anfrage könnte auch Schweizer Banken tangieren. 
Das amerikanische Justizdeparte- 
ment richtete die Anfrage an die 
liechtensteinische Stabsstelle für in- 
ternationale Finanzplatzagenden 
(SIFA), welche für die Umsetzung 
der Finanzplatzstrategie der Regie- 
rung in Vaduz verantwortlich ist 
(das «Volksblatt» berichtete am 
Dienstag). Die zuständigen Staatsan- 
wälte aus New York wünschen von 
der SIFA statistische Angaben über 
die Anzahl von US-Kunden, die über 
bestimmte liechtensteinische Treu- 
händer Stiftungen und Anstalten im 
Fürstentum gründeten, wie SIFA- 
Leiterin Katja Gey auf Anfrage der 
Nachrichtenagentur SDA erklärte. 
Rolle ausländischer Banken 
Betroffen seien etwa 20 Treuhand- 
unternehmen, ein kleiner Teil der 
Branche. Die gewünschten Informa- 
tionen könnten den Amerikanern 
dabei helfen, ein allfälliges formelles 
Amtshilfeersuchen einzugrenzen. 
Ins Visier der US-Justiz könnten in 
der Folge nicht nur amerikanische 
Steuersünder geraten, sondern auch 
ausländische Banken, die im Fürs- 
tentum Vermögensstrukturen auf- 
bauten. Betroffen sein könnten 
Schweizer Banken, aber auch solche 
in anderen Ländern. «Ich teile die In- 
terpretation nicht, dass diese Aktion 
spezifisch gegen die Schweiz gerich- 
tet ist», sagte SIFA-Leiterin Gey zu 
Medienberichten. Und ganz klar ge- 
he es nicht um eine Strafuntersu- 
chung gegen liechtensteinische Ban- 
ken und Treuhänder. Es ist ohnehin 
offen, ob die betroffenen Treuhän- 
der die Anzahl ihrer US-Kunden 
überhaupt offenlegen. Rechtlich sind 
sie dazu nicht verpflichtet.   (sda) 
Zyprer sollen an ihr Geld kommen, 
aber nur mit Einschränkungen 
Schuldenkrise Zypern be- 
reitet sich auf einen Ansturm 
auf seine Banken vor. 
Bevor diese am Donnerstag erstmals 
seit zwölf Tagen wieder öffnen sol- 
len, feilte das mit Milliarden-Hilfen 
gerade erste gestützte Euroland am 
Mittwoch noch an Kontrollen und 
Einschränkungen für den Kapitalver- 
kehr. Nach Angaben der Handels- 
kammer sollen Geldtransfers im In- 
land möglich sein, nicht aber ins Aus- 
land. Damit soll verhindert werden, 
dass verunsicherte Bankkunden 
nach der chaotischen Rettung vor 
der Staatspleite ihre Gelder im gros- 
sen Stil abziehen. Gerüchte besagten 
am Mittwoch, dass Bankkunden 
höchstens 1200 Euro pro Tag und 
Person werden abheben dürfen. Eine 
offizielle Bestätigung dafür gab es in- 
des bis zum Mittwochabend nicht. 
Aufruf zur Ruhe 
Nach Angaben des Finanzministeri- 
ums werden die zyprischen Banken 
am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit 
(11 Uhr MEZ) wieder öffnen. Noch 
am Mittwochabend sollte zudem be- 
kannt gegeben werden, welche Kon- 
trollen und Einschränkungen für 
den Kapitalverkehr gelten werden. 
Ein Entwurf des Finanzministeri- 
ums, der der Nachrichtenagentur 
dpa vorlag, sieht vor, dass Auslands- 
überweisungen und Zahlungen mit 
Kreditkarten im Ausland pro Person 
und Bank auf 5000 Euro beschränkt 
werden. Zyprer sollen pro Auslands- 
reise maximal 3000 Euro Bargeld 
mit sich führen dürfen. Bei Festgeld- 
anlagen ist demnach keine vorzeiti- 
ge Kündigung möglich. Im Ausland 
studierende Zyprer sollen zur Finan- 
zierung ihres Lebensunterhaltes pro 
Quartal maximal 10 000 Euro aus 
der Heimat erhalten können. Ex- 
porteinnahmen müssen den Behör- 
den demnach binnen zwei Wochen 
gemeldet werden. Dies gilt auch für 
Gewinne, die mit dem Verkauf von 
Immobilien erzielt werden. Zyperns 
Finanzminister Michael Sarris be- 
kräftigte: «Wir werden den besten 
Weg wählen, um die Wahrschein- 
lichkeit zu limitieren, dass grosse 
Summen von Geldern verschwin- 
den.» Händlerverbände rieten den 
Zyprern, Ruhe zu bewahren und 
nicht die Banken zu stürmen, damit 
das System nicht zusammenbricht. 
Viele Menschen haben mittlerweile 
kein Geld auf ihren Girokonten. Seit 
dem 16. März ist die Geldversorgung 
nur aus Geldautomaten möglich. 
Herabstufung angedroht 
Wegen des angeschlagenen Banken- 
sektors drohte derweil die Rating- 
agentur Fitch Zypern abermals mit 
Abstufung. Ob es tatsächlich zu einer 
Herabstufung kommt, hänge von den 
Einzelheiten des mit der Troika (EZB, 
EU, IWF) vereinbarten Programms 
ab, schrieb Fitch am Dienstagabend. 
Nach dem Rettungspaket sollen Ein- 
lagen oberhalb der EU-weiten Siche- 
rungsgrenze von 100 000 Euro an 
der Banken-Sanierung beteiligt wer- 
den. Das zweitgrösste Geldhaus, die 
Laiki Trapeza (Volksbank), wird ab- 
gewickelt. Ein Teil ihres Geschäfts 
wird von der Bank of Cyprus über- 
nommen. Im Gegenzug erhält das 
kleine Euroland milliardenschwere 
Finanzhilfen seiner Europartner, die 
dem Staatshaushalt zugute kommen 
sollen. Die Chefs der Bank of Cyprus 
und der Laiki Trapeza wurden inzwi- 
schen entlassen. Die Filialen zypri- 
scher Banken in Griechenland öffne- 
ten bereits am Mittwoch wieder, 
nachdem die griechische Piräus- 
Bank die Niederlassungen der Bank 
of Cyprus, der Laiki und der Hellenic 
Bank übernommen hatte. (sda) 
Zyperns Finanzminister Michael Sarris. (Foto: RM) 
Angst vor Sturm auf Zyperns Banken 
Russen suchen neue Häfen 
NIKOSIA/MOSKAU Rappelvolle Flug- 
zeuge mit verunsicherten Russen 
auf dem Weg zu ihrem Zypern-Geld 
– so zeichnen Moskauer Medien die 
Lage vor der Wiedereröffnung der 
Banken auf der Mittelmeerinsel. Vor 
allem die vielen russischen Privat- 
anleger mit Guthaben über 100 000 
Euro befürchten gewaltige Verluste. 
Je nach Bank drohen Einbussen von 
40 oder sogar 80 Prozent der Einla- 
gen, wie russische Analysten berich- 
ten. Betroffen seien einfache Bank- 
kunden. Die russischen Banken, 
selbst eng verbunden mit dem zypri- 
otischen Finanzsystem, bleiben hin- 
gegen gelassen. Für sie sehen Exper- 
ten keinen Grund zur Panik. 
Massenflucht befürchtet 
«Tschüss, Zypern. Grüss dich ... 
Hongkong?», schreibt der russische 
Finanzanalyst Maxim Ossadschi in 
der politischen Moskauer Zeitschrift 
«The New Times». Nun heisse es Ab- 
schied nehmen von der Insel, die in 
der EU als Geldwaschanlage für 
schmutziges Vermögen in Verruf ge- 
raten sei. Der Experte rechnet vor, 
dass etwa 30 Prozent der Einlagen 
auf Zypern den Russen gehörten. 
Das sind nach Schätzungen rund 20 
Mrd. Euro – der grösste Auslandsan- 
teil überhaupt. Ossadschi erwartet, 
dass nun eine «Massenflucht» des 
Kapitals einsetzt – und mit ihr das 
«wahrscheinliche Ende der finan- 
ziellen Macht» Zyperns naht. Seit Ta- 
gen üben sich Experten im Abgesang 
auf das «Finanzparadies» der Rus- 
sen auf Zypern. «Zypern – das war 
mal eine Offshore-Zone», meint der 
frühere Zentralbankchef Viktor Ge- 
raschtschenko. Nun sei die Unsi- 
cherheit gross, ob das für Russen 
günstige Steuersystem und die un- 
bürokratische Registrierung von Fir- 
men auch künftig erhalten blieben, 
heisst es in Moskau. Hongkong, Lu- 
xemburg, Liechtenstein und Malta 
werden als Alternativen genannt. 
Kaum jemand glaubt, dass sich die 
Hoffnung der russischen Regierung 
erfüllt, dass das Geld nun «heim- 
kehrt». Auch die baltische Ex-Sow- 
jetrepublik Lettland, die 2014 den 
Euro einführen will, nennen die 
Russen immer wieder als möglichen 
neuen Anlageort. Regierungschef 
Valdis Dombrovskis dementierte be- 
reits Nachrichten, wonach die Euro- 
päische Zentralbank das EU-Mitglied 
aufgefordert habe, kein russisches 
Geld aufzunehmen. In fast hysteri- 
schem Ton berichten russische 
Staatsmedien seit Tagen von einer 
Art Verschwörung gegen das Kapital 
aus dem Riesenreich. Wie auf Zy- 
pern wird für diese angebliche Intri- 
ge immer wieder die deutsche Kanz- 
lerin Angela Merkel als Drahtziehe- 
rin genannt – sie wollen den Sumpf 
mit russischem Geld austrocknen. 
Den grössten Hammer aber leistete 
sich Nachrichtenmoderator Dmitri 
Kisseljow im vom Kreml gesteuerten 
Fernsehen: Am 24. März verglich er 
– wie zuvor auch Bankenfunktionäre 
– den Plan der Eurogruppe zur Ret- 
tung Zyperns, der eine Zwangsabga- 
be auf Bankguthaben vorsah, mit 
der Enteignung der Juden im Dritten 
Reich. Dazu blendete der Propagan- 
dasender sogar einen Auszug aus 
Hitlers Parteiprogramm ein. Warum 
sich aber Russland selbst nicht bei 
der Rettung Zyperns stärker ins 
Zeug legt, dazu schweigt das Staats- 
fernsehen. Beobachter meinen, dass 
Kremlchef Wladimir Putin seiner 
Wählerschaft in der verarmten rus- 
sischen Provinz eine staatliche Hilfe 
für reiche Russen unter Zyperns 
Sonne kaum vermitteln könnte. (rm)
	        

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