Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2013)

20 | International 
MONTAG 
18. FEBRUAR 2013 
Auf ins Ziel! 
Da schlackern 
die Zungen 
Bei der Schlittenhunde- 
EM gehts rasant zu. 
Rund 200 Fahrer mit 
ihren 2000 Hunden sind 
im Bayerischen Wald 
unterwegs und kämpfen 
um den Sieg. (Foto: VMH) 
Stammt Fleisch 
für Lidl-Tortelloni 
aus der Schweiz? 
Skandalös In mehreren europäischen Ländern tauchen immer 
neue Produkte auf, die Pferde- statt Rindfl eisch enthalten. Die 
Schweiz und Liechtenstein bleiben vom Skandal nicht verschont. 
Über 
Beteiligungen an der 
Liechtensteiner Hilcona 
sind auch Bell und Coop 
betroff en. Das Unterneh- 
men Hilcona im liechtensteinischen 
Schaan verarbeitete Fleisch für die 
«Combino Tortelloni Rindfl eisch», 
welche vom deutschen Discounter 
Lidl verkauft wurden. Lidl vertrieb 
die Tortelloni unter Hilconas Han- 
delsmarke Gusto in Deutschland und 
Österreich. Nachdem die österreichi- 
schen Gesundheitsbehörden in den 
Tortelloni Pferdefl eisch nachgewie- 
sen hatten, nahm Lidl die Teigwaren 
aus den Regalen. Auf Anfrage der 
Nachrichtenagentur SDA versicherte 
Hilcona am Samstag, dass das Pro- 
dukt in der Schweiz nicht erhältlich 
ist. Auf seiner Webseite schreibt Hil- 
cona aber, das Fleisch für die Tortel- 
loni stamme entweder von der Firma 
Suttero in Gossau SG oder vom deut- 
schen Hersteller Vossko aus Ostbe- 
vern im Bundesland Nordrhein-West- 
falen. Der Fleischwarenhersteller 
Suttero war für eine Stellungnahme 
am Wochenende nicht erreichbar. 
Pferdefleisch eventuell aus Gossau 
Hilcona gehört knapp zur Hälfte Bell, 
dem grössten Schweizer Fleischver- 
arbeiter, der seinerseits mehrheitlich 
im Besitz von Coop ist. Noch an der 
Bilanzmedienkonferenz vom Freitag 
hatte Bell-Chef Lorenz Wyss zugesi- 
chert, weder Bell noch Hilcona seien 
vom Pferdefleischskandal betroffen. 
Coop musste vor wenigen Tagen we- 
gen falsch deklariertem Fleisch eine 
Fertiglasagne zurückziehen. Weitere 
Produkte mit beigemengte Pferde- 
fleisch wurden in einer gross ange- 
legten Untersuchung der Kantons- 
chemiker in der Schweiz nicht gefun- 
den. In anderen europäischen Län- 
dern müssen dagegen ständig weite- 
re Produkte aus den Regalen entfernt 
werden, weil sie Pferde- statt Rind- 
fleisch enthalten. So hat die deutsche 
Supermarktkette Rewe am Wochen- 
ende zwei weitere Tiefkühlprodukte 
aus dem Verkauf genommen. Betrof- 
fen sind «Rewe Chili con Carne» und 
«Rewe Spaghetti Bolognese», wie das 
Unternehmen am Sonntag mitteilte. 
Schwein im Döner 
Auch Döner-Stände sind offenbar be- 
troffen: Der deutsche TV-Sender RTL 
fand bei Stichproben in 20 Imbissbu- 
den in Leipzig und Berlin in einem 
Fall einen geringen Pferdefleisch-An- 
teil. Zudem seien in drei Proben von 
Lebensmittelexperten bis zu sieben 
Prozent Schweinefleisch nachgewie- 
sen worden. In Grossbritannien wur- 
den bei Razzien in drei Verarbei- 
tungsbetrieben in London und in 
Hull in Nordost-England umfangrei- 
ches Probematerial und Computer- 
unterlagen beschlagnahmt. Bisher 
sind unter 2500 getesteten Produk- 
ten in Grossbritannien in 29 Fällen 
Pferdefleischspuren gefunden wor- 
den. Getestet wird das Fleisch auch 
auf Spuren von Medikamenten, nach- 
dem britisches Pferdefleisch mit Phe- 
nylbutazon nach Frankreich gelangt 
war. Zum Schutz seiner Konsumen- 
ten will Frankreich eine freiwillige 
Kennzeichnung von Fleisch errei- 
chen. Darüber werde in der kom- 
menden Woche mit französischen 
Fleischverarbeitern verhandelt, sag- 
te Landwirtschaftsminister Stéphane 
Le Foll der Zeitung «20 Minutes». 
Mindestens 72 Tonnen nach 
Deutschland geliefert 
In Frankreich ist das Unternehmen 
Spanghero schwer belastet. Es soll für 
falsch deklarierte Lieferungen verant- 
wortlich sein. Das Unternehmen weist 
das zurück. Gemäss Ermittlungen hat 
Spanghero aber wissentlich solches 
Fleisch etwa an den Hersteller Comigel 
verkauft. Dort wurde es verarbeitet 
und auch nach Deutschland geliefert. 
Insgesamt soll Comigel rund 4,5 Millio- 
nen Fertiggerichte mit falsch dekla- 
riertem Fleisch von Spanghero herge- 
stellt haben, die an mindestens 28 Un- 
ternehmen in 13 europäischen Län- 
dern verkauft wurden. Nach Deutsch- 
land etwa wurden nach neuesten EU- 
Informationen 179 000 Packungen der 
verdächtigen Lasagne geliefert. Das 
entspricht rund 72 Tonnen. Der «Spie- 
gel» schreibt unter Berufung auf inter- 
ne Lieferlisten der EU-Kommission gar 
von 360 000 Packungen. Die deutsche 
Konsumentenschutzministerin Ilse 
Aigner (CSU) äusserte sich besorgt 
über das wachsende Ausmass des 
Skandals. (sda/dpa/afp/reuters) 
«Tortelloni - Rindfl eisch» produziert von der Gusto GmbH und vertrieben durch 
die Supermarkt-Kette Lidl. In ihnen wurde Pferdefl eisch gefunden. (Foto: VMH) 
Starke Erdbeben 
Erdstösse versetzen 
Italien in Angst 
ROM Zwei Erdbeben haben am späten 
Samstagabend und in der Nacht zum 
Sonntag die Menschen in Mittelitalien 
in Angst versetzt. Hunderte flüchte- 
ten in Panik ins Freie und übernach- 
teten aus Angst vor weiteren Beben in 
ihren Autos oder in Notunterkünften. 
Grössere Schäden oder Verletzte wur- 
den zunächst nicht bekannt. Jedoch 
starb in Isola del Liri eine 63 Jahre al- 
te herzkranke Frau. Gegen 22.16 Uhr 
erschütterte nach Angaben des natio- 
nalen Bebeninstituts INGV ein Erd- 
stoss der Stärke 4,8 die Provinz Frosi- 
none etwa 100 Kilometer östlich von 
Rom. Das Epizentrum des ersten Be- 
bens lag zwischen den Orten Sora 
und Isola del Liri in einer Tiefe von 
10,7 Kilometern. (sda/dpa/afp) 
Sorgerecht-Streit 
Väter besetzen in 
Frankreich Kräne 
NANTES In Frankreich haben am Wo- 
chenende drei Väter Kräne besetzt, 
um für das Sorgerecht für ihre Kinder 
zu demonstrieren. Ein von seinen Kin- 
dern getrennter Mann harrte in 40 Me- 
tern Höhe in einem der Industriedenk- 
mäler auf der alten Werft von Nantes 
aus. Der 42-jährige Serge Charnay war 
am Freitagabend auf den Kran gestie- 
gen. Er hatte das Besuchsrecht für sei- 
nen Sohn vor zwei Jahren verloren, 
nachdem er wegen Kindesentziehung 
verurteilt worden war. Laut den Be- 
hörden in Nantes verweigerte Charnay 
die Versorgung mit frischem Wasser 
und Nahrungsmittel. Der Aktion in 
Nantes schloss sich ein weiterer Vater 
an – der 34-jährige Nicolas Morena be- 
endete sie am Samstagabend aber 
wieder. In Strassburg stieg am Sonn- 
tag ein 30-Jähriger auf einen Kran, um 
darauf aufmerksam zu machen, dass 
er seit drei Jahren keinen Kontakt 
mehr zu seinem Sohn habe. (sda/afp) 
Zu guter Letzt 
18-Jähriger überlebt im Outback 
dank Kontaktlinsenflüssigkeit 
SYDNEY Mithilfe von Kontaktlinsen- 
flüssigkeit hat ein 18-jähriger Ruck- 
sacktourist aus Grossbritannien im 
australischen Outback überlebt. Sa- 
muel Woodhead hatte sich verlaufen 
und war am Freitag nach drei Tagen 
gefunden worden. Der 18-Jährige 
Brite wurde im Bundesstaat Queens- 
land, 130 Kilometer von der abgele- 
genen Stadt Longreach entfernt, auf- 
gefunden. Woodhead griff in der 
Wildnis zu ungewöhnlichen Mass- 
nahmen, um zu überleben. 
15 Kilogramm abgenommen 
«Er versuchte, seinen eigenen Urin zu 
trinken, konnte das aber nicht so gut 
ertragen. Deshalb trank er kleine 
Schlückchen von Kontaktlinsenflüssig- 
keit.» Woodhead nahm an den drei Ta- 
gen 15 Kilogramm ab. Als er gefunden 
wurde, war er jedoch bis auf einen 
Sonnenbrand und Dehydrierung un- 
versehrt. Seine Mutter führte das 
Überleben ihres Sohnes auf dessen gu- 
te Kondition und auf ein Training an 
der britischen Elite-Militärakademie 
Sandhurst zurück. «Er hat vor Kurzem 
an einem Bewerbungskurs für Sand- 
hurst teilgenommen», sagte Derry. 
Woodland strebt eine Karriere bei der 
Armee an. Die australische Polizei hat- 
te mit Flugzeugen, Motorrädern und 
Geländewagen die Gegend abgesucht, 
in der der junge Mann verschwunden 
war. Bewohner der Region unterstütz- 
ten die Suche auf Pferden. Die Polizei 
hatte Woodland kaum Überlebens- 
chancen eingeräumt. Im australischen 
Outback herrschen heisse Temperatu- 
ren, ausserdem gibt es dort Giftschlan- 
gen. Derry war daher mit den 
schlimmsten Befürchtungen nach Aus- 
tralien geflogen. Doch noch während 
des Flugs erhielt sie die Nachricht von 
der Rettung ihres Sohnes. (sda/afp) 
Goldbarren für «Tsunami-Stadt» 
Mysteriöses Geschenk für verwüstete Stadt 
TOKIO Kurz vor dem zweiten Jahres- 
tag des verheerenden Tsunamis in Ja- 
pan kann sich die schwer in Mitlei- 
denschaft gezogene Stadt Ishinomaki 
über ein unerwartetes Goldgeschenk 
freuen: In einem Paket ohne Absen- 
der erhielt der Chef der Hafenbetrei- 
bergesellschaft der Stadt, Kunio Su- 
now, zwei Goldbarren im Wert von 
fast 190 000 Euro. Weil der Inhalt 
des Pakets mit «Diverses» dekla- 
riert gewesen sei, habe er die- 
ses beiläufig geöffnet, sagte 
Sunow am Samstag der 
Nachrichtenagentur 
AFP. Wegen des 
Gewichts ha- 
be er ange- 
nommen, in 
dem Paket 
befänden sich Bücher. «Ich war fas- 
sunglos, weil darin zwei Barren mit 
24 Karat waren», sagte Sunow. Das 
Paket sei in Nagano nordwestlich von 
Tokio abgeschickt worden, eine 
Nachricht sei nicht beigefügt wor- 
den. Das Paket ging bereits vergange- 
ne Woche ein. «Es ist grossartig zu 
wissen, dass wir 
nicht vergessen 
wurden», sagte 
Sunow. Wofür 
er das uner- 
wartete Ge- 
schenk 
einsetzen wolle, wisse er noch nicht. 
Und Sunow ist nicht der Einzige, der 
sich freuen kann: Japanischen Medi- 
en zufolge erhielten auch eine NGO 
für den Wiederaufbau sowie eine 
weitere Organisation Goldgeschenke. 
Schwerster Atomunfall seit Tschernobyl 
Ishinomaki liegt rund 350 Kilometer 
nordöstlich von Tokio. Die Stadt 
wurde von dem Erdbeben der Stärke 
9,0 und dem anschliessenden Tsu- 
nami am 11. März 2011 verwüstet. 
Knapp 19 000 Menschen kamen bei 
der Katastrophe ums Leben, davon 
mehr als 3000 in Ishinomaki. Die 
Naturkatastrophe löste im Kraftwerk 
Fukushima zugleich den schwersten 
Atomunfall seit dem Unglück von 
Tschernobyl 1986 aus. (sda/afp) 
Grausame Attacke 
Angreifer hacken 
Albinojungen Hand ab 
DARESSALAM Erneut ist im ostafrika- 
nischen Tansania einem Albinokind 
von Bewaffneten, die offenbar Kör- 
perteile für Zauberrituale sammeln, 
die Hand abgehackt worden. Bei 
dem Opfer handelte es sich nach Be- 
hördenangaben vom Sonntag um ei- 
nen erst sieben Jahre alten Jungen. 
Er habe sich tags zuvor mit mehre- 
ren Mitschülern auf dem Weg nach 
Hause befunden, als er angegriffen 
worden sei, und liege nun im Spital. 
Vor wenigen Tagen war in Tansania 
einer Albinofrau und Mutter von 
vier Kindern mit einer Machete ein 
Arm abgehackt worden. Am Samstag 
wurden deswegen nach Angaben 
der Polizei fünf Verdächtige festge- 
nommen. (sda/afp) 
Massenhochzeit 
3500 Mitglieder der 
Moon-Sekte getraut 
GAPYEONG Erstmals seit dem Tod des 
Gründers der umstrittenen Moon-Sek- 
te hat es wieder eine Massenhochzeit 
von Sektenmitgliedern gegeben. Rund 
3500 identisch gekleidete Paare nah- 
men am Sonntag an der Zeremonie in 
Gapyeong östlich von Seoul teil. 
12 000 weitere Paare waren per Live- 
Internet-Übertragung der Massen- 
hochzeit zugeschaltet. Die 70-jährige 
Witwe des im vergangenen Jahr ver- 
storbenen Sekten-Gründers Sun My- 
ung Moon, Hak Ja Jan, leitete die Zere- 
monie in Gapyeong. Die Massenhoch- 
zeiten der Sekte hatten in den 60er- 
Jahren ihren Anfang genommen. Nah- 
men zu Beginn lediglich einige Dut- 
zend Paare teil, stieg ihre Zahl über 
die Jahre rasant an. (sda/afp)
	        

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