Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

  Thema | 3 
MITTWOCH 
13. MÄRZ 2013 
Landtagswahlen 2013 – Wahlverhalten und Wahlmotive 
Quelle: Nachwahlumfragen Liechtenstein-Institut/DemoScope/Wilfried Marxer 
Stimmenanteile seit 1945 
0 
10 
20 
30 
40 
50 
60 
70 
45 49 53 53 57 58 62 66 70 74 78 82 86 89 93 93 97 1 5 9 13 
FBP VU FL UeLL CSP UEK DU 
«Parteien kümmern sich um das Volk» 
(2013) (in Prozent) 
0 
10 
20 
30 
40 
50 
60 
Parteien kümmern 
sich 
Weder - noch Parteien ist das 
egal 
FBP 
VU 
FL 
DU 
Für oder gegen ein Konkordat mit dem 
Vatikan? (Gewichtung nach Parteienwahl) 
0 
10 
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80 
90 
100 
Für Konkordat Weder-noch/Weiss 
nicht 
Gegen Konkordat 
FBP VU FL DU Total 
Wähleranteile nach Einstellung – 
Landtagswahlen 2013 
(gewichtet nach Parteienwahl; in Prozent) 
0 
10 
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40 
50 
60 
70 
progressiv konservativ 
FBP 
VU 
FL 
DU 
Zufriedenheit mit Funktionieren der 
Demokratie (2013) (in Prozent) 
0 
10 
20 
30 
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Sehr 
zufrieden 
Eher 
zufrieden 
Eher 
unzufrieden 
Sehr 
unzufrieden 
FBP 
VU 
FL 
DU 
Sparpolitik oder Steuererhöhung? (Gewichtung 
nach Parteienwahl) 
0 
10 
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100 
Sparpolitik Weder-noch/Weiss 
nicht 
Steuererhöhung 
FBP VU FL DU Total 
Zuwanderung lockern oder restriktiv 
bleiben? (Gewichtung nach Parteienwahl) 
0 
10 
20 
30 
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100 
Lockern Weder-noch/Weiss 
nicht 
Restriktiv 
FBP VU FL DU Total 
Institutionenvertrauen nach Parteienwahl 
(2013) (Mittelwerte; 10 = sehr hoch; 0 = sehr tief) 
0 
1 
2 
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4 
5 
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8 
9 
10 
Landtag Regierung Landesfürst Gemeinderat 
FBP VU FL DU 
Präferenz bei Direktwahl des Regierungs- 
chefs 2013 nach Wahlverhalten 
Hasler vs. Zwiefelhofer vs. Frick (Teilstichprobe) 
0 
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100 
FBP VU FL DU Total 
Adrian Hasler Thomas Zwiefelhofer 
Pepo Frick Weiss nicht/k.A. 
Politologe Marxer: «Nicht die Regierung an 
sich wird kritisiert, sondern deren Tätigkeit» 
Interview Mit seiner Nach- 
wahlbefragung dürfte der 
Politologe Wilfried Marxer 
für Gesprächsstoff sorgen. 
Im Gespräch mit volksblatt.li 
zeigt er auf, welche Gründe 
zum Wahlergebnis vom 3. Fe- 
bruar geführt haben dürften. 
VON HOLGER FRANKE 
«Volksblatt»: Was waren die haupt- 
sächlichen Wahlmotive: Welche Rol- 
le haben Tradition, das Programm 
oder die Kandidaten gespielt? 
Wilfried Marxer: Hier muss man 
differenzieren. Bei beiden grossen 
Volksparteien zeigt sich über alle 
bisherigen Wahlbeobachtungen, 
dass die Tradition immer ein sehr 
starkes Motiv ist. Also im Sinne da- 
von, dass man entweder in die rote 
oder schwarze Partei ‹hineingebo- 
ren› wird. Bei der Freien Liste zeigt 
sich typischerweise, dass sie eher 
wegen des Programms gewählt wird. 
Interessant ist diese Frage bei der 
neuen DU-Gruppierung. Tradition 
kann in diesem Fall keine grosse 
Rolle gespielt haben. Man kann also 
auch fragen, welche Rolle die Kandi- 
daten gespielt haben: Hier zeigt sich, 
auch bei den anderen Parteien, dass 
das Regierungs- und Landtagsteam 
eine Rolle spielt – mal mehr und mal 
weniger. Bei den Kandidaten der DU- 
Liste hat sich die Option nicht derart 
herausgestellt. Als Wahlmotiv wur- 
den hier häufig sonstige Gründe ge- 
nannt. Also Motive, die im Frageras- 
ter nicht vorgeschlagen waren. Dies 
zeigt, dass in diesem Falle weder 
Kandidaten noch das Programm im 
Vordergrund gestanden haben, son- 
dern eher eine Abkehr von den 
Volksparteien. Und auch ein Protest 
gegen die Situation, wie sie sich im 
Lande momentan darstellt. 
Sie haben auch untersucht, welche 
Bevölkerungsgruppen welche Partei 
gewählt haben. Wie lässt sich der 
statistisch typische FBP-Wähler be- 
schreiben? 
Das ist ganz schwierig: Wenn man 
die 40 Prozent der Wähler anschaut, 
die die FBP gewählt haben, lassen 
sich diese natürlich nicht auf einen 
einzelnen Typus reduzieren: Man 
könnte mathematisch analysieren, 
ob Alter, Geschlecht, Bildung eine 
Rolle spielen. Aber all das zählt 
überhaupt nicht: Eigentlich muss 
man betrachten, welche Einstellung 
die Wähler haben. Dabei gibt es 
zwei Parameter, die ich analysiert 
habe: Wie liberal oder konservativ 
sind die Leute und wie stufen sich 
die Wähler selbst ein: Also eher 
links oder eher rechts oder in der 
Mitte. So gesehen kann man sagen, 
dass sich der durchschnittliche FBP- 
Wähler eher im konservativen Be- 
reich bewegt und eher rechtsorien- 
tiert ist. 
Und die VU-Wähler? 
Eigentlich gemischt. Die VU ist keine 
typische konservative eher rechts- 
orientierte Partei, sondern eigent- 
lich eher in der Mitte und überall 
angesiedelt. 
Dann ist der «typische Wähler» der 
Freien Liste eher jünger und links- 
orientiert? 
Das Alter kann man für alle Partei- 
en ausschliessen.  Diese Parameter 
gelten überhaupt nicht mehr. Es 
gibt keine Partei, die speziell 
Jungwähler oder Ältere an- 
spricht. Es zählt nur die Ein- 
stellungsdimension, die da 
eine Rolle spielt. Bei der  Freien Lis- 
te liegt es auf der Hand: Eher am lin- 
ken Lager, also eher im liberalen als 
im konservativen Bereich. 
Wer aber hat die Kandidaten der 
Du-Liste gewählt? 
Da liegt kein eindeutiges Bild vor: 
Einheitlich ist es bei der FBP – da 
kann man sagen eher konservativ. 
Freie Liste eher progressiv. Die Kan- 
didaten der DU-Liste decken eigent- 
lich alle Schichten ab. 
Ist das ein ein weiteres Zeichen für 
eine Protestwahl? 
Ja. Vielleicht liegt es aber auch dar- 
an, dass die   DU-Gruppierung neu 
angetreten ist: Sie sind ideologisch 
noch nicht gefestigt und sind sicher 
auch heterogen aufgetreten. In- 
sofern waren die Kandidaten wähl- 
bar für progressive wie auch für 
konservative Wähler. Wobei aber 
nicht unbedingt die ideologische Di- 
mension im Vordergrund stand, 
sondern eher eine gewisse Protest- 
haltung gegenüber 
dem, wie in den 
vergangenen 
Jahren Politik 
gemacht wor- 
den ist. 
In Liechtenstein gilt die Grosse Koa- 
lition als Erfolgsmodell: Gilt das im- 
mer noch? 
Nicht mehr im gleichen Ausmass wie 
in vergangenen Wahlperioden. Bei 
allen bisherigen Wahlumfragen wur- 
de eine Alleinregierung bislang im- 
mer abgelehnt. Man will, dass die 
Parteien zusammenspannen und 
konstruktive Politik ausüben. So in- 
terpretiere ich das. Eine Allparteien- 
regierung wäre auch eine Option. Als 
es nur die Freie Liste als dritte Partei 
gab, ist dies von den Wählern der 
Grossparteien aber nicht gewünscht 
worden. Jetzt haben wir aber eine 
neue Ausgangslage: Drei Parteien 
und die DU-Gruppierung sind im 
Landtag vertreten, die beiden klei- 
nen Parteien sind mit drei bzw. vier 
Mandaten recht stark und es gibt so- 
mit eine breitere Wählerbasis, die die 
kleinen Parteien gewählt haben. Die- 
se Wähler wünschen natürlich, dass 
ihre bevorzugte Partei in der Regie- 
rung vertreten sein wird. Aus diesem 
Grund sprechen sich diesmal mehr 
Leute für eine Allparteienregierung 
oder für eine Kleine Koalition aus. 
Aber von allen Modellen, die denk- 
bar sind, findet die Grosse Koalition 
noch am meisten Zustimmung. 
Sie haben auch nach der Einstellung 
der Wähler gefragt: Wie beurteilen 
die Wähler die Arbeit der schei- 
denden Regierung? 
Der Vergleich zu den Wahlen 
2009 zeigt, dass es eine 
markante Veränderung gegeben hat. 
Früher gab es recht grosse Zustim- 
mungsquoten für die Regierungstä- 
tigkeit. Im Jahr 2013 sieht man, dass 
der Anteil der Unzufriedenen, der 
die Leistung der Regierung als eher 
schlecht oder sehr schlecht beur- 
teilt, deutlich zugenommen hat, und 
dass sich das an der Wahlurne aus- 
gedrückt hat. 
Wie schaut es mit dem Vertrauen 
der Wähler in die politischen Insti- 
tutionen aus? 
Diesbezüglich haben wir vorbildli- 
che Vertrauensverhältnisse. Die 
Menschen vertrauen den Institutio- 
nen in einem sehr hohen Ausmass – 
selbst der Regierung. Man muss dif- 
ferenzieren: Die Kritik, die wir hö- 
ren, ist nicht eine Kritik an der Re- 
gierung als Institution, sondern an 
der Regierungstätigkeit der aktuel- 
len Regierung. Aus demokratiepoli- 
tischer Sicht ist es also sehr erfreu- 
lich, dass ein hohes Vertrauen in die 
Institutionen im Land gegeben ist. 
Das vollständige Video-Interview fi nden Sie im 
Media Center auf www.volksblatt.li 
www.volksblatt.li 
Nahm die Landtags- 
wahl 2013 genau unter 
die Lupe: Politologe 
Wilfried Marxer vom 
Liechtenstein-Institut. 
(Foto: Nils Vollmar) ANZEIGE
	        

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