Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

MITTWOCH 
20. FEBRUAR 2013 
23 Kultur 
Originell 
King Kong, 
mal anders 
Im TAK wird um 20.09 Uhr 
«King Kong» nach dem 
gleichnamigen Film und ver- 
setzt in das Grossraumbüro 
von heute aufgeführt. 
Melodiös 
Mayvie tritt in 
der «Qbar» auf 
Die liechtensteinische 
Sängerin Nadine Nigg alias 
Mayvie tritt heute in der 
Churer «Qbar» auf. Sie bringt 
eigene Songs und schöne 
Covers auf die Bühne. 
Fantastisch-surreal 
«Der verteufelte 
Teufel» in Chur 
Heute wird im Theater Chur 
um 20.15 Uhr das Objekt- 
theater «Der verteufelte 
Teufel» uraufgeführt. 
Heute 
«Das Fest»: Die grosse Angst 
vor der scheusslichen Wahrheit   
Eklat In «Das Fest» (Premie- 
re am 1. März im Bankettsaal 
des Hotels Schlössle) wird ein 
Vater vor versammelter Festge- 
sellschaft des Missbrauchs an 
seinen eigenen Kindern bezich- 
tigt. Das «Volksblatt» unterhielt 
sich mit Urs Bircher, der bei der 
Produktion des Theaters Karus- 
sell Regie führt. 
VON SEBASTIAN GOOP 
«Volksblatt»: «Das Fest» bringt den 
Inhalt eines dänischen Dogma-Films 
auf die Theaterbühne. 
Urs Bircher: So ist es. Das Drehbuch 
von «Das Fest» wurde vom Regisseur 
des Films auch gleich für das Theater 
adaptiert. An dieses Drehbuch halten 
wir uns weitgehend. Wir erkannten je- 
doch bald, dass wir das Stück ohne 
Pause durchspielen müssen; der Span- 
nungsbogen wird 
immer dichter, eine 
Pause vernichtet al- 
les. Da wir jedoch 
auch nicht über zwei 
Stunden am Stück 
spielen können, habe ich das Dreh- 
buch an bestimmten Stellen gekürzt, 
sodass wir auf eine Spieldauer von un- 
gefähr einer Stunde und 50 Minuten 
kommen. 
Wie nahe ist die Theaterfassung am 
Film? 
Sehr nahe. Der Film ist natürlich et- 
was üppiger, es gibt mehr Aussen- 
schauplätze, die wir im Bankettsaal 
nicht zeigen können. Grundsätzlich 
bewegt sich die Theaterfassung aber 
sehr nahe an der Kernhandlung des 
Films. Wir haben uns überlegt, ob wir 
Leinwandeinblendungen machen sol- 
len, ob wir Beleuchtungssysteme ein- 
bauen sollen, aber dieser technische 
Aufwand lohnt sich nicht. Also haben 
wir beschlossen, ganz einfache Lösun- 
gen zu suchen. Wir spielen das Stück 
in diesem einen Raum und arbeiten 
mit dem Licht, das hier nun mal vor- 
handen ist. So konstruiert die Fantasie 
des Zuschauers das, was wir im Raum 
nicht konstruieren können. 
Zum Inhalt: Es geht um den Famili- 
envater Helge, der inmitten einer 
grossen Festgesellschaft in einem 
abgelegenen Landhotel seinen 60. 
Geburtstag feiert. Es kommt zum 
Eklat: Einer seiner Söhne wirft ihm 
vor, sich vor Jahren an seinen Kin- 
dern vergangen zu haben. Was ist 
das Interessante an diesem Stoff? 
Der Missbrauch ist lediglich der An- 
lass des Skandals.  Viel spannender ist 
es, wie die Gesellschaft darauf re- 
agiert. Wie versucht wird, alles unter 
den Teppich zu kehren, das Ganze 
durch verschiedenste Methoden tot- 
zureden und totzuschweigen. Das 
Thema lautet: Wie 
werden Lebenslügen 
in unserer Gesell- 
schaft weggedrückt 
und legitimert? Hier 
wird es doppelt- und 
dreifachbödig, wenn es nämlich um 
schwarze Seiten geht, die wir alle an 
uns haben, mal stärker, mal schwä- 
cher ausgeprägt. Wenn Dinge zum 
Vorschein kommen, die unter den Di- 
alogen liegen. Denn die Oberfläche ist 
lediglich eine Maske oder eine Kon- 
vention, die eigentlichen Probleme lie- 
gen darunter. Und wenn dieser Vul- 
kan zu brodeln beginnt, wird es natür- 
lich interessant, so lau- 
fen fast alle guten 
Theaterstücke: Sie 
befördern Dinge zutage, die man rein 
oberflächlich betrachtet nicht sieht. 
Wie gehen die Schauspieler mit dem 
Thema um? 
Unterdessen ist das Thema so normal 
wie jedes andere. Am Anfang haben 
wir jedoch lange darüber geredet, 
miteinander diskutiert. Sexueller 
Missbrauch in Familien ist gar nicht so 
selten wie man denken könnte, ich 
weiss, dass auch in unserem Ensemb- 
le Einzelne davon betroffen waren. 
Aufgeführt wird «Das Fest» im Ban- 
kettsaaal des früheren Hotels 
Schlössle in Vaduz. 
Ja, und an so einem Ort muss man an- 
ders auftreten als auf der Bühne. Die 
Zuschauer sitzen eineinhalb, viel- 
leicht zwei Meter vom Schauspieler 
entfernt, man sieht jeden Wimpern- 
schlag. Normalerweise heisst es: «Du 
musst ‹senden›», damit man einen 
auch von der 20. Reihe aus versteht, 
man muss also viel ungestützter, un- 
theatralischer sprechen, Realismus, 
Natürlichkeit und eine ungeheuere 
Konzentration sind gefragt. 
Mit Ausnahme 
von Nicolas 
Biedermann, 
Andy Konrad 
und Margret 
Knecht sind 
in «Das Fest» 
Laien- 
schauspie- 
ler zu 
sehen. Wo sehen Sie die Unterschie- 
de zum Berufstheater? 
Was dieses Theater auszeichnet ist, 
dass alle aus Lust und Freude mitma- 
chen, mir macht das riesigen Spass. 
Im Berufstheater sind die Schauspie- 
ler mit viel mehr Druck, viel mehr 
Ehrgeiz und Strebertum unterwegs. 
Zudem bringen unsere Laiendarstel- 
ler ein beachtliches Niveau mit.  Tho- 
mas Hassler (Anm. d. Red.: spielt Hel- 
ge, den Familienvater) zum Beispiel 
spielt seit 30 Jahren Theater, ihn 
könnte man auch auf eine Berufs- 
bühne stellen, er würde mithalten. 
«Das Fest» ist eine Koproduktion zwischen 
Theater Karussell, TAK und Schlösslekeller. Die 
Premiere (asuverkauft) fi ndet am 1. März um 
20 Uhr statt, weitere neun Vorstellungen sind 
bis zum 24. März 2013 geplant. Informationen 
unter www.karussell.li und www.tak.li. 
Familienvater Helge (Dritter von links, gespielt von Thomas Hassler) wird mit heftigen Anschuldigungen konfrontiert. (Fotos: Nils Vollmar) 
«Pro Helvetia»-Direktor 
zu Gast in Liechtenstein 
Besuch Auf Einladung von Regierungsrätin Aurelia Frick 
war am Montag der neue Direktor der Schweizer Kulturstif- 
tung «Pro Helvetia», Andrew Holland, zu Gast in Vaduz. 
Andrew Holland traf Regierungsrätin 
Frick und unterhielt sich mit Vertre- 
tern der Kulturstiftung Liechten- 
stein. Er besichtigte mit Direktor 
Friedemann Malsch die aktuelle Aus- 
stellung «Kiki Smith. Seton Smith. To- 
ny Smith» im Kunstmuseum. 
Die Schweizer Kulturstiftung «Pro 
Helvetia» hat unter anderem den 
Auftrag, Kunst und Kultur aus der 
Schweiz im Ausland bekannt zu ma- 
chen. In Liechtenstein unterstützt 
die Stiftung in diesem Jahr die grosse 
Retrospektive des Schweizer Künst- 
lers André Thomkins. Diese Ausstel- 
lung wird vom Kunstmuseum produ- 
ziert und dort vom 24. Mai bis 15. 
September 2013 gezeigt.   (red/pd) 
Von links: Friedemann Malsch, 
Andrew Holland. (Foto: Elma Korac) 
www.volksblatt.li 
Life 2013 in Schaan 
Heinzmann triff t 
auf Power of Tower 
SCHAAN Am 5. Juli 2013 teilen 
sich Stefanie Heinzmann und 
Tower of Power im Rahmen des 
Life 2013 die Bühne des SAL. Da 
die 22-jährige Stefanie Heinz- 
mann aus dem Wallis, Gewinne- 
rin einer Casting-Show von Ste- 
fan Raab, überhäuft mit zahlrei- 
chen Preisen und aktuell Jurorin 
bei «The Voice of Switzerland», 
dort Tower of Power, die Alther- 
ren des Soul und Funk aus den 
USA. Heinzmann und Tower of 
Power spielten in den letzten 
Jahren bereits mehrfach gemein- 
sam auf der gleichen Bühne. In 
Schaan wird Stefanie Heinz- 
mann mit ihrer Band beginnen, 
bevor Tower of Power den SAL 
mit tanzbarem Soul and Funk 
bespielt. Ein gemeinsamer 
«Showdown» ist dabei nicht 
ausgeschlossen. (red/pd) 
Stefanie Heinzmann. (Foto: ZVG) 
«Der Missbrauch ist 
lediglich der Anlass 
des Skandals.» 
Neo-Rauch-Ausstellung in Belgien 
Werke voller Farb- und Symbolwucht 
BERN Neo Rauch gehört zu den Gros- 
sen des internationalen Kunstbe- 
triebs. Nun widmet Belgien dem 
deutschen Maler erstmals eine Aus- 
stellung. Gezeigt werden rund 100 
Bilder. Im Mittelpunkt stehen seine 
jüngsten Arbeiten voller Wucht an 
Farben und Symbolen. Ein Astro- 
naut, Industriearbeiter vor Kesseln, 
ein Mann in Kniebundhose, der eine 
Flagge verbrennt und eine Frau, die 
ein hybrides Tier, halb Pferd, halb Gi- 
raffe, streichelt: Es ist eines der ers- 
ten Bilder in der Ausstellung «Neo 
Rauch: Die Wahnvorstellung des 
Schöpfergottes» (The Obsession of 
the Demiurge) im Palais des Beaux- 
Arts in Brüssel. Das Bild aus dem Jahr 
2011 heisst «Zähmung». Was es uns 
sagen will? «In Rauchs Werken über- 
lappen sich mehrere Visionen, schie- 
ben sich verschiedene Räume und 
Zeiten ineinander», erklärt Kurator 
Harald Kunde. Der Direktor des Mu- 
seums Kurhaus in Kleve kennt den 
Künstler seit den Achtzigerjahren. 
Rauch hat ihm sogar das Bild «Die 
Kunde» gewidmet. Darauf steht er 
vor einem Sockel, auf dem eine Art 
riesiges Ohr abgebildet ist. Datiert ist 
es auf das Jahr 1999. In Deutschland 
und Amerika zählt der 52-jährige 
Rauch seit geraumer Zeit zu den Top- 
künstlern. In Belgien muss er sich in 
der breiten Öffentlichkeit noch einen 
Namen machen. 
Verschachtelte Bilderwelten 
Der Bilderkosmos des Leipziger Ma- 
lers hat sich in den vergangenen Jah- 
ren stark verdichtet. Er ist komple- 
xer und verwirrender geworden. 
Während Rauch zu Beginn stark gra- 
fische Kompositionen entwarf mit 
stilistischen Anleihen beim sozialis- 
tischen Realismus und bei Comics, 
konstruiert er seit 2000 ineinander 
verschachtelte Bilderwelten mit un- 
zähligen Referenzen. 
Auf «Kalimuna» (2010) sind Men- 
schen vor Ladengeschäften im Stil 
des 19. Jahrhunderts zu sehen. Es 
wird mit Salzkristallen und gleich- 
sam Munition gehandelt. Ein Mann 
hält einen Kampfhund mit einem 
Menschenkopf an der Leine. Die 
Ausstellung beginnt mit den jüngs- 
ten Arbeiten und endet mit seinen 
bekannten Rundformaten «Plazen- 
ta» und «Lot».   (sda/dpa) 
Urs Bircher 
Regisseur mit 
viel Erfahrung 
Urs Bircher wurde 1947 in Basel gebo- 
ren. Studium der Philosophie, Theater- 
wissenschaft und Geschichte in Wien, 
Paris, Berlin. Wichtige berufliche Statio- 
nen: Chefdramaturg am Stadttheater 
Luzern, Regisseur und Mitglied der The- 
aterleitung am Landestheater Schwa- 
ben in Memmingen, Dramaturg am 
Stadttheater Bern, Gastdozent in Frei- 
burg und Seoul, Dramaturg und Re- 
gisseur an den Städtischen Büh- 
nen Nürnberg, Inszenierungen 
am Stadttheater Hildes- 
heim, Publikation ei- 
ner zweibändi- 
gen Frisch- 
Biografie. 
Regisseur von 
«Das Fest»: Urs Bircher.
	        

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