Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

THEMA 
VOLKSBLATT 
DONNERSTAG, 12. NOVEMBER 2009 5 
Fürst Franz Josef II. mit Gräfin Georgine von Wilczek 1943 in Vaduz. 
heit und mit der notwendigen 
Beharrlichkeit für eine partei- 
politische Verständigung, auf 
dem heiklen aussenpolitischen 
Parkett trug seine Haltung mit 
dazu bei, dass Liechtenstein 
von kriegerischen Auseinan- 
dersetzungen unbeschadet und 
ohne Einbussen in seiner Sou- 
veränität den Zweiten Welt- 
krieg überstand. 
Sein hohes staatspolitisches 
Verantwortungsbewusstsein er- 
streckte sich auch über die 
Wirtschaftspolitik, die in der 
Aufbrauchstimmung nach dem 
Krieg nach seinem liberalen, 
aber auch sozialen Wirtschafts- 
verständnis geformt wurde. In 
diesem Sinne sagte er einmal in 
einer seiner Thronreden: «Nur 
durch eine wirklich durchge- 
führte soziale Gerechtigkeit 
kann die menschliche Gesell- 
schaft zur wahren Ordnung ge- 
langen und nur so erhält sie je- 
ne innere Kraft, die sie befä- 
higt, dem zerstörenden Einfluss 
des Materialismus wirkungs- 
voll entgegenzutreten.» 
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LANDESARCHIV 
/ 
EDDY 
RISCH, 
SCHAAN 
Amtsübergabe Der 26. August 1984 ist ein 
historisches Datum für Liechtenstein. An diesem Tag 
übernahm Erbprinz Hans-Adam die Stellvertretung für 
seinen Vater, den Fürsten Franz Josef II. 
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LANDESARCHIV 
Freundschaft zu den Nachbarn 
Auch Fürst Franz Josef II. betrieb Aussenpolitik 
VADUZ – Liechtensteins Aussenpolitik 
der letzten zwei Jahrzehnte ist eng mit 
Fürst Hans-Adam II. verbunden. Auch 
Fürst Franz Josef II. betrieb Aussenpo- 
litik, zu seiner Zeit allerdings in 
kleinerem Rahmen. 
• Günther Meier 
Heute stellt sich Liechtenstein der Welt 
als weltoffener, global vernetzter Staat 
dar, der Mitglied in zahlreichen internati- 
onalen Organisationen ist, wie UNO, 
EFTA, EWR, WTO und Europarat. Alles 
aber nimmt irgendwie und irgendwann 
seinen Anfang, so auch die Aussenpolitik 
Liechtensteins. Fürst Franz Josef II. legte 
das Schwergewicht seiner Aussenpolitik 
auf freundnachbarliche Beziehungen zu 
den Nachbarstaaten, wobei die Schweiz 
als Partner für Zoll- und Postvertrag so- 
wie für die Währungsunion im Vorder- 
grund stand. 
Dankbarkeit gegenüber der Schweiz 
Nach dem Zweiten Weltkrieg stattete 
der Fürst verschiedenen Ländern offizi- 
elle Besuche ab, die über der Pflege der 
Freundschaft durchaus auch politischen 
Charakter hatten. In seine Regierungszeit 
fällt der Beitritt zum Europarat 1978, 
nachdem die wirtschaftliche Integration 
in Europa über die EFTA von 1960 bis 
1991 von der Schweiz wahrgenommen 
wurde. Eine lange Reihe von multilate- 
ralen Abkommen konnte in den 1950er- 
und 1960er-Jahren mit Zustimmung des 
Fürsten von der Regierung abgeschlos- 
sen werden. 
Mehrfach betonte der Landesfürst in 
den Thronreden, dass sich der Zollver- 
trag mit der Schweiz als sichere Platt- 
form für unser Land erwiesen habe. 
Liechtenstein müsse der Schweiz dank- 
bar sein, «die sich uns gegenüber immer 
als freundlich gesinnter Nachbar und 
verständnisvoller Partner bei den Staats- 
verträgen gezeigt hat. Die Schweiz hat 
stets in vorbildlicher Weise unsere Inte- 
ressen gewahrt in allen Belangen, die sie 
für uns zu führen übernommen hat.» 
Zurückhaltende Besuchsdiplomatie 
Fürst Franz Josef II. hat seine Besuchs- 
diplomatie sehr zurückhaltend einge- 
setzt. Weil er sich aber auch im Ausland 
höchster Wertschätzung als Persönlich- 
keit und als Staatsoberhaupt erfreute, tru- 
gen seine Besuche im Ausland stets zur 
Anerkennung des Kleinstaates Liechten- 
stein bei. Gegenüber der Schweiz zeigte 
der Landesfürst seine besondere Wert- 
schätzung: Die Schweiz ist das einzige 
Land, dem Franz Josef II. zwei Staatsbe- 
suche abstattete, nämlich 1970 zu Be- 
ginn einer neuen Epoche der europä- 
ischen Integrationspolitik und 1984 als 
Abschiedsbesuch. Obwohl der Fürst 
mehrmals Österreich besuchte, das Land, 
in dem er geboren wurde, erhielt nur der 
Abschiedsbesuch 1984 die Bezeichnung 
offizieller Staatsbesuch. 
Unter den Ländern, denen der Fürst ei- 
nen offiziellen Besuch abstattete, befin- 
den sich Deutschland, die USA, Russ- 
land und Frankreich. Ein besonders enges 
Verhältnis pflegte Fürst Franz Josef II. 
zum Vatikan: 1960 traf er mit Papst Jo- 
hannes XXIII. Zusammen, 1975 erhielt 
er eine Privataudienz bei Papst Paul VI. 
Anlässlich der Pilgerfahrt 1983, an der 
auch viele Gläubige aus der Bevölkerung 
teilnahmen, kam es zu einem Treffen mit 
Papst Johannes Paul II. Der Papst nahm 
die Einladung des Fürsten an und be- 
suchte unser Land im Rahmen eines Pas- 
toralbesuchs am 8. September 1985. 
Im Rahmen eines Pastoralbesuchs stattete Papst Johannes Paul II. der Fürstenfami- 
lie am 8. September 1985 einen Besuch auf Schloss Vaduz ab. 
FOTO LANDESARCHIV
	        

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