Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

  Gesundheitsseite | 37 
DONNERSTAG 
14. MÄRZ 2013 
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Vorsicht vor einem Hexenschuss 
Lumbago So wird der allseits bekannte Hexenschuss im medizinischen Fachjargon genannt. Nur eine einzige unvorsichtige Bewegung kann dabei schon 
ausreichen, um bei Betroffenen zu akuten Rückenschmerzen zu führen. Bei der Behandlung eines 
Hexenschuss’ 
gilt es einiges zu beachten. 
VON SILVIO TRIBELHORN 
Hand 
auf’s Herz: Wer ver- 
spürt nach diesem lan- 
gen Winter bei den ersten 
warmen Sonnenstrahlen 
nicht das Bedürfnis, endlich wieder 
nach draussen zu gehen, die ersten 
notwendigen Gartenarbeiten zu ver- 
richten, den Sitzplatz herzurichten 
oder das Auto wieder einmal innen 
gründlich zu reinigen? Doch Vor- 
sicht, denn hier lauern gewisse Ge- 
fahren, sich einen Hexenschuss ein- 
zufangen. 
Man schwitzt oder die Nierengegend 
wird durch das Hochrutschen der 
Kleidung frei, die Luft ist noch recht 
kühl — dann braucht es nur noch ei- 
ne unbedachte Bewegung, und 
schon ist es passiert. 
Was genau ist ein Hexenschuss? 
Wer schon einmal in den «Genuss» 
gekommen ist, weiss natürlich, wo- 
von hier die Rede ist. Der Begriff 
«Hexenschuss» verdeutlicht die mit- 
telalterliche Vorstellung, dass 
Krankheiten von übernatürlichen 
Wesen (wie beispielsweise Hexen) 
einem Menschen mittels Pfeilschuss 
zugefügt werden. 
Unter einem Hexenschuss, medizi- 
nisch als Lumbago bezeichnet, ver- 
steht die volkstümliche Sprache ei- 
nen plötzlich auftretenden, stechen- 
den sowie anhaltenden Schmerz, 
insbesondere im Lendenwirbelbe- 
reich (liechtensteinisch: im Kreuz) 
mit nachfolgenden Bewegungsein- 
schränkungen. 
Eine einzige unvorsichtige Bewe- 
gung genügt oft — und schon bleibt 
man mit schmerzverzerrtem Gesicht 
reglos in der Position, die man gera- 
de innehat: Die Hexe hat zugeschla- 
gen. In den meisten Fällen ist ein 
Lumbago zwar schmerzhaft, aber 
harmlos. Strahlen die Schmerzen 
über das Gesäss ins Bein — entspre- 
chend dem Ischiasnerv — handelt es 
sich um eine Ischialgie. Dies be- 
zeichnet allerdings ein anderes 
Krankheitsbild und hat nichts mit ei- 
nem Hexenschuss zu tun. 
Die Ursachen für den Hexenschuss 
Der Hexenschuss ist kein Symptom 
eines kaputten Rückens. Viel häufi- 
ger schiesst die Hexe, wenn man 
sich unvorsichtig bewegt oder wenn 
die Rückenmuskulatur ungewöhnli- 
cher Kälte ausgesetzt und gleichzei- 
tig überbeansprucht wird. Auch ist 
keineswegs gleich ein Nerv einge- 
klemmt. Jüngere Erkenntnisse zei- 
gen, dass der Hexenschuss ein 
rein muskuläres Problem ist, 
denn entgegen der bis anhin 
verbreiteten Vorstellung 
sind auch die Bandschei- 
ben nicht daran beteiligt. 
Meistens haben die Betrof- 
fenen Schmerzen im Rü- 
cken, manchmal noch im Ge- 
säss oder in den Schultern. Wenn sie 
dagegen einen Bandscheibenvorfall 
haben, dann zieht der Schmerz fast 
immer in die Füsse hinunter. Meis- 
tens ist unsere bewegungsarme Le- 
bensweise schuld daran, dass die 
Rückenmuskeln aus dem Gleichge- 
wicht geraten. 
Unsere Muskeln rosten über den 
Winter ein. Dazu kommt unsere vor- 
wiegend sitzende Lebensweise. Die 
Folgen sind verheerend: Die tieflie- 
gende Rückenmuskulatur ist beim 
Sitzen unterfordert und verküm- 
mert. Sie wird im Extremfall fast 
vollständig abgebaut und durch Fett 
und Bindegewebe ersetzt. Wenn die 
Tiefenmuskulatur nicht mehr stark 
genug ist, um die Wirbelsäule zu sta- 
bilisieren, übernehmen die ober- 
flächlichen Muskeln ihre Aufgabe. 
Im schlimmsten Fall kann eine ge- 
schwächte Tiefenmuskulatur einen 
Hexenschuss hervorrufen. Eine un- 
geschickte, ruckartige Bewegung 
reicht dafür oft schon aus. Die Tie- 
fenmuskulatur kann die Bewegung 
nicht ausgleichen und zieht sich 
stattdessen reflexartig zusammen. 
Der Krampf der kleinen Muskeln 
blockiert den ganzen Rücken. Das 
mündet darin, dass die Betroffenen 
dann ganz schief stehen. In einigen 
Fällen sind die Schmerzen so stark, 
dass das Aufrichten des Oberkör- 
pers verunmöglicht wird. 
Erste Hilfe 
Als erste Entlastung wird die Stufen- 
lage empfohlen. Dabei legt man sich 
auf den Rücken und lagert die Beine 
im rechten Winkel hoch. Dies ent- 
lastet die Wirbelsäule. Es kann 
aber auch eine andere, indi- 
viduell gefundene Lage 
entlastender sein. Als wei- 
tere Massnahmen werden 
Wärmeanwendungen wie 
Wärmeflasche, warme Heu- 
blumensäcke, zerstampfte heis- 
se Kartoffeln in einem Tuch usw. 
empfohlen. Von Hitzepflastern und 
stark wärmenden Salben rate ich 
persönlich ab, weil sie die Haut irri- 
tieren und die Wärme an der Haut- 
oberfläche produzieren und nicht im 
tiefer gelegenen Muskelgewebe. In 
einigen Fällen können auch Kältean- 
wendungen mit kühlenden Gels an- 
gezeigt sein. Dies muss individuell 
ausprobiert werden. 
Die homöopathische Behandlung 
Die Homöopathie spielt eine wichti- 
ge Rolle bei Hexenschuss, indem sie 
den Muskeltonus steigert, den allge- 
meinen Gesundheitszustand verbes- 
sert und die Entzündung von Mus- 
keln und Nerven verringert. 
Cortisonbehandlungen verschaffen 
in der Regel nur kurzfristig Linde- 
rung. Das korrekte homöopathische 
Arzneimittel ist in der Lage, einen 
Entzündungsprozess ebenso wir- 
kungsvoll abzukühlen. Im Folgen- 
den seien zwei homöopathische 
Hauptmittel erwähnt, die aber sehr 
gut zu unterscheiden sind. Oftmals 
führen die Modalitäten (Umstände, 
welche die Beschwerden verbessern 
oder aber verschlimmern) zur rich- 
tigen Wahl des Mittels. 
RHUS TOXICODENDRON 
(Giftsumach) 
Das Kennzeichen des Mittels ist eine 
fortschreitende Steifheit, die oft 
nach einer Phase der Ruhelosigkeit 
oder Überbeanspruchung einsetzt. 
Die Modalitäten sind: Schlimmer 
durch kaltes und nasses Wetter, Käl- 
te, Einwirkung kalter Luft beim 
Schwitzen, Überanstrengung, Über- 
heben, schlimmer beim Stillsitzen, 
was Steifheit verursacht, nach lan- 
gem Bücken, morgens beim Erwa- 
chen, muss erst anlaufen. 
Besser durch Bewegung, kann nicht 
stillsitzen, kleinste Bewegungen 
bessern, besser durch Hitze, heisse 
Bäder oder Duschen, besser durch 
harten Druck. Der Patient ist ruhe- 
los und gezwungen, aufzustehen 
und sich zu bewegen. Der Schlaf ist 
ruhelos, er muss sich im Schlaf fort- 
während drehen und kann keine be- 
queme Lage finden. 
BRYONIA (weisse Zaunrübe) 
Im akuten BRYONIA-Zustand ist der 
Patient typischerweise reizbar und 
will in Ruhe gelassen werden. Viel- 
leicht weigert er sich, auf Fragen zu 
antworten und alles an ihm weist 
daraufhin, dass er am liebsten nicht 
reden und sich auch nicht bewegen 
möchte. Die Modalitäten sind: 
Schlimmer durch jede Art von Bewe- 
gung, kann die ganze Nacht in der- 
selben Stellung verharren (das Ge- 
genteil von RHUS TOX). Schlimmer 
gegen 21:00 Uhr, kalte Getränke, Er- 
schütterung. Besserung durch 
Druck, Liegen auf der schmerzhaf- 
ten Seite, Hitze. Durst auf grosse 
Mengen Wasser, verlangt häufig 
nach kalten Getränken, obgleich ei- 
ne Besserung durch warme Geträn- 
ke eintreten würde. 
Eine unbedachte Bewegung bei der Gartenarbeit kann schon zu einem Hexenschuss führen. (Fotos:SSI) Wärmfl aschen eignen sich als erste Hilfe beim Hexenschuss. 
Aus erster Hand 
Ätherische Öle meiden 
Wenn man homöopathisch behandelt, 
sollte man stark riechende Einreibemittel 
weglassen. 
Ätherische Öle wie Kampfer, Pfefferminz, 
Menthol, Eucalytus usw. zerstören die 
homöopathische Wirkung. Idealerweise 
sollten die Mittel in einer Potenz von C 30 
angewendet werden. Wenn nach zwei bis 
drei Tagen keine wesentliche Besserung 
eintritt, ist die Grenze der Selbstbehand- 
lung erreicht, das Mittel falsch gewählt 
und ein Besuch beim Homöopathen oder 
Arzt notwendig. 
Silvio Tribelhorn ist Homöopath in 
Mauren sowie Mitglied der Naturheil- 
kunde Liechtenstein. (Foto: ZVG)
	        

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