Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

4 | Inland 
SAMSTAG 
16. MÄRZ 2013 
Unabhängigkeit? 
Der Kanton 
Liechtenstein ist da 
Nun haben wir es amtlich: Liech- 
tenstein ist ein Kanton geworden. 
Die Schweizer wissen zwar noch 
nichts davon und haben in der di- 
rekten Demokratie auch noch nicht 
darüber abgestimmt. Auf dem 
Lohnausweis der Liechtensteini- 
schen Landesverwaltung, versandt 
durch das Amt für Personal und Or- 
ganisation, steht jedoch wörtlich: 
«Spesenreglement durch Kanton FL 
am 28. 10. 2010 genehmigt.» Der Ar- 
beitgeber, der Staat Liechtenstein, 
gibt sich nicht einmal mehr die Mü- 
he, einen eigenständigen Lohnaus- 
weis herauszugeben. Er übernimmt 
einfach ein Schweizer Formular 
und fertig. Immerhin steht unten 
ganz klein der korrekte Arbeitge- 
ber, sonst wüssten wir gar nicht, 
woher das Papier kommt; kein Lo- 
go, nichts – einfach ein 08/15-For- 
mular aus der Schweiz. Wir Arbeit- 
nehmer sind beschämt. 
Otto Beck, 
Triesenberg 
Abbruch Restaurant Sonne 
Schade, dass die 
Gemeinde keinen 
Einfl uss hat 
Vor einiger Zeit wurde bekannt, 
dass in Triesen beim Sonnenkreisel 
ein neues, grosses Einkaufszentrum 
mit Restaurant, Elektrofachmarkt 
und Automobilgeschäft entstehen 
soll. Dafür soll der traditionsreiche 
Gasthof «Sonne» abgerissen wer- 
den. Wenn man sich im Dorf um- 
hört, wird vor allem dieses Vorha- 
ben von vielen Triesnern sehr be- 
dauert. Ist es denn wirklich nicht 
möglich, dieses Stück Triesner Ge- 
schichte in die neuen Pläne zu inte- 
grieren? Gleichzeitig wird aber mit 
den Schultern gezuckt: Man kann ja 
doch nichts machen! Die wenigsten 
möchten sich öffentlich dazu äus- 
sern. Ich finde es sehr schade, dass 
Gemeinde und Denkmalschutz of- 
fensichtlich keine Einflussmöglich- 
keiten haben auf ein Gebiet, dass 
mitten im Herzen von Triesen liegt. 
Anouk Joliat, 
Triesen 
Projekt Haberfeld 
Es ist Zeit, an unsere 
Enkel zu denken 
Die Diskussion ums Haberfeld und 
den Bildungsstandort Vaduz darf 
nicht an unseren jetzigen Einstel- 
lungen und Lebenssituationen kle- 
ben bleiben. Was für eine Schul- 
landschaft wollen wir für unsere 
Enkel einst bereitstellen? Nehmen 
wir an, dass sich die gesellschaftli- 
chen Trends so weiterentwickeln. 
Wir gönnen unseren Söhnen und 
Töchtern die bestmögliche Ausbil- 
dung. Wir wünschen unseren Söh- 
nen und Töchtern, dass sie ein er- 
fülltes Leben in eigener Familie und 
passendem Beruf führen können. 
Unter welchen Bedingungen sind 
unsere Söhne und Töchter dann 
überhaupt bereit, sich auf eigene 
Kinder einzulassen? 
Wir müssen leider annehmen, dass 
Ehen weiterhin zur Hälfte nicht von 
Dauer sein werden. Wir müssen 
weiter annehmen, dass Betriebe 
und Unternehmen nicht mehr (hof- 
fentlich aber auch nicht weniger) 
Teilzeitstellen zur Verfügung stel- 
len. Wir müssen annehmen, dass 
die Entwicklung von flexiblen Ar- 
beitszeiten eher langsam vor sich 
geht. 
Unsere Söhne und Töchter werden 
ganz unterschiedliche Wege gehen. 
Es ist auch anzunehmen, dass nur 
ein Teil von ihnen Vaduz als Le- 
bensort wählen wird. 
Welchen Bildungsstandort sollen 
unsere Kinder dann antreffen? Un- 
ter welchen Bedingungen wird es in 
Zukunft genügend Kinder für unse- 
re Kindergärten und Schulen ge- 
ben? 
Muss es unter diesen Umständen 
auf die Frage hinauslaufen: Tages- 
strukturen oder Tagesschule? Oder 
kann es auch heissen Tagesstruktu- 
ren und Tagesschule? 
Wir wissen nicht, was für Wege un- 
sere Kinder gehen. Wir erziehen sie 
nur dazu, ihre eigenen Wege zu ge- 
hen. Sollte ein Bildungsstandort 
dann nicht alle Optionen anbieten 
können? 
Welche Chancen und Möglichkeiten 
bietet dabei ein Standort mit einem 
zentralen, umfassenden und vielfäl- 
tigen Angebot? 
Welchen Bildungsstandort würden 
wir für unsere Enkel wünschen? 
Schule ist längst mehr als die An- 
sammlung von Kindern des glei- 
chen Jahrgangs zum Zwecke des Le- 
se-, Schrift- und Rechenerwerbs. 
Schulen erfüllen heute die vielfäl- 
tigsten Aufgaben in unterschied- 
lichsten Bildungsbereichen und 
auch in der Erziehung und Betreu- 
ung sollen Schulen heute Optionen 
haben, auf die unterschiedlichsten 
Erwartungen mit geeigneten päda- 
gogischen Konzepten zu reagieren. 
Was heisst das für den Bildungs- 
standort Vaduz? 
Wir sind gefordert, all diese Fragen 
mit der nötigen Weitsicht und Be- 
sonnenheit anzugehen – und die 
Parteipolitik beiseite zu lassen. 
Auch wenn im Haberfeld Tages- 
strukturen, Tagesschule, Kinderta- 
gesstätte und Kindergarten ein neu- 
es Heim erhalten, bleiben diese Fra- 
gen noch nicht ganz geklärt. Aber 
das Projekt trägt dazu bei, dass Va- 
duz eine Heimat all denen bieten 
kann, die in Zukunft unsere Ge- 
meinde prägen. 
Barbara Ospelt-Geiger 
und Petra Miescher, Vaduz 
Glaube 
Eine «Fasten»- 
Botschaft 
Der Chef der Trybol AG ist über- 
zeugt: Mass ist König aller Tugen- 
den. Er will nicht, dass sein Unter- 
nehmen wächst. Die «Wachstums- 
gier» der Konzerne hält er für das 
Hauptproblem der heutigen Wirt- 
schaft. Sie mache den Menschen 
krank und zerstöre die Schöpfung. 
Zeitungen und TV behaupten täg- 
lich das Gegenteil: Wessen Firma 
nicht wächst, entlässt die Arbeiter, 
wessen Fussballteam verliert, feuert 
den Trainer ... Man geht über Lei- 
chen. Wenn der Staat durch Arbeits- 
losengelder den Schaden heilen 
muss, steigen die Steuern der «Klei- 
nen». Was noch viel schlimmer ist, 
Arbeitslose verlieren das Gefühl ih- 
rer Würde. Wenn sich die Menschen 
alles leisten können, werden viele 
des Lebens überdrüssig, Jugendli- 
che gewalttätig, weil ihnen der Sinn 
des Lebens abhanden gekommen ist 
... Die Abstimmung zur «Abzocker- 
Initiative» bewies, dass das Volk ge- 
sünder denkt. 
Die Natur kennt ihr Mass. Sie folgt 
den Gesetzen der Schöpfung. Wenn 
der Mensch von ihr mehr verlangt, 
als sie leisten kann, stirbt sie: Ver- 
wüstung, Versteppung, Tsunami ... 
Gilt das rechte Mass auch für die 
Treue zum Gesetz? Bei Jesus sicher! 
Er hat ostentativ das Gesetz über- 
treten und am Sabbat Kranke ge- 
heilt, seine hungrigen Jünger vertei- 
digt, die am Sabbat Ähren rupften 
... Und seine Begründung? Nicht Ab- 
schaffung des arbeitsfreien Tages, 
sondern Treue zu dessen Sinn von 
Gott her: «Der Mensch ist nicht für 
den Sabbat da, sondern der Sabbat 
für den Menschen» – als Ruhetag! 
Das Masshalten ist eine Kardinaltu- 
gend, welche die Wirtschaft und die 
Gesundheit im Lot hält, aber die Kö- 
nigin der Tugenden ist die Liebe, die 
gerade dann aktiv wird, wenn die 
Masslosigkeit Menschen ins Elend 
stürzt. Fastenopfer macht glücklich 
im Mass der gelebten Liebe. 
Sr. Alma Pia, ASC, 
Kloster St. Elisabeth, Schaan 
Verfassungabstimmung 
Fürstliche 
Höchstnoten für 
die Demokratie – 
Eine ziemlich 
subjektive Sicht 
der Dinge 
Aus Anlass des zehnten Jahrtags der 
unseligen Verfassungsabstimmung 
im März 2003 schreibt die «NZZ» 
vom 11. März 2013 unter dem Titel 
«Liechtensteins Fürst sitzt fest im 
Sattel» in einer kurzen Notiz auf 
Seite 9 unter anderem, dass unser 
Staatsoberhaupt der liechtensteini- 
schen Demokratie auf einer Skala 
von 1 bis 10 die Note «8 bis 9» gibt. 
Offen gesprochen scheint mir diese 
Qualifikation deutlich zu hoch aus- 
gefallen zu sein. Begründen möchte 
ich meine Ansicht wie folgt: 
Gemäss unserer Verfassung hat der 
Fürst unter anderen folgende Kom- 
petenzen: 
1. Er kann jedes Gesetz durch eine 
Sanktionsverweigerung verhindern, 
d.h. seine Meinung zählt mehr als 
diejenige der Mehrheit der Stimm- 
bürger (Art 9 LV), 
2. er hat ein nahezu uneinge- 
schränktes Notstandsverordnungs- 
recht (Art. 10 LV), 
3. er kann den Landtag «aus erheb- 
lichen Gründen» entlassen (Art. 48, 
Abs. 1, 1. Satz LV), 
4. er kann uneingeschränkt und be- 
gründungslos die Regierung entlas- 
sen (Art. 80, Abs. 1 LV), 
5. er kann in der Praxis jeden Rich- 
ter durch sein Veto verhindern (Art. 
96, Abs. 1, 7. Satz) und 
6. er kann Strafverfahren nieder- 
schlagen, d. h. Personen vor Straf- 
verfolgung schützen (Art. 12, Abs. 1 
LV). 
Zudem steht der Fürst und sein 
Stellvertreter ausserhalb der liech- 
tensteinischen Gerichtsbarkeit (Art. 
7, Abs. 2 LV) und die Kompetenz zur 
Auslegung der Verfassung durch 
den Staatgerichtshofs bei einem 
Streit zwischen Fürst und Landtag 
wurde damals (2003) ersatzlos ab- 
geschafft (Streichung des damaligen 
Art. 112 LV). 
Angesichts dieser Machtfülle des 
Fürsten kann bei einer einigermas- 
sen objektiven Sicht der Dinge 
kaum von einem «Demokratieüber- 
fluss» in unserem Land gesprochen 
werden. Im Konfliktfall hat der 
Fürst immer das letzte Wort in allen 
entscheidenden Fragen und auf al- 
len Ebenen der drei klassischen 
Staatsaufgaben, nämlich Gesetzge- 
bung, Exekutive und Rechtspre- 
chung. Dies ist typisch für eine au- 
tokratische Verfassung, bei der die 
Staatsgewalt letztlich unkontrolliert 
in den Händen eines Herrschers 
liegt. Die Demokratie kommt bei ei- 
ner solchen Staatsform zu kurz und 
fristet ein Mauerblümchendasein. 
Dass möglichst viele Leute emoti- 
onslos (ich meine damit vor allem 
unter Ausblendung fürstlicher «Lie- 
besentzugsdrohungen») über diesen 
Zustand nachdenken und Korrektu- 
ren in Richtung Stärkung der Demo- 
kratie eingeleitet werden, damit wir 
zum hundertsten Geburtstag unse- 
rer Verfassung, der im Oktober 2021 
gefeiert wird, ein Grundgesetz ha- 
ben, das die eingangs erwähnte 
Höchstnote für den Demokratieaus- 
bau wirklich verdient, ist mein 
Wunsch zum zehnten Jahrtag der 
«fürstlichen» Verfassungsabstim- 
mung. 
Peter Sprenger, 
Triesen 
LESERMEINUNGEN 
Ein herzliches Dankeschön 
… für die Anteilnahme bei seinem Tod, 
…  für die Trost spendenden Worte, gesprochen oder geschrieben, 
…  für die Spenden heiliger Messen und späteren Grabschmuck, 
…  für die liebevolle Betreuung durch die Spitex, 
die Familienhelferinnen Anita und Waltraud, 
die Pflegerin Hildegard, 
…  für die ärztliche Betreuung durch Dr. Hermann   
und Frau Dr. Marxer, 
… für den Beistand durch Herrn Pfarrer Florian Hasler, 
…  für alle, die ihm in Freundschaft begegnet sind 
und die ihn geschätzt haben. 
Schaan, im März 2013 Die Trauerfamilien 
Du bist nun zu denen gegangen,   
die Dich besonders geliebt haben 
Karl Kaufmann 
1919–2013 
Ruggell 
Maddalena (Anna) 
Eberle-Bacchion 
† 
Liebe Mutter, ruh’ in Frieden. 
Du hast es stets gut gemeint, 
blicke segnend auf uns nieder, 
bis uns das Wiedersehen vereint. 
Nach einem lan- 
gen und erfüll- 
ten Leben ist un- 
sere liebe Mit- 
bürgerin Madda- 
lena Eberle-Bac- 
chion, von allen 
«Anna» genannt, 
im 91. Lebens- 
jahr am 31. Januar friedlich einge- 
schlafen. 
Anna wurde am 13. Oktober 1922 in 
Treviso geboren. Als Jüngste von 13 
Kindern wuchs sie in einer richtigen 
Grossfamilie auf. Nach der Schulzeit 
arbeitete sie in einer Textilfabrik 
und trug damit zum Lebensunter- 
halt der Familie bei. 1946 kam ihr 
Sohn Alfredo zur Welt. Durch eine 
Freundin, welche in Basel lebte, 
lernte sie Adolf Eberle aus Ruggell 
kennen, der zu dieser Zeit ebenfalls 
in Basel arbeitete. 1956 heirateten 
Anna und ihr «Dölf» und sie zog mit 
ihrem Sohn nach Basel. Im Herzen – 
aber auch mit ihrer Sprache – blieb 
sie immer mit ihrer Heimat Italien 
verbunden. Der Kontakt zu ihren 
Geschwistern, welche sie regelmäs- 
sig besuchte, blieb immer bestehen. 
1960 kam ihre Tochter Irene zur 
Welt. Die Familie zog 1965 nach 
Ruggell, wo sie bis zur Fertigstellung 
ihres eigenen Hauses bei Schwäge- 
rin Pauline wohnten. 
Wie die meisten «richtigen» Ruggel- 
lerinnen arbeitete auch Anna einige 
Jahre in der Strumpffabrik, später 
dann noch in der Schekolin. Sie lieb- 
te die Gesellschaft von Leuten und 
sie legte sehr viel Wert auf ihre stets 
gepflegte Erscheinung. Anna und 
Adolf waren beide weltoffene Men- 
schen und sind auch sehr gern ge- 
reist. Sie haben viele Ferienreisen 
und auch viele Ausflüge mit Freun- 
den gemacht. Die Reise nach Südaf- 
rika, die sie 1996 mit Elis und Mein- 
rad unternommen haben, blieb für 
Anna ein unvergessliches Erlebnis. 
Anna war das Glück beschieden, bis 
zuletzt im Kreise ihrer Familie zu le- 
ben. Ihren Schwiegersohn Giovanni 
hat sie fest in ihr Herz geschlossen, 
selbst wenn sein Süditalienisch ganz 
anders war als das ihre aus dem Nor- 
den. Ihre beiden Enkel Marco und 
Giuseppe waren ihr grosser Stolz, 
«Nonna» war immer für sie da. 
Vor fünf Jahren starb Adolf nach län- 
gerer Krankheit. Anna hatte ihn rund 
um die Uhr gepflegt und sein Tod hat 
eine grosse Lücke in ihrem Leben 
hinterlassen. Doch sie hat ihre Le- 
bensfreude wiedergefunden, ihr Ur- 
enkel Leandro liess sie noch einmal 
aufblühen. Neben ihrer Familie wa- 
ren auch ihre Freundinnen wichtige 
Personen in ihrem Leben. Cilly und 
Anna fuhren die letzten Jahre oft mit 
dem Postauto nach Vaduz und mach- 
ten sich einen gemütlichen Nachmit- 
tag, was Anna immer sehr genossen 
hat. Und mit Marlies hat sie bis zu- 
letzt regelmässig Rommy gespielt. 
Seit letztem Oktober lebte Anna im 
Haus St. Martin in Eschen. Dort wur- 
de sie sehr gut betreut und hat sich 
in der Gesellschaft ihrer Mitbewoh- 
ner sehr wohlgefühlt. Man konnte 
sehen, wie es ihr von Tag zu Tag wie- 
der besser ging. Nach einem Sturz 
musste sie jedoch ins Spital nach Va- 
duz. Ihre Lebenskraft war erschöpft, 
nach einem langen und erfüllten Le- 
ben ist sie am 31. Januar friedlich 
eingeschlafen. 
Wir werden dich immer in bester Er- 
innerung behalten, liebe Anna. Ru- 
he in Frieden. 
ZUM GEDENKEN 
Ein Gemälde von Ludwig Schnüriger, 
dem ehemaligen Pfarrer von Vaduz, 
gemalt im Jahr 1956, zu fi nden in der 
Friedhofskapelle Spiringen (Kanton 
Uri). (Foto: ZVG)
	        

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