Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

THEMA 
VOLKSBLATT 
6 
SAMSTAG, 14. FEBRUAR 2009 
Glückwünsche 
zum Geburtstag 
Fürst Hans-Adam II. feiert heute den 64. 
VADUZ – Das Erreichen des 64. Le- 
bensjahres bedeutet in Liechten- 
stein den Eintritt in das ordent- 
liche Rentenalter. Fürst Hans- 
Adam II. erreicht heute diese Mar- 
kierung. Auf dieser Doppelseite 
stellen wir eine Auswahl bedeu- 
tender Aussagen unseres Staats- 
oberhauptes zusammen. 
• Günther Meier 
Fürst Hans-Adam II. hat sich nie 
gescheut, klare und deutliche Worte 
zu sprechen, oft pointiert und pro- 
vokativ. Als er nach dem Tode sei- 
nes Vaters die Funktion des Staats- 
oberhauptes übernahm, waren viele 
gespannt, wie sich der Generati- 
onen- und Personenwechsel aus- 
wirken würde. Zu einer Standard- 
ausgabe wurde die Einschätzung 
des Politologen Arno Waschkuhn in 
den Politischen Schriften: «Im Un- 
terschied zur staatspolitisch klugen 
Distanziertheit seines Vaters, der je- 
doch auch des Öfteren gegen Regie- 
rungsbeschlüsse erfolgreich inter- 
veniert hat, neigt der heutige Lan- 
desfürst Hans-Adam II. von Liech- 
tenstein dazu, unkonventioneller zu 
denken und provokativer oder iro- 
nisch zugespitzter zu formulieren.» 
Fast zwei Jahrzehnte später, nach 
der Staatskrise 1992 und dem jahre- 
langen Ringen um die Revision der 
Verfassung bis zur Volksabstim- 
mung 2003, schreibt David Beattie 
im Buch «Liechtenstein – Ge- 
schichte & Gegenwart» über den 
Fürsten: «Er zeigt keine Reue, wenn 
er Kontroversen verursacht – sie 
sind für ihn eine Möglichkeit, die 
Menschen dazu zu veranlassen, 
über ihren Horizont hinauszuschau- 
en.» Beattie fügt hin, dass es kaum 
vorstellbar sei, wie Liechtenstein 
ohne den persönlichen Einsatz Mit- 
glied der UNO oder des EWR hätte 
werden können. 
Meist seiner Zeit voraus 
In einer Rückschau, die hier aus 
Anlass des heutigen Geburtstags 
des Fürsten vorgenommen wird, 
lässt sich erkennen, dass Hans- 
Adam II. mit seinem Denken und 
seinen Denkanstössen für die Poli- 
tik meistens seiner Zeit und der zu- 
meist pragmatischen Politik voraus 
war. Erkennbar wird diese Einschät- 
zung, wenn man sich an eine Rede 
im Jahre 1970 erinnert, die heute 
noch als «Rucksack-Rede» in vie- 
len Köpfen archiviert ist – und ei- 
gentlich dazu dienen könnte, Visi- 
onen mit dem nachträglichen Gang 
der Politik zu vergleichen. «Unsere 
Politik der letzten siebzig Jahre», 
betonte der damalige Erbprinz 
Hans-Adam, «kann man nicht ein- 
mal als Isolationspolitik bezeich- 
nen, sondern vielmehr das Umstei- 
gen von einem Rucksack in den an- 
deren.» Österreich habe Liechten- 
stein viele Jahrzehnte mitgeschleppt, 
blickte der künftige Fürst auf die 
engen Verbindungen zum Nachbar- 
land Österreich bis zum Ende des 
Ersten Weltkriegs zurück – und 
dann sei Liechtenstein mit viel 
Glück und viel Entgegenkommen 
der Eidgenossen «in den bequemen 
Rucksack der Schweiz gefallen». 
Schon damals sah Hans-Adam II. 
aufgrund der Bewegungen in der 
europäischen Integrationspolitik ein 
hohes Mass an Handlungsbedarf für 
Liechtenstein, um als souveräner 
Staat überleben zu können. 
Zweifelnde Stimmen 
Noch ist der Zug nicht abge- 
fahren, den wir besteigen müssen, 
beruhigte er damals: «Und wir ha- 
ben Zeit, unser Problem mit Ver- 
nunft zu lösen.» In den folgenden 
zwei Jahrzehnten aber brauchte es 
einige weitere Anstösse von seiner 
Seite, um Liechtenstein in die UNO 
und in den EWR zu bringen. Insbe- 
sondere kämpfte er gegen die weit 
verbreitete Meinung an, einen aus- 
senpolitischen Weg unabhängig von 
der Schweiz zu wählen – das sei für 
Liechtenstein problematisch. Die 
Rückschau zeigt, dass Liechten- 
stein vor der Schweiz in die UNO 
aufgenommen wurde und 1992 ei- 
nen eigenen Integrationsweg be- 
schritten hat, der in den EWR 
führte. Zwar sind zweifelnde Stim- 
men, ob sich diese Abwendung von 
der Schweiz längerfristig auszahle, 
immer noch nicht ganz verstummt, 
doch vorerst bestehen keine trif- 
tigen Anhaltspunkte, dass das Rad 
der Geschichte zurückgedreht wer- 
den müsste. 
Pointiert und provokativ 
Die Anerkennung der Souveräni- 
tät Liechtensteins war für Fürst 
Hans-Adam II. immer eines der 
wichtigsten Anliegen. Dabei konnte 
er sich auch Alternativen vorstellen, 
wie er einmal pointiert-provokativ 
bemerkte: Falls eines Tages die 
liechtensteinische Bevölkerung den 
Wunsch hätte, Teil eines demokra- 
tischen vereinigten Europas zu wer- 
den und aus diesem Grund auf die 
Souveränität zu verzichten, wäre 
das verstehbar und akzeptierbar. 
Aber was weder verstehbar noch 
akzeptierbar sei, wäre der Verlust 
der liechtensteinischen Souveräni- 
tät durch die Unfähigkeit, eine ver- 
nünftige Aussenpolitik zu führen. 
Fürstlicher Rentner  Hans-Adam II. von 
und zu Liechtenstein feiert heute seinen 64. Geburtstag. 
In lockerer Atmosphäre und bestens gelaunt nahm er auf 
Schloss Vaduz die Glückwünsche von liechtensteinischen 
Politikern und langjährigen Wegbegleitern entgegen. Un- 
ser Bild zeigt Fürst Hans-Adam II. zusammen mit dem 
Balzner Vorsteher Anton Eberle. 
Nach dem Tode seines Vaters, Fürst Franz 
Josef II., am 13. November 1989, übernahm 
Erbprinz Hans-Adam die Regierungsge- 
schäfte als neuer Fürst Hans-Adam II. In 
einem Schreiben teilte er der Bevölkerung 
mit, dass er aufgrund der Verfassung und 
der Hausgesetze zur Nachfolge berufen sei: 
«Ich gelobe, meinem Land ein gerechter 
Fürst zu sein, die verfassungsmässigen Frei- 
heiten zu wahren, den Bedrängten und Ar- 
men ein Helfer und der Rechte ein treuer 
Hüter zu bleiben.» 
Die Huldigungsfeier für den Fürsten fand 
am 15. August 1990 auf der Schlosswiese 
statt. An der Huldigungsfeier sprach Fürst 
Hans-Adam II. gemeinsam mit Erbprinz 
Alois (siehe Foto unten) das Versprechen 
auf die Verfassung: «Liebe Liechtensteine- 
rinnen, liebe Liechtensteiner – ich verspre- 
che Euch, dass ich nach bestem Wissen und 
Gewissen versuchen werde, meine Pflicht 
zu erfüllen und mich gemäss der Verfassung 
für das Wohl von Volk und Land einzuset- 
zen.» (gm) 
ERBHULDIGUNG 1990 
Liechtenstein sei 
mit Glück «in den 
bequemen Ruck- 
sack der Schweiz 
gefallen». 
Hans-Adam II. 
von und zu Liechtenstein 
Erstmals hielt Fürst Hans-Adam 
II. in seiner Funktion als Stell- 
vertreter des Fürsten im Jahre 
1984 die Thronrede zur Eröff- 
nung des Landtags und setzte 
sich dort mit der Frage von Kri- 
tik auseinander: «Natürlich erhe- 
ben sich in der jüngeren Genera- 
tion immer wieder kritische 
Stimmen gegen Auswüchse der 
Wohlstandsgesellschaft, gegen 
Veränderungen der Umwelt, ge- 
gen die Politik der Parteien und 
der Regierung und so vieles 
mehr.» Weiters sagte Fürst Hans- 
Adam II.: «Das soll aber kein 
Grund zur Beunruhigung sein. 
Im Gegenteil: Fehlt jede Kritik, 
wird es erst beunruhigend. Es 
bedeutet entweder, dass der jun- 
gen Generation die Leistungen 
ihrer Väter vollkommen gleich- 
gültig sind oder ihr Wille oder 
Phantasie fehlt, das Vorhandene 
zu verbessern und das Erbe zu 
mehren.» (gm) 
AUS DER THRONREDE 1984 
VADUZ – Fürst Hans-Adam 
II. ist der erste Fürst, der in 
Liechtenstein aufgewachsen ist 
und auch in Liechtenstein zur 
Schule ging. Wie das Bild 
zeigt, war Hans-Adam auch 
ein strammer Pfadfinder. Am 
14. Februar 1945 herrschte 
grosse Freude, denn Fürstin 
Gina schenkte dem Fürsten 
und dem Land einen Thronfol- 
ger. Getauft wurde der Prinz 
auf den Namen Johann Adam 
Pius. Die Patenschaft hatte 
Papst Pius XII. übernommen, 
der sich bei der Taufe durch 
den Churer Bischof Christia- 
nus Caminada vom Päpstlichen 
Nuntius in Bern, Erzbischof 
Bernardini, vertreten liess. Die 
Liechtensteinische Landesbank 
nahm die Geburt des Erb- 
prinzen zum Anlass, um allen 
Kindern des Landes ein Ge- 
schenk zu machen. Alle ab dem 
1. Januar 1945 in Liechtenstein 
geborenen Kinder erhielten ein 
Sparbüchlein mit einer Einlage 
von 4 Franken. Auf Wunsch 
konnte für die Kinder auch ei- 
ne Sparbüchse bei der Landes- 
bank abgeholt werden. (gm) 
Ein Geschenk 
an alle Kinder 
Glanzvolle Hochzeit Die 
Hochzeitsglocken läuteten für Fürst Hans- 
Adam II. und Fürstin Marie am 30. Juli 1967. 
In der Pfarrkirche St. Florin in Vaduz führte 
er Marie Gräfin Kinsky zum Traualtar. Die 
Verlobung des Brautpaars hatte ein Jahr zu- 
vor auf Schloss Vaduz stattgefunden. Unter 
dem Jubel der Bevölkerung begleitete Fürstin 
Gina ihren ältesten Sohn in die Kirche, wäh- 
rend die Braut am Arm ihres Vaters, Fer- 
dinand Graf Kinsky, die Kirche betrat. Das 
Brautpaar feierte am Abend mit der Bevölke- 
rung am Volksfest in Vaduz. (gm)
	        

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