Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
KPMG-Studie: 
Der Trend in 
Europa geht zu 
weniger Unter- 
nehmenssteuern 
Wirtschaft / 11 
Dienstag, 27. Oktober 2009 Seite 9 
«Neue Normalität» 
USA: Rezession führt zu Preisrutsch – Neue Ausgabenmoral: Schluss mit Prestige-Einkäufen 
NEW YORK – Glückliche Zeiten für 
alle, die noch einen Job und Geld 
zum Ausgeben haben: Amerika 
ist im Ausverkauf, die Verbrau- 
cher profitieren wie noch nie. 
• Rachel Beck, AP 
Die schwere Rezession, die das 
Land in Folge der Wirtschafts- und 
Finanzkrise erfasst und Millionen 
von Amerikanern in die Arbeitslo- 
sigkeit geschickt hat, verwandelt 
die USA in ein Paradies für 
Schnäppchenjäger. Glückliche 
Zeiten für alle, die noch einen Job 
und Geld zum Ausgeben haben. 
Egal ob Kleidung oder Kaffee oder 
Haustiernahrung: Die Preise pur- 
zeln und purzeln. Sogar bei Arti- 
keln, bei denen es normalerweise 
nie Preisnachlässe gibt – z. B. Ver- 
lobungsringe des Edel-Juweliers 
Tiffany – wird der Rotstift ange- 
setzt. Auch die zwei grössten Aus- 
gabeposten in Privathaushalten, 
Häuser und Autos, werden von der 
Preislawine mitgerissen. «Das ist 
die neue Normalität», erklärt Do- 
nald Keptra, Präsident der Super- 
marktkette Dominick’s, die Läden 
im Mittleren Westen der USA be- 
treibt. Sein Unternehmen hat gera- 
de die Preise für mehrere Tausend 
Artikel um 30 Prozent gesenkt. 
«Zurück gehen wir nicht.» 
Entwicklung hat sich angedeutet 
Was sich derzeit an der Preisfront 
in den USA ereignet, hat sich seit 
Längerem angebahnt. Vor vielen 
Jahren verkündete Wal-Mart seine 
Kampagne «Jeden Tag Niedrig- 
preise». Amazon definierte Ende 
der 90er-Jahre die Schnäppchen- 
jagd durch die Einführung des On- 
lineshoppings neu. Nach der Re- 
zession von 2001 lockten die Auto- 
hersteller mit Null-Prozent-Finan- 
zierungen und McDonald’s bot Fast 
Food-Essen für nur einen Dollar 
an. Doch was sich derzeit abspielt, 
ist ohne Beispiel: Der Beinahezu- 
sammenbruch des Finanzsystems 
hat den Preis von Immobilien und 
Aktien ins Bodenlose stürzen las- 
sen und das Haushaltsvermögen in 
den USA schmolz um 6,6 Billionen 
Dollar (elf Prozent) zusammen. 
Wer heute noch genügend Geld 
zum Ausgeben hat, tut dies nicht 
mehr so sorglos wie früher. Es gibt 
einen neuen gesellschaftlichen 
Druck, bei Einkäufen den Dollar 
zwei Mal umzudrehen. In den 
Shopping-Tempeln der USA war es 
einst ein Statussymbol, mit den Ar- 
men voller Einkaufstüten, auf de- 
nen die Namen von Designer-Mar- 
ken prangten, herumzuflanieren. 
Heute gilt dies als anstössig. «Es 
gibt fast so etwas wie eine neue 
Ausgabenmoral», befindet Bill Mc- 
Comb, Chef des US-Modeunter- 
nehmens Liz Clairborne. 
Alle stellen sich dem Preiskampf 
Kleine Einzelhändler wie Dave 
Ratner müssen sich dem Preis- 
kampf ebenso stellen wie die Han- 
delsriesen. Der Besitzer von vier 
Läden für Tiernahrung in Mas- 
sachusetts hat sein Sortiment um- 
gestellt. Statt Premium-Hundefut- 
ter und teurer Leckerlis verkauft er 
jetzt vor allem Billigmarken und 
gewährt grosse Rabatte. «Das 
macht meine Gewinnspanne ka- 
putt,» klagt Ratner. «Wenn man 
aber keine Sonderangebote offe- 
riert und Werbeaktionen startet, hat 
man keine Chance.» 
Grosse Schnäppchen gibt es nicht 
nur im Einzelhandel. Auch nach 
dem Ende der Abwrackprämie er- 
halten Neuwagenkäufer in den 
USA satte Rabatte. Für Hotelüber- 
nachtungen muss der Reisende im 
Schnitt 20 Prozent weniger ausge- 
ben als noch vor einem Jahr – der 
grösste Preisrutsch seit Beginn der 
Erhebungen von Smith Travel Re- 
search. Auch der Immobilienmarkt 
wird von einer Preislawine über- 
rollt. Seit 2006, dem Höhepunkt 
der Immobilienblase, ist der Preis 
für Einfamilienhäuser im Schnitt 
um 30 Prozent eingebrochen. In ei- 
nigen Städten sind Immobilien ge- 
rade noch die Hälfte wert. In Teilen 
von Detroit, dem Herz der kriseln- 
den Autoindustrie, sind Häuser bil- 
liger als ein Neuwagen. 
Nutzniesser der Krise 
Leute wie der Werbemanager 
Bruce Halkin gehören zu den Nutz- 
niessern der Krise. In Kürze wird er 
den Kaufvertrag für ein Anwesen 
unterzeichnen, das an einem Golf- 
kurs in Boca Raton in Florida liegt. 
335 000 Dollar wird er für das ge- 
räumige Haus mit drei Schlafzim- 
mern bezahlen. Den Preis von 
365 000 Dollar, den die Verkäufer 
ursprünglich verlangten, hat er um 
acht Prozent heruntergehandelt. 
Die Noch-Besitzer hatten das An- 
wesen 2006 für 410 000 Dollar ge- 
kauft – und für 75 000 Dollar reno- 
viert. Halkins Schnäppchenjagd ist 
damit aber nicht zu Ende. Vor 
Kurzem war er bei Macy’s einkau- 
fen. Zwei Poloshorts von Ralph 
Lauren, ein Polohemd und einen 
Hut brachte er für gerade einmal 50 
Dollar nach Hause. Ausgezeichnet 
waren die Waren für 200. «Ich habe 
gelernt zu kaufen, wenn ich güns- 
tige Gelegenheiten sehe, und nicht 
notwendigerweise, wenn ich etwas 
brauche», sagt Halkin. 
Risiken der Preisspirale 
Die Preisspirale nach unten birgt 
freilich viele Risiken. Je mehr die 
Konsumenten mit weiter sinkenden 
Preisen rechnen, desto stärker hal- 
ten sie ihr Geld für künftige 
Schnäppchen zusammen und pum- 
pen es nicht in den Wirtschafts- 
kreislauf. Die Unternehmen sehen 
sich gezwungen, ihre Preise weiter 
zu senken. Dies wiederum hält sie 
davon ab, neue Mitarbeiter einzu- 
stellen und ihren Angestellten hö- 
here Gehälter zu zahlen. Einige 
Volkswirtschaftler warnen bereits 
vor einer Deflation, wie sie Japan 
seit zwei Jahrzehnten im Griff hat. 
In Amerika wird Einkaufen zum Sparen: Karen Wilmes kauft gross ein – 
und muss dank Coupons nur 40 statt 90 Dollar bezahlen. 
FOTO 
AP 
Direktverkauf 
Kissen 
und 
Schaumstoffe 
nach 
Mass 
www.texba.ch 
Fabrikstrasse 9 • 9470 Buchs • Tel. 081 756 17 67 
Dienstags von 9:00 bis 11:30 Uhr 
beim Rathaus im Zentrum von Schaan 
28. April bis 10. November 2009 
Gemüse, Eier, Käse, Bioprodukte, Obst, 
Honig, Butter, Joghurt, Marmeladen, ... 
Gaststand & Gemütliches Marktcafé 
Donnerstags von 8:30 bis 11:30 Uhr 
Parkplatz Restaurant Riet in Balzers 
23. April bis 5. November 2009 
Gemüse, Obst, Beeren, Fleisch, Fisch, 
Honigprodukte, Konfitüren, frisches 
Brot, Blumen, Fair Trade Produkte, ... 
Herzlichen Dank 
an alle Besucher des 
Murer Wochenmarktes! 
Samstags von 10:00 bis 13:00 Uhr 
auf dem Rathausplatz in Vaduz 
30. Mai, 20. Juni, 4. Juli, 29. August, 
26. September, 31. Oktober 
Gemüse, Obst, Käse, Eier, Nudeln, 
Wurst, Brot, Sirup, Konfitüre,  ... 
Liechtensteiner 
Wochenmärkte 
Regionale 
Frischprodukte 
ANZEIGE 
5,18 Prozent: 
Lidl erhöht 
die Löhne für 
die Verkaufs- 
angestellten 
Wirtschaft / 11 
Konsumklima 
in Deutschland 
hat im Oktober 
einen Dämpfer 
erhalten 
Wirtschaft / 12 
NEWSMIX 
Pleite dämpft Hoffnung auf 
Ende der Finanzkrise in USA 
NEW YORK – Eine neue Milliarden-Plei- 
te hat der Hoffnung auf ein Ende der Fi- 
nanzkrise in den USA einen Dämpfer ver- 
setzt. Einer der grössten Finanzierer von 
Gewerbeimmobilien, Capmark Financial, 
meldete Insolvenz an. Das geht aus einer 
am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten 
Mitteilung hervor. Die Pleite zeigt, dass 
den US-Finanzinstituten im Bereich der 
Gewerbeimmobilien weiter grosse Kredit- 
ausfälle drohen. Seite 12 
BMW verabschiedet sich von 
zu hohen Manager-Gehältern 
FRANKFURT – Der Autohersteller BMW 
verabschiedet sich von ausufernden Mana- 
ger-Gehältern. Ab nächstem Jahr wird die 
Entwicklung der Gehälter von Topmana- 
gern an die Lohnentwicklung der Fabrikar- 
beiter gekoppelt, berichtete die «Frankfur- 
ter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS). 
«Wir stellen sicher, dass sich die Schere im 
Konzern nicht weiter öffnet», sagte BMW- 
Personalvorstand Harald Krüger dem Blatt. 
In schlechteren Zeiten, mit weniger zu ver- 
teilendem Gewinn, schliesse sich die Sche- 
re sogar ein Stück: «Das Management er- 
leidet dann deutlich höhere Einbussen als 
der Arbeiter am Band.» (sda/afp) 
Englischer Prinz 
verteidigt Banker-Boni 
LONDON – Prinz Andrew, 
zweitältester Sohn der bri- 
tischen Königin, hat gut be- 
zahlten Bankern Rückende- 
ckung gegeben. Die Boni für 
Banker seien im Allgemei- 
nen gesehen «winzig» und 
ein leichtes Angriffsziel, 
sagte er in einem Interview 
mit der Zeitung «Daily Telegraph» vom 
Samstag. Zwar müsse man gegen Exzesse 
vorgehen, «aber man darf das Kind nicht 
mit dem Bade ausschütten»: «Ich will die 
Bank- und Finanzbranche nicht dämonisie- 
ren.» Andrew, der Bruder von Prinz Charles, 
warnte zudem davor, Steuerschlupflöcher 
für die Menschen zu stopfen, die nicht in 
Grossbritannien wohnhaft sind. Das könnte 
dem Land langfristig auch schaden. Der 49- 
Jährige ist Handels- und Investitionsreprä- 
sentant für das Königreich. (sda/dpa)
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.